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Gesundheit auf Reisen
Gesund reisen
Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

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Atemwegsinfektionen (Lokale Abwehr)

Lokale Abwehr von Atemwegsinfektionen

Wenn Infektionserreger über Tröpfchen in der Luft (Grippe) oder über Staub (Meningitis) übertragen werden, sind diese nur bei einigen Patienten bei Laboruntersuchungen nachweisbar. Offenbar waren eine große Zahl von Personen, die mit dem Errerger in Berührung kamen, in der Lage ihn schon in der Lunge abzufangen und zu beseitigen. Warum bleiben diese Menschen gesund? Wie funktioniert die lokale Infektionsabwehr? 

Bestandteile der lokalen Infektionsabwehr

  • Lippen
    • Wenn die Lippen schließen, wird der Atemfluss durch die Nase gelenkt, wo über die Schleimhaut eindringende Partikel besser herausgefiltert werden können
  • Nase
    • Die Nase verfügt über Flimmerhärchen, die grobe Schmutzteilchen herausfiltern, und reichlich Körperabwehrzellen
    • Die Nasenschleimhaut ist weniger funktionsstark, wenn sehr häufig Nasenschleimhaut abschwellende Lösungen benutzt werden
  • Mund und Rachen
    • Mund und Rachen sind mit dachziegelartig übereinandergelagerten Zellen ausgestattet, die einen mechanischen Schutz bieten und in die Körperabwehrzellen eingelagert sind
    • Der Speichel enthält Abwehreiweiße (IgA). Heruntergeschluckte Erreger landen im Säurebad des Magens
  • Kehlkopf und Bronchien
    • Der Kehlkopf ist eine Schwachstelle der Abwehr. Hier liegen die Stimmbänder, die leicht gereizt werden (Heiserkeit) oder auf denen sich Bakterien festsetzen können (Diphtherie)
    • Die Bronchien leiten die Luft weit verzweigt in die Lunge. Sie sind mit Flimmerhärchen ausgekleidet, die feine Partikel, an denen Krankheitserreger haften können, nach außen transportieren. In der Zellschicht eingelagert sind Körperabwehrzellen, die u.a. auch hier Abwehreiweiße (IgA) herstellen
    • IgA: Immunglobulin A richtet sich unspezifisch gegen alle Erreger. Es kann nur wirken, wenn die Atemwege befeuchtet sind. Sehr trockene Luft (Klimaanlagen, Zentralheizungen, Flugzeug) kann die Wirksamkeit von IgA einschränken
    • Die Funktion der Flimmerhärchen kann jedoch durch Kälte und zu trockene Luft schnell beeinträchtigt werden. Um optimal arbeiten zu können, benötigen die Flimmerhärchen in der Tiefe der Lunge eine Temperatur von 37°C und eine Luftfeuchtigkeit von 100%. Vor allem zu trockene Luft kann diesen natürlichen Abwehrmechanismus leicht beeinträchtigen und auch eine Besiedelung der Schleimhaut mit Bakterien begünstigen
  • Lungenbläschen, die dem Sauerstoffaustausch dienen
    Sie sind mit einem Film ausgekleidet, der u.a. „Fresszellen“ enthält, die Erreger und Fremdkörper, wie Russ oder Teerpartikel, aufnehmen. Infektionserreger werden von ihnen für andere Zellen der Körperabwehr so vorbearbeitet, dass sie genau erkannt werden können.

 

Atmung


Die Atmung ist möglicherweise das erste willkürliche Muskelsteuerungsprogramm des Menschen. In der Gebärmutter füllt sich die Lunge eines ungeborenen Kindes langsam mit umgebender Flüssigkeit, die das Ungeborene mit zunehmendem Dehnungsreiz des Brustkorbes irgendwann erstmalig, dann unregelmäßig und schließlich in einem festen Rhythmus herauspresst. Deshalb braucht es das Atmen nach der Geburt nicht zu erlernen: es kann es schon. Die Atmung wird gesteuert durch das Stammhirn, einem Hirnteil den im Prinzip auch Reptilien besitzen. Säugetiere benötigen eine intensivere Sauerstoffversorgung für ihr relativ großes Hirn. Sie verfügen daher über einen sehr komplexeren Steuerungsmechanismus. In Ruhe und in Gesellschaft mit Artgenossen spielt sich ein ruhiger und tiefer Atemrhythmus ein, und das Herz wird in der Ausamtung gedämpft. In einer Bedrohungssituation steigt die Atmungshäufigkeit und die Atmung flacht ab. Je tiefer und mit mehr Luftvolumen die Atmung erfolgt, desto mehr Lungenbläschen werden belüftet, die im zusammengefalteten Zustand einen guten Nährboden für Infektionserreger abgeben würden. Stress führt zu einer flachen, für die lokale Körperabwehr ungünstigen Atmung und zusätzlich wird bei Stress auch die allgemeine Körperabwehr gedämpft.

 

Fast alle Muskeln des Atemapparates werden auch bei Willkürbewegungen benötigt und können daher bewusst angesteuert werden. Mit dem Zwerchfell gelingt das allerdings nur Personen, die etwas Atemgymnastik geübt haben.

