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Bergwaldprojekt: Urlaub in Gummistiefeln

Die schönste Zeit des Jahres sinnvoll nutzen: Das Bergwaldprojekt organisiert Reisen für freiwillige Helfer - zum Schutz der heimischen Wälder

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Ingke Carstens fällt in ihrem Urlaub Bäume, pflanzt Sträucher und baut Staudämme. Statt im Bikini am Strand zu liegen, ist sie in Gummistiefeln in deutschen Wäldern unterwegs. Etwa 25 Mal hat sie bereits an einem Programm des Bergwaldprojekts teilgenommen. "Wenn man am Wochenende spazieren geht, kommt man gar nicht richtig in den Wald hinein", sagt Carstens, aber bei der Arbeit im Wald sei das anders. "Man gräbt aus eigener Kraft, fällt Bäume und pflanzt neue und bekommt dadurch ein ganz anderes Auge für die Natur. Man sieht die Dinge dann auch im Alltag anders. Das Interesse an den Vorgängen in der Natur wird geweckt", erzählt sie.

Vor elf Jahren stieß die 38-jährige Werbekauffrau aus Hamburg zum ersten Mal auf das Bergwaldprojekt. Damals studierte sie, hatte wenig Geld und wollte ehrenamtlich etwas für die Umwelt tun. Bei Greenpeace sagte man ihr, dass die Organisation keine Reisen anbiete, bei denen Freiwillige in der Natur helfen. Allerdings hatte die Umweltorganisation 1987 das Bergwaldprojekt in der Schweiz gegründet. Inzwischen ist der Verein unabhängig und seit 1993 auch in Deutschland aktiv. Die Teilnehmer müssen lediglich die Anfahrt selber bezahlen, alles andere ist kostenlos.

Carstens erste Reise ging an den Walchensee in der Nähe von Bad Tölz. Bis heute ist das auch ihr Lieblings-Standort geblieben. Inzwischen ist sie im Verein Gruppenleiterin und unterstützt die Projektleiter, die bei den Einsätzen vor Ort koordinieren. Für eine intakte Natur könne jeder etwas tun, sagt sie. "Früher haben an dem Programm hauptsächlich Studenten mit wenig Geld und Ökos teilgenommen", erzählt Carstens, "heute ist das anders. Die Leute, die beim Bergwaldprojekt mitmachen, wollen wirklich etwas verändern und kommen aus allen verschiedensten Schichten. Der Geschäftsführer arbeitet gemeinsam mit dem Studenten und dem Rentner."

Carstens hat sich bewusst für ein Projekt entschieden, das sich zur Aufgabe gemacht hat, die heimischen Wälder zu schützen: "Wenn man Freiwilligenarbeit in anderen Ländern macht und die Verhältnisse dort sieht, vergisst man häufig, dass es auch bei uns eine Menge zu tun gibt. Außerdem sind Auslandseinsätze teuer und die Zeit ist meistens viel zu kurz." Da würde Carstens das Geld eher spenden. Sie glaubt, dadurch mehr helfen zu können. So sieht es auch das südafrikanische Human Sciences Research Council. Laut einer Studie schade dieser "Voluntourismus" häufig dem Arbeitsmarkt in den Entwicklungsländern oder die Hilfseinrichtungen seien in erster Linie mit der Betreuung der Touristen beschäftigt. In Waisenhäusern seien die Kinder durch den häufigen Wechsel von Bezugspersonen häufig überfordert. Deswegen hält Carstens es für sinnvoller in der Heimat aktiv mitzuhelfen.

