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GEO Magazin Nr. 02/02 Seite 1 von 1
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GEO Magazin Nr. 02/02 - Dschingis Khan - Die Karriere eines genialen Tyrannen - Heft vergriffen - › Abonnieren

Verhalten: Schlangenhafte Mann-Frau

Männliche Strumpfbandnattern mögen's heiß. Dafür täuschen sie auch schon mal das falsche Geschlecht vor


Acht Monate dösen sie in Verstecken vor sich hin. Erst im April kriechen die in Kanada heimischen Strumpfbandnattern Thamnophis sirtalis parietalis zu Tausenden zurück ans Tageslicht. Dann aber haben die Männchen nur noch eins im Sinn: Weibchen zu erobern. Kaum erscheint eine Natter-Dame auf der Bildfläche, fallen zahllose Freier über sie her – allerdings: So manches Schlangenweibchen entpuppt sich als männlicher "Transvestit", der sich zwar in weiblichen Duft hüllt, aber keine Lust auf Sex mit Männern hat.


Schon seit Jahren sind Rick Shine von der University of Sydney und Robert Mason von der Oregon State University in Corvallis mit ihrem Team dem biologischen Sinn dieser feminisierten Schlangen-Männchen auf der Spur. Zunächst hatten sie vermutet, dass die Natter-Männer den Duft von Weibchen imitieren, weil sie sich dadurch einen Paarungsvorteil erhofften. Doch als Shine und Mason die Paarungserfolge der "Transvestiten" mit denen der übrigen Männchen verglichen, zeigte sich, dass die Verwandlungskünstler mit ihrer Strategie so gut wie keinen Erfolg verbuchen konnten: Sie paarten sich nicht öfter als die Konkurrenz. Die Forscher überlegten deshalb, welche anderen Vorteile es für die Männchen haben könnte, sich als Weibchen in einem Knäuel aus Schlangen zu verstecken. Tatsächlich gibt es, so Shine und Mason, zwei naheliegende Vorzüge bei diesem Verhalten: zusätzliche Wärme und Schutz vor Krähen – ihren Hauptfeinden.


Denn die Körpertemperatur der Schlangen betrage während ihres Winterschlafs nur vier Grad Celsius – zu wenig, um auf Touren zu kommen und gefräßigen Vögeln entfliehen zu können. Wenn die scheinbaren "Weibchen" unter einem Knäuel von Männchen begraben werden, sind sie dagegen vor Fressfeinden geschützt und erreichen schneller ihre normale Körpertemperatur. "Den Tieren ist einfach nur zu kalt. Sie versuchen, durch das 'Ankuscheln' ihre Überlebenschancen zu erhöhen", so Mason.



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