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Olympische Winterspiele 2010 in Vancouver
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Text von Karl Teuschl

Vancouver 2010: Tipps für den Besuch in der Olympiastadt

Neben den Wettkämpfen der Olympischen Winterspiele, sollte man sich unbedingt Vancouver anschauen. Es locken etwa Outdoor-Veranstaltungen in der Granville Street, jede Menge Shoppingadressen, spannende Museen und ein quirliges China-Town


Kanada-Souvenir: Trikots der Eishockeymannschaft

Wie wäre es mit einer Trainingsjacke des olympischen Hockey-Teams von Lettland. Oder doch lieber eines von der Mannschaft aus Weißrussland? Mit 130 Dollar sind Sie dabei. Die Originaljacke des kanadischen Ahornblatt-Teams kostet das dreifache. So sind hier die Prioritäten. Kein Wunder, denn die Kanadier sind verrückt nach Eishockey – es ist zwar nicht der Nationalsport (das ist ein altes indianisches Ballspiel namens Lacrosse), aber eigentlich sollte es das sein. Bei Spielen der Hockeyliga oder der Vancouver Canucks, sind die Straßen leergefegt wie in Deutschland zur Fußballweltmeisterschaft und die Sport-Bars voll. Immerhin hat Kanada schon 1924 bei den ersten Olympischen Winterspielen in Chamonix die Goldmedaille geholt – eine Tradition, die die Kanadier jetzt unbedingt im eigenen Land fortführen wollen.

Aber es ist ein schöner Zug der auf Gleichheit für alle bedachten Kanadier, dass in Vancouver nun auch die Trikots anderer Nationalmannschaften verkauft werden. Im 5. Stockwerk der Bay, einem großen Kaufhaus in der Innenstadt von Vancouver, gibt es im Vorfeld der Spiele die Sportler-Jacken und Trainingsanzüge vieler Nationen. Das passt, denn die Bay hat wohl das größte Sortiment aller Läden in Kanada. Was nicht verwundern sollte, denn die "Bay" hat auch die längste Handels-Tradition im ganzen Land. Sie entstand aus der legendären Hudson's Bay Company der Pelzhändler.



Im Vanier Park in Vancouver genießen Schlittschuhläufer das Winterwetter (Foto von: Gunter Marx Photography/ Corbis)
© Gunter Marx Photography/ Corbis
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Im Vanier Park in Vancouver genießen Schlittschuhläufer das Winterwetter

Abstecher zu den Trappern

Biberpelze waren der wichtigste Rohstoff Kanadas im 17. und 18. Jahrhundert. Zylinder, Dreispitze und Filzhüte waren Mode in der aristokratischen Welt Europas. Und für den Filz dieser Hüte waren die mit kleinen Widerhaken besetzten Unterhaare des Bibers ideal. Millionen von Biberfellen wurden zwischen 1650 und 1850 aus Kanada zu den Filzpressen und Hutfabriken Englands verschifft – und Profite bis zu 2000 Prozent üblich. Die Pelzgesellschaft, die zur größten von allen werden sollte, wurde 1670 gegründet: die Hudson’s Bay Company. Der englische König überließ ihr die Handelsrechte für alle Ländereien westlich der Hudson´s Bay. Ihr Handelsgebiet umfasste schließlich ein Zwölftel der Erdoberfläche! Aus ihren Forts wurden Städte, aus ihren Handelspfaden moderne Highways. Und bis heute ist "The Bay" als Kaufhauskette in vielen Orten Kanadas vertreten – die Filiale an der Georgia Street in Vancouver, wo die Olympia-Trikots verkauft werden, ist ihr Flagschiff im Westen Kanadas.


