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Abenteuer im Canyon
Auf dieser Wanderung geht es stetig bergab. Doch sie führt auf neue Erlebnisgipfel. Eine geführte Tour durch den Torrent de Pareis, Mallorcas Paradeschlucht
Zwölf Nasen zeigen gen Himmel. Wir müssen unsere Köpfe weit in den Nacken legen, um ein Stück Himmelsblau zu sehen, denn mächtige Kalkfelsen mauern unseren Blick ein.
Ehrfürchtig versuchen wir, ihre Höhe abzuschätzen. "Ein
Gefühl, wie wenn du das erste Mal vorm Dom stehst", sagt
Katja, die Kölnerin. Uns allen ist klar, dass nun das wirkliche
Abenteuer unserer Schluchtwanderung beginnt.
Schon der Abstieg bis hierher war kein Spaziergang. An der kleinen
Kapelle in Escorca an der Landstraße von Sóller nach Lluc sind wir
losmarschiert, vor ungefähr einer Stunde. Immer wieder mussten wir
tief in die Hocke gehen. An steilen Stellen stützten wir uns ab, um am
Hang nicht das Gleichgewicht zu verlieren. "Lieber dreibeinig laufen
als wackelig", empfiehlt Salvador, unser Wanderführer.
Der Marsch durch den Torrent de Pareis ist eine der bekanntesten
Wanderungen auf Mallorca - und die spektakulärste, die man
auf der Insel machen kann.
Durch Pfützen und von Stein zu Stein
Die Schlucht, die von einem Ausläufer
des Tramuntana-Massivs zum Meer hinabführt, birgt einige Risiken.
Man muss höllisch aufpassen, in dem steilen Gelände nicht zu
stürzen. Umkehren ist schwierig, Hilfe holen auch, es gibt keinen
Handy-Empfang. Bei plötzlichem Regen kann der Canyon rasend
schnell zur Falle werden. Fast jedes Jahr lassen Leichtsinnige ihr
Leben. Darum gilt: Nur bei guter, stabiler Wetterlage in die Schlucht.
Und niemals allein. Unser wichtigster Mann ist deshalb Salvador
Suau, den alle Salva nennen. Sechs Tage in der Woche führt der
43-jährige Mallorquiner Wandergruppen durch die Bergwelt der Insel.
Er hat mehrere Bergführer-Diplome, kennt jeden Pfad, jeden Strauch,
jeden Esel.
Bei dieser Tour sind es vor allem die Steine, die man
kennen muss. Unzählige, manchmal haushohe Brocken, die in der
Schlucht liegen, als hätte ein wütender
Riese sie hineingeschleudert.
Manchmal scheint es uns
schlicht unmöglich, noch einen
Schritt weiterzukommen.
Aber natürlich kennt Salva den
Weg. Vier Stunden lang zeigt er uns,
wie wir die kniffligen Stellen überwinden
oder umgehen können.
Einmal
führt er uns auch direkt hinein
in die Finsternis. An der Gabelung
s’Entreforc kann man ein Stück
weit in eine Felsenge vordringen.
Nicht alle aus der Gruppe wollen
mit in die Höhle - und sie verpassen
etwas. Kühl, feucht, dunkel und etwas
unheimlich wird es. Die Steine
sind von Moos überzogen. Der Weg wird stetig enger,
irgendwann fällt von oben nicht das kleinste Quäntchen
Licht mehr herab. "Sa Fosca" nennt man auf
Mallorca diese Stelle, wo Wanderer umkehren müssen:
die Dunkelheit.
Salvador kennt sie auch von der anderen Seite.
Dreimal schon, erzählt er, hat er sich mit einem Team
von Canyonisten in die Schlucht abgeseilt. Dann
kämpften sie sich mit Lampe, Helm und Neoprenanzug
durch einen anderthalb Kilometer langen
Tunnel. Meist stand ihnen das Wasser bis zum Hals,
stellenweise mussten sie auch tauchen. "Nochmal
brauche ich das nicht", gesteht der durchtrainierte
Bergsteiger, der sonst keiner Herausforderung aus
dem Weg geht.
Auch im Torrent de Pareis kann es passieren, dass
man durch Restwasser waten oder in kleine Becken
springen muss. Heute sind nur Pfützen übrig, es war
lange genug trocken. Doch Schleifspuren und grüne
Ränder am Fels, hoch über unseren Köpfen, zeigen
deutlich, in welchen Massen das Wasser hier immer
wieder durchschießt.
Wir kommen nur langsam voran, müssen Umwege
nehmen. Immer wieder stehen wir vor Mauern
aus Felsblöcken und warten, bis Salva das Zeichen
gibt, ob wir links oder rechts das Flussbett verlassen
und den Hang hinauf sollen. Wo wir den direkten Weg
nehmen, wird das Wandern zum hakeligen Bergabklettern. Mal krabbeln wir auf allen vieren,
häufig geht es nur weiter, indem wir von
Stein zu Stein springen. Und manchmal
bleibt bloß noch die Rutschtechnik: auf dem
Hosenboden den glattpolierten Fels hinunter.
Elegant sieht das nicht aus. Aber es ist sicher: Bis
auf den Kratzer am Knöchel einer Teilnehmerin passiert
uns nichts.
Vorbei an Rotkehlchen und Wolfsmilchsträuchern
Nicht nur Menschen können in der Schlucht ins
Straucheln geraten. Sonst würde über uns nicht einer
der seltenen Mönchsgeier seine Runden drehen. "Er
sucht nach abgestürzten Ziegen", erklärt Salva. Durch
die Tramuntana streifen verwilderte Hausziegen, die
nicht immer so trittsicher sind wie Gämsen.
Aber Wir haben ja Salvador. Er erklärt, macht
vor, reicht die Hand und hält die Knochen für uns
hin. "Tretet einfach auf meinen Fuß", sagt er an einer
Felsspalte. Am ausgewaschenen Stein gibt wirklich
nichts Halt, also treten wir drauf, einer nach dem anderen
- auch ich mit meinen neunzig Kilo und entsprechend
schlechtem Gewissen.
Unser Wanderführer beeindruckt aber nicht nur
durch Körpereinsatz, sondern auch mit seinem Wissen.
Er weist uns auf Rotkehlchen und ihre Nester
hin, klärt uns über die tollkühnen Flugkünste der Fledermäuse auf
und zeigt uns Bergahorn, Krummstab oder Schlangenwurz, die es
irgendwie schaffen, ihre Wurzeln in den Kalkstein zu treiben. Er
warnt uns davor, Wolfsmilchsträucher anzufassen: "Das brennt
auf der Haut wie verrückt." Entwarnung gibt er beim Thema
Schlangen: "Wir haben hier vier Sorten Nattern. Alle sind gefährlich
- aber nur für Frösche." Sein Vortrag ist locker, und einen guten
Witz lässt er nicht unerzählt. Immer wieder aber streut er auch ernste
Appelle zum Naturschutz ein. Salva hat in Madrid Tourismus studiert
und dort am GoetheInstitut Kurse belegt, sein Deutsch ist so
fließend, dass er nicht einmal bei Wortungetümen wie "Wasseraufbereitungsanlage"
ins Stocken gerät.
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Kommentare zu "Abenteuer im Canyon"
Habe schon 3 mal die Wanderungen mit Salvador und David mitgemacht ! Es ist immer wieder ein tolles und beeindruckenes Erlebnis !! Werde nächstes Jahr wieder dabei sein . Die beiden erklären einen auf ihrer charmanten Art Flora und Fauna.