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GEO Magazin Nr. 07/09 Seite 1 von 1


Fotogalerie: Die Sapeurs von Brazzaville

Sie nennen sich Sapeurs und sind die Dandys der Slums. Im dunklen Armanianzug oder im zitronenfarbenden Jean Paul Gaultier Hemd ziehen die selbsternannten Stilikonen durch die staubigen Straßen von Brazzaville. Für die stilbewusste Kleidung wird auch gerne mal auf das Essen verzichtet

Text von Carmen Butta
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© Héctor Mediavilla/Picturetank/Agentur Focus

Jedes Kleidungsstück ein Ausrufezeichen, jede Pose einstudiert. Willy Covarie, einer der bekanntesten Selbstdarsteller Brazzavilles, verlässt sein Haus zum sonntäglichen Eleganzwettbewerb
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Die Familienbilder in seinem Wohnzimmer sind Séverin Mouyengo ein Ansporn. Stolz zeigt er ein Foto seines Vaters, der bereits als junger Mann großen Wert auf Äußeres legte
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Séverin Mouyengo gehört seit den 1970er Jahren der Sape-Bewegung an; seine Fotos gleichen denen eines Modemagazins. Der Buchhalter ist einer der wenigen, die sich nicht nur sonntags, sondern auch für den Weg zur Arbeit fein kleiden - und sich der Hässlichkeit des Alltags selbstbewusst entgegenstellen
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Eine eherne Regel der Sapeurs lautet: Kombiniere nie mehr als drei Farben!
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Weibliche Sapeurs sind die absolute Ausnahme. Pelagie Kiba Ngoro ist eine von ihnen
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Delagrace Ulrich, in Kanariengelb, macht seinem ungewöhnlichen Spitznamen Ehre: als "Ikone der schönen Farben"
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Mit 30 trug Lamame seine erste lange Hose, heute besitzt er elf Anzüge. Der 74-Jährige ist der älteste Sapeur von Brazzaville.
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Lamames Frau Madeleine duldet die Mode-Manie ihres Mannes - obwohl sie lieber mehr Geld für frische Lebensmittel hätte
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Erst ausgewählte Accessoires machen den Sapeur einzigartig
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Auf dem Weg zu einer Parade demonstriert Lamame, dass die Kunst des Sapeurs im Detail liegt: Mit aufgespanntem Schirm hält er ein Taxi an, im Mundwinkel die passende Pfeife aus seiner Sammlung
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Gehstock und Fliege werden durch ein besonders verwegenes Schmuckstück ergänzt: eine Augenklappe
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Auf Fotos präsentiert sich der 29-jährige Hassan Salvador gern mit qualmender Zigarre
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Eine kleine Sammlung von Designerkrawatten
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Rauchen ist ein Statussymbol: Nur verhältnismäßig wohlhabende Sapeurs zünden ihre Cohiba tatsächlich an. Ärmere Dandys lassen ihre Zigarren lieber kalt
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Muss in Anzug und Rolle noch hineinwachsen: Eskortiert von einer Kinderschar, schreitet der vierjährige Stéphane Mouzieto voran - bis zur Augenklappe eine Kopie seines Onkels, eines bekannten Dandys
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Schon zur Kolonialzeit bewunderten die Menschen in Brazzaville Studenten und Intellektuelle, die von einem Aufenthalt in Paris verwandelt heimkehrten. Mit Nadelstreifenanzug, Hut, Brille, Lederschuhen, Gehstock, bis hin zur künstlichen Glatze und einem vorgetäuschten Bauchansatz imitierten die Kongolesen den Stil der weißen Bourgeoisie.

Als bien sapé, schick gekleidet, wurden die Nachahmer wiederum selbst zum Vorbild junger Männer, die sich irgendwann, in den 1970er Jahren, den Namen "Sapeurs" gaben und, eine Dekade später, in "La Sape" zusammenfanden: der "Société des Ambianceurs et des Personnes Elégantes". Die Gesellschaft der Stimmungsmacher und eleganten Menschen, ein loser Bund von Dandys, zählt mittlerweile Tausende Anhänger bis in die kongolesischen Quartiere von Paris, London und Brüssel hinein.

Und die Imitation französischen Schicks hat sich längst, durch grelle Farbkombinationen und theatralisches Auftreten, zu einem eigenen afrikanischen Stil entwickelt. Doch Bacongo, die Wiege der Sape, ist weiterhin das Epizentrum, wenn die Hunderte Eleganten der Einmillionenstadt am Sonntag aufeinandertreffen.


Ein Sapeur trotzt seinem Schicksal

Jeder ist hier gleichzeitig Zuschauer und Akteur. Jeder will auffallen – mit seinem Stil und seinem Sape-Pseudonym, aber, vor allem, mit unverwechselbaren allures, dem eigenen Repertoire an Gesten, Posen, Grimassen und Charakteren, die er spielerisch verkörpert. Eine postkoloniale Parodie. Eine Commedia dell’ Arte in Purpurrot, Kanariengelb, Pistaziengrün, Himmelblau.

Wer sich in Bacongo exklusiv kleidet, beweist allen, dass er, trotz aller Widrigkeiten, Herr seines Schicksals geblieben ist. Erst die griffes, die Designermarken aus Frankreich oder Italien, sind die Trophäen, die das Wunder der Verwandlung schaffen. Sie katapultieren ihren Träger in die Welt des Luxus und der Macht, spenden ihm eine fiktive, aber real gefühlte neue Identität.


Designerkleidung als politischer Protest

In der Elite der Stadt finden sich kaum Sapeurs. In Vierteln wie Bacongo ist ausgefallene, edle Mode für die Männer oft der einzige Weg, sichtbar zu werden und eine Spur zu hinterlassen.

Der Griffe-Fetischismus war Anfang der 1980er Jahre vom gegenüberliegenden Kongoufer nach Brazzaville geschwappt – aus Kinshasa, der Hauptstadt der sechsmal größeren Demokratischen Republik Kongo. Mit Armani- Anzügen, deren Etikett er provokativ dem kreischenden Publikum hinhielt, rebellierte damals der Kongo-Rumba-Musiker Papa Wemba, „Le Pape de la Sape“, gegen die vom Diktator Mobutu ausgerufene Kampagne der Reafrikanisierung. Die hatte westliche Kleidung, sogar BHs und Krawatten, verbannt.


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