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Wie überlebt man eine Lawine?

Vorsicht, Lawine! Wie jeden Winter hat es in den Alpen Tote gegeben. - Was man wissen muss, um den Ernstfall zu überleben

Text von Jens Rehländer

Jedes Jahr das gleiche Phänomen: Wintersportler verlassen die ausgewiesenen Pisten, um allein oder zu zweit durch den unberührten Hochschnee zu wedeln. Häufig lösen sie dabei jedoch Lawinen aus, in denen viele einen furchtbaren Tod finden. Wie überlebt man eine Lawine, wenn es kein Entkommen mehr gibt?


Gelegentlich werden Lawinen auch durch unvorsichtige Skifahrer ausgelöst (Foto von: Bill Hatcher/National Geographic/Getty Images)
© Bill Hatcher/National Geographic/Getty Images
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Gelegentlich werden Lawinen auch durch unvorsichtige Skifahrer ausgelöst

1. Regel
Ist das Schneebrett ins Rutschen gekommen, sofort die Skistöcke abwerfen. Im weißen Mahlstrom kann man sich sonst schwer verletzen, von Knochenbrüchen bis Stichverletzungen.

2. Regel
Versuchen Sie, sich auf den Skiern oder dem Snowboard zu halten und seitlich aus der Lawinenbahn herauszusteuern.

3. Regel
Wer den Stand verloren hat, muss mit Schwimmbewegungen versuchen, sich um jeden Preis an der Oberfläche einer Flusslawine zu halten.

4. Regel
Sobald die Lawine ihre Fahrt verlangsamt, Hände über Mund und Nase zu einer Atemhöhle wölben. Wer erstmal im Schnee verschwunden ist, kann das nicht mehr tun - und erstickt im verdichteten Material.


Soweit die Sicherheitstheorie. In der Praxis gelingt es allerdings nur wenigen, die Verhaltensregeln anzuwenden. Oft ist die Wucht der Lawine einfach zu groß, um kontrollierte Sicherheitsmaßnahmen durchzuführen.


Hauptsache: oben bleiben!

Ihre Opfer wirft die Lawine in eine Rotationsbewegung: Während der oft viele hundert Meter langen Fahrt werden die Menschen mal nach oben, mal nach unten gerissen, um die eigene Achse gedreht. Sie verlieren jede Orientierung. Und ist die Lawine zum Halten gekommen, hängen die Überlebenschancen wesentlich davon ab, wo sich ein Verunglückter in diesem Moment befindet: unten oder oben.


Retter haben 15 Minuten Zeit

Statistisch liegen die meisten Lawinenopfer in einer Tiefe zwischen einem und eineinhalb Metern. Das hört sich nach wenig an, bedeutet aber viel. Denn Lawinenschnee ist um ein Mehrfaches komprimierter als herkömmlicher Pulverschnee. Um einen Verschütteten in nur einem Meter Tiefe ausgraben zu können, muss Schnee mit einem Gewicht von einer halben Tonne bewegt werden! Zwei kräftige Männer benötigen dafür etwa zehn Minuten. Im Notfall kann das schon zu lange sein. Denn nach 15 Minuten sind die meisten Verunglückten bereits erstickt.


Lawinenschnee ist hart wie Beton

Je länger die Lawine ruht, desto mehr sackt der Schnee zusammen und erhöht dadurch sein Gewicht. Lawinenforscher vergleichen die Dichte des Materials mit jenem von Beton. Schon in 30 Zentimetern Tiefe bedeutet das für Verschüttete: Sie müssen völlig bewegungslos verharren, können buchstäblich nicht mal mehr einen kleinen Finger krümmen - mit dramatischen Folgen für die Atmung.


Pressschnee in Mund und Nase

Während des Lawinenabgangs können die wenigsten Opfer verhindern, dass sich der Schnee förmlich in Mund und Nase presst. Ist der Rutsch beendet, sind die Atemwege verstopft. Außerdem vereist der Atem den Schnee, so dass die Sauerstoffzufuhr beendet wird. Und schließlich lastet der Schnee von Minute zu Minute schwerer auf Brustkorb und Lunge. Das Atmen fällt immer schwerer.


Wer allein verunglückt, hat keine Chance

Der Druck verhindert auch die Durchblutung der Extremitäten. Schnell beginnen Arme und Beine zu erfrieren. Um in nur 15 Minuten aus so einem weißen Grab befreit zu werden, muss man viel Glück haben. Wer allein unterwegs war, hat kaum Chancen auf Rettung. Denn wo kein Augenzeuge den Unfall beobachtet hat, kann niemand Hilfe leisten. Verschüttete sind naturgemäß unsichtbar und können nicht rufen.



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