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Reisetrend: Luxusziel Stille

Fernab von Autolärm und Großstadtstress zur Ruhe kommen kann man nicht nur im Kloster oder im Fünf-Sterne-Spa. Orte der Stille finden sich fast überall, wie zum Beispiel auf der Hallig Oland.

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So schön sehen zwei Quadratkilometer plattes Land aus (Foto von: Christiane Muche)
© Christiane Muche
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So schön sehen zwei Quadratkilometer plattes Land aus

Noch gestaltet sich mein Ausflug in die Stille ganz schön laut. Statt sanftem Meeressäuseln höre ich nur das stumpfe Rattern der Lore auf dem schmalen Bahndamm. Doch der Blick aus dem verstaubten Bullaugenfenster ist wie Meditation für die Augen. Nichts versperrt den Blick Richtung Horizont, flamingofarbene Wolken spiegeln sich im Watt, und in der Ferne erkennt man schon mein Reiseziel: eine winzige Erhebung mitten im Meer. Ich fahre auf eine einsame Insel. Das klingt nach tropischem Eiland, doch meine Insel sieht anders aus. Statt Kokospalmen wächst hier Deichgras, statt tropischem Sonnenschein herrscht hier ein frischer Nordwestwind, und statt türkisblauem Wasser schwappt die graubraune Nordsee ans Ufer der Hallig Oland. Das mindert den Charme dieser winzigen Insel jedoch keinesfalls. Denn was ich suche, gibt es hier im Überfluss: Ruhe.


Hier gibt es nicht mal Straßen

Ich möchte den Stress der Großstadt, in meinem Fall Hamburgs, hinter mir lassen. Das Dröhnen der Containerschiffe im Hafen, das Rauschen der Autos auf dem Asphalt, das Grölen und Gelächter der Kieztouristen auf der Reeperbahn. Und nicht nur ich brauche Ruhe. Laut Umweltbundesamt leiden 13 Millionen Deutsche unter Lärmbelastung, die Stress und gesundheitliche Beschwerden verursachen kann.


Wenige Bewohner machen auch wenig Wäsche - so sieht es jedenfalls aus (Foto von: Christiane Muche)
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Wenige Bewohner machen auch wenig Wäsche - so sieht es jedenfalls aus

Daher habe ich mich für ein Reiseziel entschieden, an dem es keine Straßen gibt, keine Autos und nicht einmal Fahrräder, soweit ich weiß. Auf die Hallig Oland gelangt nur über einen schmalen Bahndamm, der vom Küstenschutz und den Halligbewohnern mit ihren Loren befahren werden darf. Für zwei Nächte habe ich mich in einer der wenigen Ferienwohnungen eingemietet und mit meiner Gastgeberin abgesprochen, dass ich in Dagebüll auf sie und ihre Lore warten würde. Schon auf der Fahrt nach Dagebüll wurde deutlich, dass meine Reise mich in abgelegene Gebiete führt. Nach jedem Umsteigen lande ich in einem kleineren Gefährt. Auf den Regionalexpress folgt eine sogenannte Kleinbahn, bestehend aus einem Waggon, geschätztes Baujahr 1970, mit einer ersten Klasse, die aus vier Sitze besteht. Die Lore, in der ich jetzt sitze, gleicht schließlich einer Spielzeuglok, bunt angemalt und mit Bullaugenfenstern.


Als wir die Hallig erreichen, ist es dunkel geworden, und ich bekomme einen ersten Eindruck davon, was es bedeutet, inmitten der Nordsee zu sein. Als ich meine reetgedeckte Unterkunft verlasse, sehe ich nämlich erstmal - nichts. Über der Insel liegt eine dichte Nebelwolke. Nur der Leuchtturm schlägt eine Schneise in die vollkommene Dunkelheit. Wo sein Licht auf die Nebelwolke trifft, erstrahlt diese in Rot, Weiss und Grün. Zwei Stunden später wiederum hängt ein dicker Vollmond am Himmel, und ich sehe, dass das Wasser langsam zurückgekrochen kommt. Plötzlich fühle ich mich sehr klein.



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