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Vogelzug: Singvogel-Überfall auf der Ostsee

Martin Grimm, freischaffender Ornithologe, ist seit 15 Jahren an Seevogelzählungen auf der Ostsee beteiligt. Am Abend des 18. Oktober erlebte er auf einem Forschungsschiff vor Rügen einen regelrechten Überfall - von Tausenden Zugvögeln. Und einigen ihrer Räuber

Interview:
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Finken
© Martin Grimm
Finken
Hunderte Buch- und Bergfinken haben sich - angelockt vom Licht - auf dem Schiffsdeck niedergelassen, um zu rasten
Verkehrte Welt
© Martin Grimm
Verkehrte Welt
Ein Erlenzeisig ist nichts ahnend im Nacken seines ärgsten Feindes gelandet. Ein weiterer sitzt arglos daneben, während der Sperber damit beschäftigt ist, einen dritten zu fressen
Gefährliche Nachbarschaft
© Martin Grimm
Gefährliche Nachbarschaft
Diese Heckenbraunelle ist erwacht, als der Sperber sein Gefieder schüttelt. Und kann noch rechtzeitig entkommen
Gemütliches Plätzchen
© Martin Grimm
Gemütliches Plätzchen
Zwei Erlenzeisige haben es sich im Nacken eines Ornithologen bequem gemacht
Sperber-Schlaraffenland
© Martin Grimm
Sperber-Schlaraffenland
Dieses Rotkehlchen ahnt offenbar nicht, in welcher Gefahr es schwebt. Obwohl Sperber normalerweise ihre Beute im Flug greifen, verschmähte dieser Jäger auch die naheliegende, beziehungsweise -sitzende Beute nicht
Mahlzeit
© Martin Grimm
Mahlzeit
Das Ende eines Rotkehlchens. Trotz der ungewöhnlichen Umstände rupft der Sperber seine Beute wie gewohnt
Wintergoldhähnchen
© Martin Grimm
Wintergoldhähnchen
Diese drei Wintergoldhähnchen wärmen sich während der Rast an Bord gegenseitig
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Martin Grimm ist als freischaffender Ornithologe regelmäßig auf der Ostsee unterwegs.<br />Mehr Fotos von ihm: <a href="http://www.birdimagency.com/en/Martin Grimm-233.html" target="_blank" rel="nofollow">www.birdimagency.com</a><br />Kontakt <a href="mailto:mgrimm77@gmx.net" target="" rel="nofollow">per E-Mail</a> (Foto von: Mathias Putze)
© Mathias Putze
Martin Grimm ist als freischaffender Ornithologe regelmäßig auf der Ostsee unterwegs.
Mehr Fotos von ihm: www.birdimagency.com
Kontakt per E-Mail

GEO.de: Sie hatten abends auf hoher See plötzlich Tausende von Singvögeln an Bord. Wo kamen all die Vögel eigentlich her?

Martin Grimm: Genau wissen wir es nicht. Aber wir hatten ein paar Tage zuvor schlechtes Wetter, das die Vögel, die Richtung Süden ziehen, in Südskandinavien und dem Balitkum aufgehalten hatte. In der Nacht wurde das Wetter besser, und der Wind hatte sich etwas gelegt. Viele Vögel haben sich dann wohl entschieden, noch in der Dämmerung loszufliegen. Auch einige von denjenigen Arten, die eigentlich eher am Tag ziehen, wie etwa Buch- und Bergfinken.

Und dann wurden sie vom Licht des Schiffes angelockt?

Ja, wir waren als Lichtpunkt auf weiter Fläche eine Attraktion für die Vögel. Das lässt sich nicht vermeiden, wenn man auf hoher See ankert. Denn die Schiffe müssen aus Sicherheitsgründen beleuchtet sein.

Warum ziehen Singvögel überhaupt nachts?

Zum einen, um bei den kühleren Temperaturen Energie zu sparen. Zum anderen, weil sie so ihren Jägern aus dem Weg gehen ...


... normalerweise ...

Stimmt, in diesem Fall hat das nicht funktioniert. Wir hatten insgesamt drei Sperber und eine Sumpfohreule mit an Bord, die sich wie an einer gedeckten Tafel bedient haben. Dass Sperber ziehenden Singvogeltrupps hinterherfliegen und sich im Flug mit Proviant versorgen, ist bekannt. Dass sie das auch nachts tun, war uns neu.

Warum sieht es auf einigen Bildern so aus, als würden Sperber und Singvögel miteinander kuscheln?

Berechtigte Frage! Keiner von den Kollegen, die sich schon lange mit Vögeln beschäftigen, hatte so etwas schon mal gesehen. Eine mögliche Erklärung wäre, dass viele der Vögel, die bei uns gelandet sind, extrem geschwächt waren und den sitzenden Sperber nicht als Feind wahrgenommen haben. Seine Silhouette löste einfach nicht die richtige Reaktion aus, nämlich die Flucht. Und dann war es für die erschöpften Tiere wohl naheliegend, sich an eine größere Wärmequelle anzuschmiegen. Uns sind jedenfalls die Kinnladen runtergeklappt.




Mehr zu den Themen: Vogelzug, Zugvögel, Fotografie, Naturfotografie

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Kommentare zu "Singvogel-Überfall auf der Ostsee"

Saskia | 06.11.2015 16:16

Nach menschlicher Logik - ist die Gefahr größer weiter übers Meer zu fliegen, als sich auf dem Schiff zusammen mit Sperber und Co. zu sitzen.
Schließlich tendieren Schwärme dazu, dass sterben der Mehrheit zu vermeiden. Im Vergleich dazu, sterben nur ein paar Einzelne Tiere als Futter.
Es lässt sich einfach immer noch besser fliehen, wenn man sich ausgeruht hat. Und die Raubvögel können nicht den ganze Schwarm auffuttern. Beitrag melden!


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