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Kärnten: Ferien im Kräuterdorf
Schnaps aus Enzian, Wandern über Blumenwiesen und süße Träume auf dem Lavendelduftkissen: In Irschen in Kärnten genießen nicht nur Öko-Freaks Urlaub voller Duft und Aromen
Als im am späten Abend im "Landhaus Mandler" in Irschen eintraf, brummte mir der Schädel. Es war eine lange Autofahrt durch die Alpen gewesen. Also bat ich Brunhilde Mandler, die Seniorchefin, um ein Aspirin. Sie aber schaute mich an, als hätte ich ihr Schweinereien ins Ohr geflüstert. "Naa", antwortete die 67-Jährige resolut, "da hob’ i wos viel Besseres." Sie ließ mir eine Tasse Tee bringen, aufgebrüht aus einer Pflanze, die ich bis dato nur als Bestandteil von Maibowle - und damit als Verursacher von Brummschädeln - gekannt hatte: Galium odoratum, der gemeine Waldmeister.
Heile, kleine Welt
Irschen ist ein Bergdorf wie aus dem Alpen- Bilderbuch. Es liegt gut 800 Meter hoch im Oberen Drautal in Kärnten, bezeichnet sich als "Natur- und Kräuterdorf" und rühmt sich seiner Lage auf einer "Sonnenterrasse". So weit die Prospekte. Als ich dann aber am ersten Morgen auf den Balkon trat, wurde mir mit einem Blick klar, was sie hier unter Kräutern und Natur verstanden. Nicht nur, dass mein Zimmer "Pfefferminze" hieß und dass der Waldmeistertee von Brunhilde Mandler meine Kopfschmerzen prompt und vollständig kuriert hatte. Nun bot sich mir dazu noch ein Panorama, das die Seele streichelte: Über einen strahlend blauen Himmel flatterten Schwalben; Kirchtürmchen, Bauernhöfe und Heustadel lagen in der Sonne. Vor dem Massiv der Kreuzeck-Gruppe breiteten sich Blumenwiesen aus, wie sie der geniale Blumenwiesenmaler Claude Monet nicht schöner hätte malen können. "Wiesensalbei, Pechnelken, Margeriten und Purpurklee gedeihen hier", zählte mir später Eckart Mandler auf. Der 48-jährige Hotelier, Sohn meiner "Empfangsdame" und Besitzer des Landhauses Mandler, klärte mich bei frischem Holunderblütensaft auf, dass dies nur eine winzige Auswahl sei: "Mehr als 400 Kräuter wachsen wieder wild auf unseren Wiesen." Sein Stolz ist gut nachvollziehbar: Der drahtige Hotelier - mit mehr als 1000 Bergtouren in seinem Wanderbuch - hat für die Naturschönheiten in seiner Heimatgemeinde viel getan. Er war es, der vor Jahren sein Dorf zu dem visionären Plan überredete, lieber die Bergnatur auf dem Hochplateau zu bewahren, als in Skipisten oder Golfplätze zu investieren. So ging der große Touristenboom zwar an Irschen vorbei. Doch dafür blieb das Dorf eine heile, kleine Welt, samt Laientheater und den Schuhplattlern der "Hochstadler Buam" - eine Welt also, die immer mehr Besucher aus der Stadt in den Alpen suchen, aber immer seltener finden.
Öko-Musterdorf
Irschen versteht sich als Öko-Musterdorf. Fast 20 Prozent der Häuser heizen mit Solarstrom, die Felder werden ökologisch bewirtschaftet, zudem engagiert man sich im "Klimabündnis" für den Regenwald am Amazonas. "Aber das Wichtigste sind halt die Kräuter", sagte Walter Heregger im Keller seines Gasthofes, während er mir bereits das vierte Stamperl einschenkte. Wir saßen dort, um eines der Premiumprodukte von Irschen zu degustieren: "Walters feine Kräuterschnäpse". In funzelndem Licht, als arbeitete er im Geheimlabor eines Alchemisten, setzt er sie aus Kalmus und Meisterwurz, den Wurzeln des Gelben Enzians und sieben weiteren Ingredienzen in klarem Obstler an. Nach Großvaters Rezepten selbstverständlich.
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