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Herbstreise: Ardennen
Wenn zur Jagdsaison das Laub leuchtet und Wild auf die Speisekarten kommt, bricht im Südosten Belgiens die Wander- und Genusszeit an
Wandern: Die Schuhe rascheln durch
rotbraunes Laub von Eichen und Buchen.
Schilder warnen vor Männern mit Gewehren
und sagen mir, welche Pfade und
Forstwege ich wegen der Jagdsaison meiden
muss. Nach etwa drei Stunden, in
denen ich niemandem begegnet bin, komme
ich an einen Bach, der viel Wasser
führt, der rauscht und sprudelt. Moos bewächst
eine schmale Steinbrücke, die
an den Fuß einer Formation aufgetürmter
Felsblöcke führt - und damit zum
Höhepunkt
meiner Tour, dem Roche à
l'Appel im Naturreservat von Muno.
Es liegt im Südosten Belgiens, in der Provinz
Luxembourg, die nicht mit dem Staat
Luxemburg verwechselt werden darf.
Das Gebiet ist als Wanderziel kaum überregional
bekannt. Geologen aber reisen
von weither an, um den Puddingstein
zu bestaunen, in dem vor rund 400 Millionen
Jahren Kieselsteine aus kambrischem
Quarzit mit natürlichem Steinzement
zusammengebacken wurden. Mir
nimmt der steile Pfad, der sich den
Fels hinaufschraubt, den Atem. Doch die
Kraxelei wird belohnt: Oben verschnaufe
ich auf einer Bank.
Rundherum wächst der
tiefe
Wald von Muno, nur
wenige Kilometer südwestlich
beginnt Frankreich.
Am nächsten
Tag starte ich unterhalb
der Burg von Bouillon
und spaziere am Ufer der
Semois entlang. Steil hinauf geht es
zum Aussichtspunkt Pic du Diable, einem
Picknickort für Schwindelfreie. Unten
windet sich der Fluss um eine Landzunge,
darauf erhebt sich ein waldiger Hügel,
Tombeau du Géant genannt. Der Legende
nach liegt im "Grab des Riesen"
ein keltischer Hüne, der von einem Römer
erschlagen wurde. Ich mache Rast und
blicke
auf die Festung, die Ritter Gottfried
von Bouillon einst verpfändete, um sich
den Kreuzzug nach Jerusalem leisten zu
können, was man in einer Broschüre
beschrieben
findet. "Belgische Ardennen.
Wandern in der Wallonie" mit 18 Tourentipps
gibt es als Download auf der Homepage
von Belgien-Tourismus, www.belgientourismus.de, oder unter Tel. 0221-27 75 90.
Infos unter www.bouillon-tourisme.be und www.bouilloninitiative.be
Ansehen: Im Wald der Ardennen soll einst der eifrige Jäger Hubertus von Lüttich bekehrt worden sein - durch die Begegnung mit einem Hirschen, in dessen Geweih ein Kruzifix prangte. Als Heiliger ist Hubertus heute zuständig für Jagd und Umweltschutz und außerdem Patron der Ardennen. Vor allem in Saint-Hubert wird sein Gedenktag am 3. November ausgiebig gefeiert. Musik erklingt dann in und vor der mächtigen Basilika. Hinter der klassizistischen Fassade öffnet sich das gotische Kirchenschiff mit der großen mittelalterlichen Krypta. Die prächtige barocke Orgel im reich geschmückten Chor zeugt von der großen Vergangenheit. "Dies war einst eine Abtei und Pilgerkirche", erklärt Kaplan Jean Timmermann. Der 74-Jährige aus dem deutschsprachigen Osten Belgiens lebt seit 30 Jahren in Saint-Hubert. Im Seitenschiff zeigt Timmermann auf einen eisernen Ring in der Wand. "Hier wurden Tollwut-Kranke angebunden." Man habe ihnen einen Schnitt auf der Stirn zugefügt, ein Stück Stoff aus der Stola des heiligen Hubertus daraufgelegt und die Wunde verbunden. Ob es geholfen hat? Timmermann ist nicht sicher. Um 1930 wurde der Ring jedenfalls zuletzt benutzt. Was von der Stola übrigblieb, liegt in einem goldenen Schrein auf dem Hubertus- Altar (www.basiliquesainthubert.be).
