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Paddeln im Geirangerfjord
Im Geirangerfjord streben die kahlen Felswände aus dem Wasser direkt in den Himmel, die Gipfel bedeckt ewiges Eis. In den Fjord der Fjorde im Westen Norwegens fahren im Sommer täglich Kreuzfahrtschiffe aus aller Welt, die Begegnung mit einem Wal ist im Seekajak jedoch um einiges spannender - eine Paddeltour
Ein letztes Mal katapultiert sich der dunkelgraue, stromlinienförmige Körper aus dem Wasser und verschwindet am Horizont wieder in den schwarzen Fluten des Sunnylvsfjords Richtung Meer: ein Entenwal, seltener Gast in dem südlichen Arm des Storfjords im Westen Norwegens, denn sein eigentliches Reich sind die Weiten des Nordatlantiks.
Eine gelungene Vorstellung
Es war bereits später Nachmittag, als wir unsere Seekajaks am Anleger von Stokkevika festmachten und plötzlich die Rückenfinne vor den Booten auftauchte. Gemächlich zog das rund acht Meter lange, zur Familie der Schnabelwale zählende Tier zwei, drei neugierige Runden um die Kajaks, blies ein paar Fontänen in die Luft - und sein Auftritt vor staunendem, hektisch mit Kameras hantierendem Publikum war gelungen.

Felsen stürzen abrupt ins Nichts
Den fulminanten Abschiedssalto führt der Wal allerdings erst vor, als wir bereits Zelte, Schlafsäcke, Kocher und Lebensmittel für die Nacht die 250 Höhenmeter auf die kleine Wiese vor dem Einödhof Stokkevika hoch geschleppt haben und uns japsend bei der Aussicht auf den Fjord erholen: Der Wind malt Streifen auf die Wasseroberfläche. Die Felsen stürzen sich, teils nackt, teils umklammert von Birken und Vogelbeerbäumen, abrupt ins schwarze Nichts, zwischendrin blitzt die Gischt von Wasserfällen auf. Die kahlen Granitkuppen der bis zu 1600 Meter hohen Berge rundum sind weiß gefleckt von ewigem Schnee.
Geiranger: Touristenziel mit Tradition
Der Sunnylvsfjord geht über in den Fjord der Fjorde, den Geirangerfjord: nicht der längste, nicht der tiefste und vielleicht auch nicht der schönste Fjord der Welt (als der gilt vielen der weiter südlich gelegene Sognefjord), aber der meist fotografierte und von Touristen schon immer heiß geliebt. Schon 1869 tastete sich das erste Kreuzfahrtschiff in den Meeresarm hinter Ålesund hinein, heute sind es in den Sommermonaten über 150 der weißen Luxusdampfer, im letzten Jahr erstmals die "Queen Mary 2", das größte Passagierschiff der Welt. Kulminationspunkt des Sommer-Tourismus ist Geiranger, ein ehemaliges kleines Bauerndorf am Ende des Fjords.
Überfall auf die Souvenirläden
Wenn an manchem Sommertag die "Costa Atlantica" aus Italien, die deutsche "Arosa Blue" und noch drei Luxusliner gleichzeitig vor dem 300-Einwohner-Örtchen liegen, werden über 5000 Gäste mit Beibooten zur kleinen Souvenir-Ladenmeile aus grasbedeckten Holzhütten ausgeschifft. Alles, was typisch Norwegisch scheint, komplette Wikingerausrüstung, Trolle in allen Variationen, dicke Wollpullover - Japaner, Deutsche, Amerikaner kaufen es. Bereits um die Jahrhundertwende ließen sich die Kreuzfahrer zum Aussichtspunkt Flydalsjuvet und weiter nach Dalsnibba in 1495 Meter Höhe fahren. Damals warteten schwarze, offene Daimler am Hafen, die dann die im Frühjahr mühsam von Schnee befreiten Serpentinen hoch knatterten, heute sind es unzählige Busse, die auf den vollen Parkplätzen neben Wohnmobilen und Pkw stehen.
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