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40 Jahre Interrail: 1990: Rom in vier Stunden

Im Alter von 17 Jahren wollte Daniel Eberhard das große Abenteuer finden. Mit dem Interrail fuhr er nach Paris und ließ sich fortan von spontanen Ideen über Lyon und Genf bis nach Rom treiben

Interview:

Daniel Eberhard reiste von Düsseldorf nach Italien mit dem InterRail und erlebte dabei mehr Abenteuer, als er sich ursprünglich wünschte (Foto von: Privat)
© Privat
Daniel Eberhard reiste von Düsseldorf nach Italien mit dem InterRail und erlebte dabei mehr Abenteuer, als er sich ursprünglich wünschte

Wir waren 17, in Italien war Weltmeisterschaft und das Interrail Ticket unser Weg dorthin. Wir fuhren zuerst von Aachen nach Paris. Bis hier hin hatten wir die Reise geplant, danach wollten wir spontan und frei sein. So kamen wir über Lyon nach Genf und ins italienische Aostatal, dann weiter über Verona und Florenz nach Rom. 1990 gab es keine Handys, mit denen wir uns kurzfristig eine Unterkunft hätten buchen können. Weil wir möglichst spontan reisen wollten, vertrauten wir einfach darauf, dass wir unterwegs schon irgendwo unterkommen würden. In Rom klappte das nicht. Also stromerten wir durch Italiens Hauptstadt, bis der nächste Zug in Richtung Süden fuhr. All you can see in vier Stunden. Dann ging es weiter nach Siena und schließlich ganz in den Süden: Strandurlaub.


Wir hatten zwar eine Menge gespart für unsere Reise, aber es reichte doch nicht immer für ein warmes Bett. So verließen wir an manchen Tagen den Strand nicht mal nachts, Geld und Papiere vergruben wir einfach im Sand. Was für ein Abenteuer!

Und doch wurde es auf der Heimreise noch aufregender: In einem Zug in Frankreich saßen im Nachbarabteil sehr ungepflegte französische Männer. Sie rauchten (verbotenerweise), tranken Fusel und erzählten sich vermutlich dreckige Witze. Wir wollten lieber nichts mit denen zu tun haben und hofften, dass sie auf ihrer Seite bleiben würden. Schließlich lachten sie besonders laut, und einer kam in unser Abteil hinüber und sprach mich an. Ich verstand kein Wort. Er stellte mir Fragen und mein Freund versuchte, mit seinem Schulfranzösisch die Situation zu klären. Keine Chance, der Typ blieb an der Tür kleben. Er redete weiter mit ernster Miene auf mich ein. Ich war verunsichert und mir wurde langsam mulmig. Plötzlich sagte er ganz deutlich meinen Namen und zeigte mit dem Finger auf mich. Woher wusste er, wie ich heisse? "Allemand!" stellte er fest. Er muss geraten haben, dass ich Deutscher bin. Aber woher kannte er meinen Namen? Ich nickte und wollte, dass er geht. Nun nannte er meinen Geburtsort und -Datum. "Woher... ?" Ich überlegte und griff nach meinem Portemonnaie. Es war weg! Ich musste es vorhin auf der Toilette liegen gelassen haben. Er lachte und ging wieder in sein Abteil. Dort johlten die anderen vor Vergnügen: Sie reichten gerade meinen Schwimmausweis herum und lachten über das Foto in meinem Reisepass. Einer hielt triumphierend die Travellerschecks hoch. Schließlich gaben sie mir alles zurück und boten mir Bier und Zigaretten an. Ich lehnte zerknirscht ab und war heilfroh, dass sie alles gefunden hatten. Sonst wäre die Reise vorbei gewesen.

Leider habe ich daraus nichts gelernt. Auf der letzten Fahrt in Deutschland verlor ich völlig übermüdet erneut mein Portemonnaie. Nach drei Wochen bekam ich einen Brief (Umschlag: Pretty Woman A4 Kinoplakat). Darin befanden sich zum Glück meine Pässe.




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