Essen und Schlafen: Am Hang über Bouillon steht die charmante Villa La Ferronnière. Im 19. Jahrhundert führte der Direktor eines Eisenbetriebs in dem herrschaftlichen Haus mit Giebeln und Türmchen die Geschäfte. Angélique und Wim Philips kauften es vor elf Jahren und verwandelten es in ein Hotel mit ausgezeichnetem Restaurant. An den Steinmauern rankt Wein, vor der Tür döst der zottelige Familienhund. Die sieben liebevoll eingerichteten Zimmer sind elegant und behaglich, genau wie das Restaurant, in dem ein Kaminfeuer knistert. Im Keller hortet Wim kostbare Weine und kocht aus regionalen Produkten bis zu sechsgängige Menüs, die zur Saison passen. Von Oktober bis Dezember, wenn gejagt wird, stehen, wie auch in anderen Restaurants (Adressen: www.belgientourismus.de), vor allem Wildgerichte auf der Karte. Ein opulentes Abendessen beginnt mit dem Apéritif im Salon mit Blick auf die illuminierte Burg, die jenseits der Semois über der Altstadt von Bouillon aufragt. Und es endet mit Kaffee und Pralinen. Dazwischen gibt es Kreationen zum Beispiel aus jungem Wildschwein, Waldpilzen, Pastete. Und Sorbet (Voie Jocquée 44, Tel. 0032-61-23 07 50, www.laferronniere.be ; DZ/HP ab 160 Euro). Zum Übernachten empfiehlt sich auch das plüschige Landhotel Le Beau Site (Mirwart, Place Communale 5, Tel. 0032-84-36 62 27, www.le-beau-site.be ; DZ/F ab 90 Euro).
Verkosten: In der Abtei Orval wird seit 1931 eines von weltweit sieben Trappistenbieren gebraut - womit sich das Kloster, das während der Französischen Revolution zerstört und ab 1926 neu gebaut wurde, heute finanziert. Die Trappisten gehören dem Zisterzienserorden an, ihr Label dürfen Produkte wie Bier oder Käse tragen, die Mönche unter bestimmten Auflagen in Klöstern herstellen. Für die Klosterbrauerei in Orval ist Bruder Xavier verantwortlich. Ein lederner Gürtel hält den weißen Habit und den schwarzen Überwurf zusammen. Der erste Braumeister sei ein Bayer gewesen, erzählt Xavier. Dann eilt er auf Sandalen Treppen hinauf und hinunter, vorbei an Kesseln und Bottichen, und erzählt, wie aus Quellwasser, Gerste, Hopfen, Kandis und Hefe das goldfarbene Orval entsteht. Im Klosterrestaurant À l’Ange Gardien trinkt man das ungefilterte Gebräu aus kelchartigen Gläsern (Abbaye Notre-Dame d’Orval, Villers-devant-Orval, Tel. 0032-61-31 12 61, www.orval.be ; Restaurant Mittwochs geschlossen). Nicht nur strenge Mönche brauen gutes belgisches Bier. Das beweist zum Beispiel der junge Braumeister Grégory Verhelst mit seiner Brasserie Artisanale in Rulles, nordöstlich von Orval. In Jeans und mit strubbeligem Haar führt Verhelst durch seine Mikrobrauerei La Rulles, wo er obergärige Sorten herstellt. Alkoholfreies Bier? Ein absurder Gedanke, findet Verhelst: Das würde in Belgien niemand kaufen. Dann schenkt er helles, herbes und ein dunkles, malziges Bier aus großen Flaschen in kleine Gläser und sagt: "Santé!" Rulles, Rue Maurice Grevisse 36, Tel. 0032-63-41 18 38, www.larulles.be

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Mitbringen: Berühmt ist der
Ardenner Schinken, der durch ein EU-Label
als regionales Produkt geschützt
ist. Er wird gepökelt und über Buchenholz
geräuchert. Derart haltbar gemacht,
lässt sich der würzige Jambon d'Ardenne
bestens mit nach Hause
nehmen.
In Bouillon führt
ihn zum Beispiel die Boucherie
Istace (Rue de la Maladrerie
21, www.boucherieistace.be). Einen guten
Ruf genießen auch die Fleischpasteten
der Metzgerei Maison
Protin
in Chiny (Rue de la Goulette 2).
Ein Tipp für Vegetarier: Pralinen, etwa
von Jean le Chocolatier. Der gebürtige
Südfranzose lebt in Habay-la-Neuve
seine
Liebe zur Schokolade aus (Rue Hôtel
de Ville 15, www.jeanlechocolatier.com).
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