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Wirksamkeitsnachweise bei Methoden zur Verbesserung des Wohlbefindens
Erfolg oder Misserfolg einer Methode hängen nicht nur von ihrer speziellen Technik oder Anwendung ab. Scheinbare Nebensächlichkeiten machen einen großen Teil der Wirkung aus: z.B. die Art des Empfangs in der Einrichtung, der Duft der Saunaanlage, der Blickkontakt mit dem Masseur, die Aufmerksamkeit und Freundlichkeit der Gesprächsführung, die Farbe des einstrahlenden Lichtes oder die leisen Klänge der Hintergundmusik.
Solche nicht-spezifischen Effekte begleiten alle Methoden, und ihre Auswirkungen werden immer besser verstanden. Dieses neue Wissen um die Zusammenhänge von Hirn, Körper und Immunsystem führen zu einem Wertewechsel: von der rein technischen Anwendung hin zu vertrauensvoller und offen gleichberechtigter Kommunikation zwischen Anwendern, Trainern und ihren Kundinnen und Kunden.
Durch Gesten, Mimik, Stimmlage, Berührung und viele andere Aspekte menschlicher Beziehungen können Anwender oder Trainer souverän, transparent und wirksam Sicherheit vermittlen und eine Atmosphäre schaffen, in der sich Angst und Stress lösen. Es entsteht ein Zustand, in dem das Empfinden für sich selbst mit dem verschmilzt, was gerade geschieht (sogenanntes Flow-Gefühl). Mit entspannter aktiver oder passiver Bewegung öffnet sich dann die Wahrnehmung für die Meldungen der inneren Sinne (so genannte Propriozeption). Allein das Spüren dieser Hinweise auf das eigne Befinden, die meist durch die Aufmerksamkeit für den Alltag übertönt werden, kann sich heilsam auswirken.
Um Geschäftemacherei oder riskante Anwendungen oder Methoden von nützlichen nicht-spezifischen Effekten zu unterscheiden, müssen Untersuchungen zur Qualitätssicherung die Art der Anwendung von Produkten oder Dienstleistungen berücksichtigen und auch nicht-spezifische Auswirkungen der Anwendung beobachten, z.B. ob langfristig Ausgaben für Behandlungen eingespart wurden.
Auschnitte aus einem Bild von Joris-Karl Huysmans
Wenn eine Behandlung wirkt, muss es nicht daran liegen, dass ein Medikament, ein chirurgischer Eingriff oder eine Manipulation etc. selbst direkt an der Ursache wirksam geworden ist. Es ist ebenso möglich, dass:
Eine Wirkung, ganz gleich, ob sie nun als spezifisch oder nicht-spezifisch beobachtet wird, kann überprüft werden. Häufig allerdings nur auf indirektem Wege über die Beobachtung der gesundheitlichen Auswirkungen. Die Indikatoren für nicht-spezifische Wirkungen bei „komplementären“ und „klassischen“ Anwendungen oder Interventionen sind gleich:
Beide Indikatoren wurden u.a. zur Überprüfung der Wirksamkeit einer sehr einfachen Intervention herangezogen: Schwestern lernten ein bestimmtes Bewegungsprogramm, das sie anschließend bei Hausbesuchen gemeinsam mit über 80jährigen Pflegepersonen durchführten. Das Ergebnis: weniger Stürze bei den Betroffenenund in der Folge weniger Gesundheitskosten (Robertson 2001). Ob eine Aktivierung dieser älteren Patienten nun überwiegend durch Gymnastik, Yoga oder QiGong erfolgt sein mag, spielt bei dem unspezifischen Effekt der Beweglichkeitsmotivierung eine untergeordnete Rolle.
Spezifische Effekte von Methoden zur Verbesserung des Wohlbefindens sind allerdings von erheblicher Bedeutung, wenn das Risiko ihrer Anwendung beobachtet wird. Z.B. ist die Dehnung einer Muskelkette nicht grundsätzlich gut, sondern kann, bei schlechter Anleitung und geschwächter Bandstruktur der Gelenke oder Vorerkrankungen zu erheblichen Folgeschäden führen (Bandscheibenvorfall, Blutdruckkrise o.ä.). Die Möglichkeit solcher Ereignisse spricht nicht zwangsläufig gegen die Anwendung der Methode, erfordert aber einen hohen Ausbildungsgrad der Anwender und scharfe Qualitätskontrollen.
Eine weitere, eher theoretische Möglichkeit zur Evaluierung von Standardbehandlungen abweichender Methoden wären „cohort multiple randomised controlled trials" (Relton 2010), die allerdings bei Methoden zur Verbesserung des Wohlbefindes bisher noch nicht angewandt wurden.
Ergänzende Artikel:
Überprüfte Methoden zur Verbesserung des Wohlbefindens, hinsichtlich nicht-spezifischer Effekte
Hintergrundinformationen zu nicht-spezifischen Wirkungen
Literatur