Gesundheit auf Reisen
Gesund reisen
Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung

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A: Wellness-Wirksamkeit

Wirksamkeitsnachweise bei Methoden zur Verbesserung des Wohlbefindens

Erfolg oder Misserfolg einer Methode hängen nicht nur von ihrer speziellen Technik oder Anwendung ab. Scheinbare Nebensächlichkeiten machen einen großen Teil der Wirkung aus: z.B. die Art des Empfangs in der Einrichtung, der Duft der Saunaanlage, der Blickkontakt mit dem Masseur, die Aufmerksamkeit und Freundlichkeit der Gesprächsführung,  die Farbe des einstrahlenden Lichtes oder die leisen Klänge der Hintergundmusik.

Solche nicht-spezifischen Effekte begleiten alle Methoden, und ihre Auswirkungen werden immer besser verstanden. Dieses neue Wissen um die Zusammenhänge von Hirn, Körper und Immunsystem führen zu einem Wertewechsel: von der rein technischen Anwendung hin zu vertrauensvoller und offen gleichberechtigter Kommunikation zwischen Anwendern, Trainern und ihren Kundinnen und Kunden.

Durch Gesten, Mimik, Stimmlage, Berührung und viele andere Aspekte menschlicher Beziehungen können Anwender oder Trainer souverän, transparent und wirksam  Sicherheit vermittlen und eine Atmosphäre schaffen, in der sich Angst und Stress lösen. Es entsteht ein Zustand, in dem das Empfinden für sich selbst mit dem verschmilzt, was gerade geschieht (sogenanntes Flow-Gefühl). Mit entspannter aktiver oder passiver Bewegung öffnet sich dann die Wahrnehmung für die Meldungen der inneren Sinne (so genannte Propriozeption). Allein das Spüren dieser Hinweise auf das eigne Befinden, die meist durch die Aufmerksamkeit für den Alltag übertönt werden, kann sich heilsam auswirken.

Um Geschäftemacherei oder riskante Anwendungen oder Methoden von nützlichen nicht-spezifischen Effekten zu unterscheiden, müssen Untersuchungen zur Qualitätssicherung die Art der Anwendung von Produkten oder Dienstleistungen berücksichtigen und auch nicht-spezifische Auswirkungen der Anwendung beobachten, z.B. ob langfristig Ausgaben für Behandlungen eingespart wurden.

 

Auschnitte aus einem Bild von Joris-Karl Huysmans

Wenn eine Behandlung wirkt, muss es nicht daran liegen, dass ein Medikament, ein chirurgischer Eingriff oder eine Manipulation etc. selbst direkt an der Ursache wirksam geworden ist. Es ist ebenso möglich, dass:

  • die (scheinbar) unwirksame Behandlung nicht-spezifische Effekte auslöst, die größer sind als die erwünschten oder erwarteten Wirkungen der Behandlung,
  • die Art und Weise, wie die Behandlung ausgeführt wird die Wirkung erzeugt (Empathie),
  • das Wissen (z.B. im Rahmen einer Studie), aufmerksam beobachtet zu werden, das „natürliche“ spontane Verhalten der Personen erwartungsgemäß verändert (Hawthorne Effect),
  • die Behandlung einen Schneeballeffekt der Selbstheilung auslöst, z.B. durch indirekte Stimulierung nicht-spezifischer Faktoren,
  • der Patient durch Konditionierung lernt, oder dass
  • eigentlich nichts wirkt, aber der natürliche Verlauf in die Genesung oder zum Gruppenmittelwert zurück pendelt.

Eine Wirkung, ganz gleich, ob sie nun als spezifisch oder nicht-spezifisch beobachtet wird, kann überprüft werden. Häufig allerdings nur auf indirektem Wege über die Beobachtung der gesundheitlichen Auswirkungen. Die Indikatoren für nicht-spezifische Wirkungen bei „komplementären“ und „klassischen“ Anwendungen oder Interventionen sind gleich:

  • Verbessert die Methode die subjektive Lebensqualität des Patienten? (Faltermeyer 1998, Fegg 2007)
  • Vermindert die Methode die Nachfrage nach weiteren Gesundheitsleistungen? (Mason 2002)

Beide Indikatoren wurden u.a. zur Überprüfung der Wirksamkeit einer sehr einfachen Intervention herangezogen: Schwestern lernten ein bestimmtes Bewegungsprogramm, das sie anschließend bei Hausbesuchen gemeinsam mit über 80jährigen Pflegepersonen durchführten. Das Ergebnis: weniger Stürze bei den Betroffenenund in der Folge weniger Gesundheitskosten (Robertson 2001). Ob eine Aktivierung dieser älteren Patienten nun überwiegend durch Gymnastik, Yoga oder QiGong erfolgt sein mag, spielt bei dem unspezifischen Effekt der Beweglichkeitsmotivierung eine untergeordnete Rolle.

Spezifische Effekte von Methoden zur Verbesserung des Wohlbefindens sind allerdings von erheblicher Bedeutung, wenn das Risiko ihrer Anwendung beobachtet wird. Z.B. ist die Dehnung einer Muskelkette nicht grundsätzlich gut, sondern kann, bei schlechter Anleitung und geschwächter Bandstruktur der Gelenke oder Vorerkrankungen zu erheblichen Folgeschäden führen (Bandscheibenvorfall, Blutdruckkrise o.ä.). Die Möglichkeit solcher Ereignisse spricht nicht zwangsläufig gegen die Anwendung der Methode, erfordert aber einen hohen Ausbildungsgrad der Anwender und scharfe Qualitätskontrollen.

Eine weitere, eher theoretische Möglichkeit zur Evaluierung von Standardbehandlungen abweichender Methoden wären „cohort multiple randomised controlled trials" (Relton 2010), die allerdings bei Methoden zur Verbesserung des Wohlbefindes bisher noch nicht angewandt wurden.


Ergänzende Artikel:

Überprüfte Methoden zur Verbesserung des Wohlbefindens, hinsichtlich nicht-spezifischer Effekte

Hintergrundinformationen zu nicht-spezifischen Wirkungen

Literatur

  • Faltermeyer T: Subjektive Konzepte und Theorien von Gesundheit. In: In Flick U (Hrsg.): Wann fühlen wir uns gesund? Gesundheitsforschung, Weinheim, Juventa 1998
  • Fegg MJ, Kramer M, Bausewein C, Borasio GD: Meaning in life in the Federal Republic of Germany: results of a representative survey with the schedule for meaning in life evaluation (SMiLE). Health Qual Life Outcomes. 2007;(22)5:59.
  • Mason S, Tovey P, Long AF: Evaluating complementary medicine: methodological challenges of randomised controlled trials. BMJ 2002;325:832-834.
  • Robertson MC, Gardner MM, Devlin N, McGee R, Campbell AJ: Effecitveness and economic evaluation of a nurse delivered home exercise programme to prevent falls. 2: Controlled trail in multiple centres. BMJ 2001; 322: 1-5
  • Relton C, Torgerson D, O’Cathain A, Nicholl J: Rethinking pragmatic randomised controlled trials: introducing the "cohort multiple randomised controlled trial" design, BMJ 2010;340:c1066, doi: 10.1136/bmj.c1066

 



HEF, MG, 07.06.2011




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