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Aluminium: Wie Strom zu Blech wird
Für die Produktion des silbrigen Leichtmetalls verbrauchte die Aluminiumindustrie 1990 soviel Strom wie ganz Afrika. Ist dieser Aufwand an Ressourcen gerechtfertigt?
Aluminium ist ein silbrig glänzendes Leichtmetall mit besonderen Eigenschaften: Es korrodiert nicht, weil es von Natur aus von einer stabilen, schützenden Schicht aus gräulichem Aluminiumoxid überzogen ist. Es lässt sich einfach verarbeiten, leicht recyclen, zu Motorenblöcken giessen, zu hauchdünnen Folien walzen, zu Dosen und Tuben ziehen. Aluminium bringt Flugzeuge und Raumtransporter zum Fliegen, macht den ICE, Automobile und Kochtöpfe leicht und hilft so Energie zu sparen. Zwar ist Aluminium das häufigste Metall der Erdkruste, doch wie alle unedlen Metalle kommt es dort nicht in reiner Form vor. Wichtigster Rohstoff für die Aluminiumverhüttung ist das Bauxit, das als rotbraunes Mineral unter anderem in Brasilien, Australien, Guinea oder Jamaika vorkommt. Aus diesem Erz wird noch an den Lagerstätten in einem komplizierten Verfahren graues Aluminiumoxid extrahiert, sogenannte Tonerde. Der verbleibende "Rotschlamm" wandert auf Deponien.
Wer Aluminium produziert, schädigt das Klima
Erst diese Tonerde läßt sich verhütten. Allerdings verbietet ihr hoher Schmelzpunkt von über 2000 Grad Celsius eine wirtschaftliche Produktion. Deshalb wird Tonerde mit Kryolith (einer Verbindung aus Natrium, Aluminium und Fluor) gemischt und bei rund 1000 Grad zum Schmelzen gebracht. Gleichstrom von 300 000 Ampere zerlegt diese Mischung in Sauerstoff und metallisches Aluminium. Letzteres sammelt sich flüssig am Boden der Elektrolysewannen. Da die Elektroden aus reinem Kohlenstoff bei diesem Prozess rasch verbrennen, entweicht bei dem Verfahren stets das Treibhausgas Kohlendioxid. Zudem entstehen ätzende flourhaltige, ebenfalls klimaschädigende Gase, die Alu-Hütten früher zu wahren Dreckschleudern gemacht haben. Mit moderner Abgastechnik lassen sich zumindest die Fluorgase heute zu einem großen Teil herausfiltern.
Ein Prozess, der Riesenmengen Strom frißt
Das größte Manko dieser "Schmelzfluß-Elektrolyse" ist der enorme Energieverbrauch und die damit verbundenen hohen Herstellungskosten. Die Produktion von einer Tonne Aluminium verschlingt 15 000 Kilowattstunden Strom - soviel wie ein deutscher Durchschnittshaushalt in mehr als fünf Jahren verbraucht. Die Alu-Schmelzen der Welt stellen derzeit jährlich 24 Millionen Tonnen des wichtigsten Nichteisenmetalls her. Greenpeace hat in einer Studie festgehalten, dass im Jahr 1990 die Aluminiumproduktion soviel Elektrizität verschlang, wie sonst ganz Afrika verbraucht. In Island soll die gesamte Leistung des Karahnukar-Staudamm-Kraftwerkes von 750 Megawatt in das neue Aluminiumwerk fließen - eine Strommenge, mit der sich die Hälfte der Haushalte des Bundesstaates Hamburg versorgen ließen. Der hohe Energiebedarf relativiert den Ruf des leichten Werkstoffes als grünes Metall. Forscher der Universität Stuttgart errechneten, dass ein Automobil, das durch Aluminium 200 Kilogramm leichter wird, erst einmal 60 000 Kilometer fahren muss, bis die Spritersparnis den Mehr-Energieaufwand für die Herstellung von Aluminium kompensiert hat. Moderne Kunststoffe wie Kohlefaser, die noch leichter und stabiler als Aluminium sind, schneiden in der ökologischen Bilanz zum Teil besser ab.
Aus Alublech werden Autos
Sinnvoll ist auf jeden Fall das Recycling von Aluminium. Das Metall verliert - anders als Papier oder Kunststoff - auch nach mehreren Wiederverwendungzyklen so gut wie nicht an Qualität. Außerdem sind zum Einschmelzen von Sekundärmetall nur fünf Prozent jener Energie nötig, die bei der Neuproduktion aus Bauxit fällig wären. Eins der führenden Länder beim Aluminium-Recycling ist Deutschland, das fast die Hälfte seines jährlichen pro Kopf-Bedarfes von 27 Kilogramm aus Altmetall bezieht. Hinter der Wiederverwendung stehen allerdings allerdings kaum umweltbewußte Einzelbürger, sondern die Automoblindustrie, die nicht nur den Löwenanteil des Aluminiums verbraucht, sondern auch den Großteil des eingesammelten Leichtmetalls wieder einsetzt.
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