Kunst und Spiele

Vancouver produziert und zeigt für die Spiele aber nicht nur Videokunst, sondern auch ganz anfassbare Kunst. Schon seit einigen Jahren richtet die Stadt die Vancouver Biennale aus eine im zweijährigen Turnus wechselnde Ausstellung von Groß-Skulpturen auf mehreren Dutzend Plätzen der Stadt. Und wie es sich für die Stadt im Schnittpunkt von Asien und Amerika gehört, kommen viele der ausstellenden Künstler aus den aufstrebenden Staaten des Pacific Rim, aus China etwa oder auch aus Korea. Ein gutes Beispiel ist die Installation des Chinesen Yue Minjuns "A-Mazing Laughter", zu erleben in diesem gerafften Video-Clip. Die Videokünstlerin Linda Ganzini zeigt Vancouver in ihrem Kurzfilm von einer ganz stimmungsvollen und ungewohnten Seite.


Vancouver: Bummel durch Downtown

Kaum zwei Kilometer Breite misst die Halbinsel der Innenstadt. Doch hier drängelt sich das pralle Leben: Shoppingstraßen, Altstadt, Chinesen¬viertel und - natürlich - Jachthäfen und Promenaden am Wasser. Das Herz der City pocht am Robson Square, der wie eine Art Wohnzimmer Vancouvers ist. Hier gibt es während der Winterspiele einen Eislaufplatz für die Öffentlichkeit. Hier trifft man sich und sitzt auf den Stufen rings um den mannshohen Bronzevogel des Inuit-Künstlers Abraham Etungat. Apropos Kunst: die Vancouver Art Gallery auf der Nordseite des Platzes zeigt Werke von Emily Carr und anderer Westcoast-Künstler – und hat ein ausgezeichnetes kleines Bistro im ersten Stockwerk. Wenn es weiter so warm bleibt, kann man während der Spiele im Bistro sogar draußen sitzen ...

Für die meisten Besucher der Spiele werden aber die Veranstaltungen entlang der Fußgängerzone Granville Street und die Läden im Shoppingbezirk westwärts entlang der Robson Street verlockender sein. Auch im Sommer ist hier an Wochenenden abends die Hölle los. Tipp: Falls es regnen sollte, gehen Sie zum Power-Shopping ins Pacific Centre auf der Ostseite des Robson Square: 150 Läden über drei Straßenzüge, verbunden mit Tunnels und Galerien. Im Mode-Kaufhaus "Holt Renfrew" finden Sie kanadische Designer wie Yumi Eto.

Das Banken- und Büroviertel zwischen Robson Square und dem Burrard Inlet weist aber noch andere Attraktionen auf: Für Architekturfans etwa die von Moshe Safie 1995 erbaute und fast wie das römische Kolosseum anmutende Public Library an der Ecke Hamilton/Robson Street. Gleich nebenan ist während der Olympischen Spiele an der Ecke Hamilton/Georgia Street der Aboriginal Pavillon, in dem sich die Indianer Kanadas präsentieren, Konzerte und Tänze abhalten.

Einige Schritte weiter nach Norden liegt am Hafen dann der Kreuzfahrerpier Canada Place: 1986 war dies Kanadas Expo-Pavillon - die dramatische, wie ein Schiff mit geblähten Segeln wirkende Dachkonstruktion machte den Bau bald zu einem Wahr¬zeichen der Stadt. Bummeln Sie einmal um den Pier, der gut 400 Meter weit in den Fjord ragt - die Ausblicke sind traumhaft. Direkt nebenan steht – für die Öffentlichkeit komplett abgesperrt – das Medienzentrum für die Olympischen Spiele. Ein Neubau, der ganz ökologisch und nachhaltig konzipiert ist – inklusive Gras auf dem Dach.



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Coal Harbour und Stanley Park

Vom Canada Place nach Westen wurde die gesamte "Waterfront" in den letzten Jahren neu gestaltet: mit Terrassenlokalen, Docks für die Jachten und mit einer Hafenpromenade entlang des Coal Harbour, die hinüberführt bis in den Stanley Park. Sehr gut: Das Fisch-Lokal Cardero's am Fuß der Cardero Street und das Mill Bistro am Fuß der Bute Street das zu den Spielen einen Biergarten unterhalten will.