Eine willkürliche Beeinflussung der Atmung (Verlangsamung der Ausatmung, Bauch weiten, Brust dehnen, Luftanhalten, Hechelen) kann sich sehr direkt auf den psychischen Zustand auswirken:

  • Probieren Sie einmal, wie es sich anfühlt, wenn Sie in ärgerlichen oder nervigen Situationen, dreimal tief durch die Nase einatmen und die Luft dann fließend wieder gehen lassen
  • Um dem Effekt zu verstärken könnten Sie noch ein Nasenloch beim Einatmen und das andere beim Ausatmen mit einem Finger zu drücken.

Die Atmung wird durch Rhythmen gesteuert, die wesentlich schneller ablaufen als bewusste Entscheidungen. Wenn die bewusste Entscheidung  "Einatmen!" fällt, ist der "Bus längst abgefahren" (genau seit 0,3 Sekunden). Willkürlich kann Atmung also nur unterbrochen ("Luftanhalten") oder in ihrer Taktung beeinflusst werden ("schneller, langsamer"). Der Versuch willkürlich einen Rhythmus vorgeben zu wollen (bei wenig guten Bewegungskursen) führt zu Verkrampfung. Günstig ist es, bei Bewegungen der Atmung Platz zu machen ("Als wolle man jemandem der kommt eine Tür öffnen") oder eine Rhythmus vorzugeben, dem sich die Atmung "von selbst" anpassen kann.

 

Die Atemfunktion wird trainiert und verbessert durch

  • Jede Art von Bewegung, insbesondere an frischer Luft
  • Entspannte Körperhaltung und Lockerung der Brustkorb- und Schultermuskulatur. Entspannungstechniken (s. Kapitel "Chancen und Wellness")
  • Ausdauernde Sportarten (Laufen, Wandern, ...)
  • Sportarten, die den Oberkörper dehnen (Bogenschießen, Schwimmen, ...)
  • Tauchen
  • Gezielte Atemübungen: QiGong, Yoga (Pranayama), Atemgymnastik. Entspannungstechniken (s. Kapitel "Chancen und Wellness")
  • Singen

 

Reizfaktoren der Atemwege, die Infektionen begünstigen können:

  • Smog (insbesondere Feinstaubbelastung in Großstädten)
  • Chemische Belastungen am Arbeitsplatz
  • Rauchen
  • Passivrauchen
  • Asthma durch Reizstoffe oder Allergien
  • Staub (z.B. in heißen Wüstenregionen)
  • Schneller Wechsel zwischen Hitze (tropische Großstadt, in der das Pflaster die Wärme noch reflektiert) und Kälte im voll klimatisierten Hotel
  • Abhängigkeit von abschwellenden Nasentropfen
  • Gewebeveränderungen durch anhaltende Reizungen oder entzündliche Prozesse, z.B. Lungenemphysem mit Verlust der elastischen Fähigkeiten des Gewebes und Bildung von Aussackungen, die keinen Gasaustausch mehr erlauben.

 

Lebensalter und Grunderkrankungen

  • Die Lungenreifung von Ungeborenen ist besonders vor der 30. Schwangerschaftswoche noch so unvollständig, dass bei Frühgeborenen die Atmung schwer beeinträchtigt sein kann. Leicht kann es zur Bildung eines Lungenemphysems und zu Atemnot kommen. Ein Faktor, der dieses Erkrankungsrisiko verschlimmert, ist das Rauchen der Eltern
  • Im höheren Alter sind die Veränderungen des Lungengewebes nicht spektakulär. Das Organ verliert an Elastizität, und hat weniger Leistungsreserven, was besonders bei bestehenden Krankheiten (z.B. Herz-, Lungenleiden, Infektionen) zu Engpässen in der Sauerstoffversorgung führen kann. Ansonsten kann das Blut älterer Menschen problemlos mit Sauerstoff versorgt werden. Eine weitere Ursache für schwere Krankheitsverläufe im höheren Lebensalter ist die oberflächliche und häufig zusätzlich durch Schleim behinderte Atmung bettlägeriger Menschen. Älteren Menschen bieten Impfungen gegen Grippe und gegen bestimmte Erreger der bakteriellen Lungenentzündung (Pneumokokken) zusätzlichen Schutz.

Medikamente und sonstige Maßnahmen

  • Eine Bronchitis heilt meist ohne Antibiotika mit physikalischen Maßnahmen aus, wenn die Ursache, die den Reiz verursacht hat, vermieden wird
  • Lungenentzündungen erfordern eine schnelle Behandlung mit Medikamenten. Eine bakterielle Infektion der Lunge muss mit Antibiotika behandelt werden
  • Bei Älteren oder chronisch Kranken kann eine Influenza mit virenhemmenden Medikamenten behandelt werden. Bei leichten grippalen Infekten (Schnupfen und Husten) brauchen hingegen in der Regel keine verschreibungspflichtigen Medikamente gegeben werden
  • In jedem Fall ist es wichtig, genug Flüssigkeit zu trinken, ggf. vorhandenen Schleim abzuhusten, das Atmen durch aufgerichtes Liegen zu erleichtern und auf Zufuhr von frischer, nicht zu kühler Luft zu achten.

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MG, HEF, 20.08.2012