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Farin Urlaub: "Mir tut Fernweh körperlich weh"
Sein Künstlername ist sein Lebensmotto: Farin Urlaub. Der Gitarrist und Sänger der Rockband "Die Ärzte" pflegt das Reisen als große Leidenschaft, am liebsten solo und per Jeep oder Motorrad. Jetzt veröffentlicht der Musiker seinen ersten Bildband. Im Interview erzählt er vom Unterwegs- und Alleinsein, vom Musizieren in der Wüste - und verrät den Entstehungsort des Hits "Männer sind Schweine"
GEO SAISON: Sie stehen mit einem
Freund in einem privaten Wettbewerb
um "Länderpunkte" - Sieger ist, wer die
meisten Länder bereist. Ihr Zähler
stand vor zwei Jahren auf 86 - haben
Sie die 100 mittlerweile geknackt?
FARIN URLAUB: Ich bin kurz davor. Ich
habe kürzlich sogar Belize, das eigentlich
meine Nummer 100 geworden
wäre, ausgelassen. Zum Jubiläum
möchte ich lieber nach Kuba. Vor allem
wegen der Musik.
Aber nun haben Sie zunächst noch
ausgiebig Indien und Bhutan bereist
- wann waren Sie dort?
Von September 2005 bis April 2006.
Unterwegs war ich mit meinem "Land
Cruiser". An Bord hatte ich eine Trinkwasserfilteranlage, einen Kühlschrank,
Ersatzteile, ein paar Klamotten und
ein Dachzelt. Damit bin ich dann einmal
rund um Indien gefahren, von
Bombay nach Bombay, etwa 17 000
Kilometer. Dann hab ich den Wagen
nach Deutschland zurückgeschickt,
bin zunächst zwei Wochen auf die
Andamanen und anschließend nach Bhutan geflogen.
Was hat Sie an diesen Ländern gereizt?
Vor 18 Jahren bin ich sechs Wochen lang mit dem Motorrad durch Indien
gefahren und war total begeistert. Ich schwor mir damals wiederzukommen,
und zwar für länger. Bhutan hingegen war nicht geplant. Ich wollte
dieses Land auf keinen Fall so besuchen, wie man das derzeit im Grunde
nur darf: über spezielle Touristenbüros, in organisierten Gruppen, die alle
an die gleichen Orte fahren. Während ich in Indien war, vermittelte eine
Freundin zu Hause dann aber einen Kontakt zu einem buddhistischen
Priester in Bhutan. Er lud mich offiziell ein und führte mich durchs Land.
Ich konnte mich frei bewegen. Es war großartig. Bhutan hat ja, auch wegen
seiner isolierten Lage im Himalaya, nur wenig Kontakt zur Außenwelt. Wer
dort als Tourist so wie ich reisen darf, ist Betrachter einer gelebten Kultur
und keiner vorgeführten. Dafür bin ich sehr dankbar.
Was würde Ihrer Meinung nach passieren, wenn sich das Land dem Massentourismus
öffnet?
Es gibt heute vielleicht drei Internetcafés im ganzen Land. Als ich eines
davon betrat, hockten dort Kinder vor Bildschirmen und spielten Ballerspiele.
Viele Intellektuelle im Land sind dagegen, Bhutan zu öffnen. Sie haben
die große Sorge, ihre gesamte Kultur könnte innerhalb von zwei Generationen
ausgelöscht sein. Ich denke, wenn im Jahr eine halbe Million
Rucksacktouristen durch das Land ziehen, dann wäre vor allem Bhutans
tief religiöse Lebensweise in Gefahr. Aber wer bin ich, darüber zu urteilen?
Ich habe ja das Privileg genossen, das Land noch so ursprünglich zu erleben.
Hans Magnus Enzensberger sagte: "Der Tourist zerstört, was er sucht, indem
er es findet." Sie suchen unentdeckte Ecken der Welt. Spüren Sie einen
Gewissenskonflikt?
Ja, schon. Nehmen wir die Wüste Thar in Rajasthan. Ich konnte mich in
meinem Geländefahrzeug in sehr unzugängliche Gegenden vorwagen
und war deshalb häufig der einzige Tourist weit und breit. Die Menschen
dort - so klischeehaft das klingt - waren wunderbar
offen, freundlich, authentisch. Jaisalmer
jedoch, die nächste größere Stadt, wo alles auf
Tourismus ausgelegt ist, habe ich nur als schöne
Hülle erlebt.
Wie gehen Sie mit solch einem Erlebnis um?
Einerseits genoss ich die Natürlichkeit, andererseits
war mir klar: Womöglich bin ich die Spitze
einer Touristenlawine. Jeder hat für solche Situationen
seine eigene Ausrede. Meine ist dieser
Bildband. Jetzt muss niemand mehr dorthin
fahren, sondern man kann sich mein Buch anschauen.
(lacht)
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Kommentare zu "Farin Urlaub: "Mir tut Fernweh körperlich weh""
Reiseerlebnis Toskana Letzen Jahres buchte ich eine Segelreise in Italien bei Green Ocean. Mir gefielen die Umgebung, die überaus freundliche Crew, die Delfinbeobachtungsfahrt, die Besichtigungstouren und das Schwimmen in traumhaft schönen Buchten. Ich werde auf jeden Fall noch einmal bei Green Ocean buchen. Das ist ein unglaubliches Segelerlebnis, was ich nur weiterempfehlen kann. Dickes Plus!!
Sehr schöner Artikel und ich muß sagen, das Buch ist der Hammer. Man hat wirklich das Gefühl, man erlebt die Reise mit Farin gemeinsam...... Ja, wenn man dieses Buch liest und betrachtet, verstärkt es bei einem das Fernweh, daß man eh schon hat. Aber leider gehöre ich zu den 80%, die sich diesen Traum nicht erfüllen können. Denn im Gegensatz zu Farin, habe ich mich für Familie und Kinder entschieden. Aber trotzdem. das Buch ist sein Geld wert.
Cool danke! Auf jeden Fall interessanter Artikel! Tja, erfolgreicher Musiker müsste man sein...!!! Bin wieder vom Hari Raya feiern wiedergekommen. Wollte nochmal auf die Perhentians aber wie es aussieht is der Monsun jetzt wirklich hier in Malaysia angekommen. und in 10 Tagen gehts dann auch schon wieder zurück... Hätt ich Zeit würd ich Dich besuchen kommen, da es bei miles and more grad Flüge nach LA für 25.000 Meilen gibt. Aber leider is da ja noch das Studium... :-) Sag Bescheid wie Du dich wegen der camera entscheidest... Bin am überlegen ob ich Dir nich sogar meine Poweshot verkaufen soll...
Hey Corvin! Alles roger? Dachte dieser Artikel koennte dich interessieren. Ich wuenschte ich haette auch die Kohle so zu reisen wie Farin Urlaub! Das ist naemlich gar nicht so billig wie es den Anschein hat. Gruesse, Kai
ich kann es farin urlaub nachfühlen. diese sehnsucht nach indien und dem himalaya erfaßte mich mit ca. 35 so stark, dass ich einen alten bus kaufte und mit hab und gut von wien nach katmandu übersiedelt bin...genau 10.000 km auf der alten seidenstrasse! ein erlebnis, dass bis heute mein leben prägt.