Eine Woche lang sind die Freiwilligen mit Spaten und Axt im Wald unterwegs, sie pflanzen, fällen und bauen (Foto von: Bergwaldprojekt e.V.)
© Bergwaldprojekt e.V.
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Eine Woche lang sind die Freiwilligen mit Spaten und Axt im Wald unterwegs, sie pflanzen, fällen und bauen

Bäume fällen für die Natur

Eine Woche dauert der Einsatz im Wald. Die Aktivitäten variieren je nach Standort und Bedarf. Gerade in Bezug auf den Klimawandel sei der Waldumbau besonders wichtig, so Carstens. Dabei werden zum Beispiel Fichten gefällt und stattdessen Eichen und Buchen gepflanzt. So soll der Mischwaldbestand gezielt gefördert werden. Aber auch die Renaturierung von Mooren steht bei vielen Projekten auf dem Programm. "Früher wurden die Moore durch Entwässerungsgräben trocken gelegt, damit man dort Bäume pflanzen oder etwas anbauen konnte. Allerdings ist dadurch der Wasserhaushalt gestört und wir verschließen die Gräben mit Holzplanken, damit sich die natürlichen Torfmoose wieder ansiedeln können", erzählt Carstens. Besonders gut gefalle ihr allerdings das Gefühl, wenn sie nach einem langen, anstrengenden Tag sagen könne: "Heute habe ich hundert neue Bäume gepflanzt", da sehe man richtig, was man geschafft habe.

Morgens um sechs Uhr müssen die Teilnehmer aufstehen. "Zum Glück gibt es einen eigenen Koch, der auch das Frühstück vorbereitet, so dass man sich darüber keine Gedanken machen muss", freut sich Carstens. Gegen acht oder halb neun ist die Abfahrt in den Wald, acht Stunden graben, pflanzen und fällen die Teilnehmer. Carstens: "Es ist aber nicht so, dass man die ganze Zeit schweigend vor sich hin arbeitet. Wir unterhalten uns bei der Arbeit und der Förster erzählt von den Zusammenhängen im Wald." Man komme mit ganz neuen Leuten ins Gespräch, die sich vorher untereinander nicht kennen, erzählt sie. Die Arbeit sei zwar körperlich anstrengend, dadurch, dass man etwas ganz anderes mache, als normalerweise, könne man aber abschalten und geistig entspannen.

Meist wohnen die Teilnehmer in Forsthütten. In den kälteren Monaten haben die Unterkünfte Jugendherbergsstandard. Ab und zu übernachten die Helfer auch im Zelt und es gibt zum Waschen nur einen See. "Abends sitzen wir gemütlich zusammen, es wird gespielt, jemand hat eine Gitarre dabei oder wir machen ein Lagerfeuer", erzählt Carstens, wenn man nach dem anstrengenden Tag an der frischen Luft nicht früh in die Federn sinke. Neben der Arbeit wird Rahmenprogramm geboten: Exkursionen, bei der die Teilnehmer mit dem Förster eine Wanderung durch den Wald, Museumsbesuche oder Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten machen. "Besonders schön an den Unterkünften und dem Leben im Wald ist, dass man sich meist auf einfachere Verhältnisse einlassen muss. Dadurch bekommt man ein ganz neues Gefühl für die Selbstverständlichkeiten im eigenen Alltag." Diesen Sommer will sie gemeinsam mit ihrem Mann aber mal wieder einen normalen Urlaub machen. Ganz ohne das Bergwaldprojekt geht es aber wohl doch nicht: Sie hüten eine Forsthütte der Organisation.

Mehr Informationen zum Bergwaldprojekt finden Sie unter www.bergwaldprojekt.de

Weitere Möglichkeiten für sinnvollen Urlaub in Deutschland und Europa:


Explore & Help veranstaltet Spendenreisen. Teilnehmer spenden für einen bestimmten Zweck und reisen danach dorthin, um zu sehen, was mit dem Geld geschieht. So können Sie beispielsweise Kegelrobben auf Helgoland unterstützen und dann vor Ort die Tiere beobachten.

WWOOFing (World-Wide Opportunities on Organic Farms) ist eine andere Art der Freiwilligenarbeit. Dabei geht es mehr um das Leben mit einheimischen Familien und die kostenlose Unterkunft als um humanitäre Hilfe.

Biosphere Expeditions bietet Naturschutz-Mitforscherreisen an. Dabei schützen die Helfer bedrohte Arten und erleben gleichzeitig einen ungewöhnlichen Urlaub.


Mehr zu den Themen: Deutschland, Wald, ökologisch, Baum


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