Der gut 10 km lange Stanley Park Drive (Einbahnstraße, ideal per Fahrrad, Radvermietung an der Ecke Denman/Georgia St.) folgt dem Ufer des Stanley Park, führt zu Rhododendrongärten, Totempfählen, geheimnisvoll dunklen Douglasien-Hainen und immer neuen Aussichtspunkten. Unbedingt sehenswert: das Vancouver Aquarium, in dem Sie neben Belugawalen, Seeottern und 8000 anderen Meerestieren auch ganz hautnah den Lebenszyklus der Lachse erleben können - in einem speziell konstruierten künstlichen Bach, in den die im Aquarium geborenen Lachse nach Jahren aus dem Meer zurückkehren.


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Gastown & Chinatown

Östlich des Canada Place zieht sich an der Water Street die Altstadt Vancouvers hin: Gastown. Das Viertel aus der Zeit um 1900 war vor noch wenigen Jahren komplett touristisch und bestand nur aus Souvenirläden. Mittlerweile ist es auch von den Vancouverites wieder angenommen worden und schicke Designläden und Lokale sind eingezogen. Sehen sie sich bei Francis Hill (151 Water St.) die großartigen indianischen Masken und Inuit-Skulpturen.

Weiter zur Chinatown: Dazu müssen Sie über die Hastings Street in der Eastside von Vancouver, dem Revier der Drogenabhängigen und Stadtstreicher. Das Olympische Komitee Vancouvers hatte versprochen, die Obdachlosen der Stadt von der Straße zu holen – ein schöner Traum, der aber nur schwer zu realisieren war. Vancouver ist die einzige Stadt im sonst extrem kalten Kanada, in der man als Stadtstreicher den Winter auf der Straße verbringen kann – so ist für ständigen Nachschub gesorgt. Das Viertel ist nicht unbedingt gefährlich für Touristen, aber unschön.

Jenseits der Hastings Street warten die exotischen China-Märkte und Teeläden um Keefer/Main Street. Gehen Sie zum Lunch in Hon's Wun Ton House (268 Keefer St.) - eine chinesische Schnellküche mit Dutzenden von unterschiedlichen Nudelsuppen und Reisgerichten, alles in bester Qualität und spottbillig. Danach gibt's in der Keefer Bakery (251 Georgia St.) chinesische Zuckerfladen als Nachspeise, und den Verdauungsspaziergang können Sie ganz meditativ im Dr. Sun Yat-Sen Garden einplanen, einem original nach altem chinesischem Design gebauten Garten im Stil der Ming-Dynastie.


Yaletown

Wie sehr die City in ständigem Wandel ist, zeigt sich auf der Südseite der Innenstadt: Auf dem ehemaligen Gelände der Weltausstellung von 1986 ragt nun als komplett neuer Stadtteil eine Skyline gläserner Apartmenttürme am False Creek auf. Ein urbanes Experiment in völligem Kontrast zu den Lagerhallen im historisch verbrämten Szene-Viertel Yaletown nebenan, wo in den alten Lagerhallen Lokale und Läden eingezogen sind, die abseits aller Olympischen Spiele abends die junge Szene anlocken. Sehen Sie sich hier mal ein paar Stunden um, stöbern Sie entlang der Mainland Street in Gale¬rien wie Coastal Peoples (Nr. 1024) oder dem witzigen Kochbuch-Shop Books to Cooks (Nr. 1128). Gesehen haben muss man auch Urban Fare (Pacific/Davie Streets), einen Yuppie-Supermarkt wie Sie ihn bestimmt noch nicht gesehen haben – inklusive schickem Wein-Bistro. Der Clou: Wöchentlich wird Brot frisch aus der Toskana eingeflogen - der Laib zu 100 Dollar. Verrückt.





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