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Vor der Kälte - 19. Oktober

Bevor GEO-Redakteur Lars Abromeit in die Antarktis aufbricht, muss er sich intensiv auf die Kälte vorbereiten und fühlt sich unter der Schutzkleidung ein bisschen wie "Darth Vader" aus den Star-Wars-Filmen

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Ewiges Eis bedeckt 99,6 Prozent der Antarktis. Im Innern des weißen Kontinents aber, abgeschirmt von einer 2500 Meter hohen Bergkette, klafft eine Lücke in diesem Panzer: eine Wüste aus schwarzem Staub und blank geschliffenem Gestein, in der weniger Niederschlag fällt als in der Sahara und die Temperatur im Winter nicht selten unter minus 50 Grad Celsius sinkt.


Lars Abromeit verbrachte sechs Wochen in der kältesten Wüste der Welt  (Foto von: Julia Fricke)
© Julia Fricke
Lars Abromeit verbrachte sechs Wochen in der kältesten Wüste der Welt

Gut fünf Monate pro Jahr Monate liegt diese frostige Welt in völliger Finsternis, und kein einziger Grashalm durchbricht die Ödnis. Nur ein paar Bakterien, Algen und Fadenwürmer harren hier aus. Und wir, demnächst. Zum Glück nur für ein paar Wochen. Die "Antarctic Dry Valleys", ein 4800 Quadratkilometer umfassendes Gebiet aus vier Bergtälern südlich des McMurdo Sounds nahe des Südpols, sind ein Reich der Extreme. In ihm hoffen Forscher, nähere Hinweise darauf zu finden, wie das Leben auf der Erde entstanden ist - und wie es sich vielleicht auf fremden Planeten entwickeln könnte.

Steinerne Bibliothek
Auch manche Geologen erträumen sich viel von der aschfahlen Kargheit der Dry Valleys: Denn während uralte Gesteinsschichten in anderen Teilen der Welt längst vom Regen ausgewaschen und von organischen Ablagerungen überlagert worden sind, haben sich die Felszüge in den Trockentälern über Jahrmillionen hinweg kaum verändert und erzählen so von längst vergangenen Kapiteln der Erdgeschichte. Diese "steinerne Bibliothek" zu entziffern, hat sich ein amerikanisches Forschungsteam vorgenommen, das wir, der Fotograf George Steinmetz und ich, ab Ende Oktober für sechs Wochen in die Dry Valleys begleiten wollen.


Es ist ein entlegenes Ziel, acht Flugstunden entfernt von der nächsten größeren Siedlung: Und so hat schon die Anreise ihre Tücken. Um überhaupt in das Antarktis-Programm der amerikanischen "National Science Foundation" (NSF) aufgenommen zu werden, mussten wir uns umfangreichen Medizin-Checks unterziehen - und dabei unter anderem unsere Schnarchgewohnheiten und den wöchentlichen Alkohol-Konsum abschätzen.


Zelten im Eis: Die Luft fühlt sich an wie minus 60 Grad (Foto von: George Steinmetz)
© George Steinmetz
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Zelten im Eis: Die Luft fühlt sich an wie minus 60 Grad

Darth Vader im Eis

In der Antarktis selbst wird die amerikanische "McMurdo Station" am Rande des Eisschelfs unser Ausgangspunkt zu den Dry Valleys sein. Schon dorthin allerdings dauert der Flug von Deutschland aus mindestens fünf Tage - denn er führt, organisiert von der NSF, über New York, Los Angeles und Auckland nach Christchurch, Neuseeland. Erst von dort geht eine Militärmaschine nach McMurdo. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Was uns dann in den Dry Valleys erwartet, wissen wir nicht so genau. Vorsorglich haben wir Schuhe im Gepäck, die aussehen, als könne man damit die Gebirge des Mondes besteigen. Gesichtsmasken, unter denen man atmet wie Darth Vader in den "Stars Wars" -Filmen von George Lucas. Und Daunenjacken, die einem die Statur eines Michelin-Männchens verleihen. Im Moment aber scheint es, als würden wir all diese sonderbare Spezialausrüstung tatsächlich benötigen: George, der zur Vorbereitung bereits Anfang Oktober zur McMurdo Station geflogen ist, schrieb vor einigen Tagen, die Temperatur sei inzwischen auf minus 30 Grad abgesunken. Und weil es andauernd stürmt, fühle sich die Luft wie minus 60 Grad an. Immerhin: Es soll wärmer werden, sagen die Forscher. Wir wollen es hoffen.


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