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Tierschutz in Asien: Rettung für die "Gallebären"

In Südostasien und China werden im Namen der traditionellen Medizin Tausende Bären schwer misshandelt. Die Tierschützerin Jill Robinson kämpft für ihre Befreiung - mit Erfolg. Ein Interview

Interview:

Die sogenannten Gallebären werden oft in Käfigen gehalten, die nicht viel größer sind als sie selbst. Über Jahre hinweg müssen die Tiere die Tortur von Gefangenschaft und Galleabzapfen über sich ergehen lassen (Foto von: Animals Asia)
© Animals Asia
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Die sogenannten Gallebären werden oft in Käfigen gehalten, die nicht viel größer sind als sie selbst. Über Jahre hinweg müssen die Tiere die Tortur von Gefangenschaft und Galleabzapfen über sich ergehen lassen

Der Galleflüssigkeit des Asiatischen Schwarzbären werden seit rund 3000 Jahren heilende Kräfte nachgesagt. Sie soll unter anderem Fieber- und Augenbeschwerden lindern. Zugleich ist die Bärengalle-Gewinnung eines der dunkelsten Kapitel der traditionellen asiatischen Medizin. Denn die Prozedur ist für die Tiere extrem qualvoll. Bis heute vegetieren in China und Südostasien Tausende Tiere auf Bärengalle-Farmen in winzigen Käfigen. Teilweise mehrmals täglich wird ihnen - unter katastrophalen hygienischen Bedingungen und ohne Betäubung - mit einer Kanüle Galleflüssigkeit abgezapft. Die Bären sind traumatisiert, leiden an Entzündungen, Krebsgeschwüren und Verletzungen durch die Gitterstäbe.

Als die in England geborene Jill Robinson 1991 in China zum ersten Mal eine Bärenfarm besuchte, wurde ihr klar: Sie musste diesen Tieren helfen. Sie gründete die Animals Asia Foundation (AAF), heute die führende NGO im Kampf gegen die Bärengalle-Industrie, die jeweils ein Rettungszentrum in China und in Vietnam betreibt. Wir sprachen mit ihr über Erfolge - und Hürden, die es noch zu nehmen gilt.

GEO.de: Jill, Sie kämpfen seit mehr als 20 Jahren für die sogenannten Gallebären. Kürzlich hatten Sie einige Erfolge zu feiern ...


Setzt sich für die Rettung der "Gallebären" ein: Jill Robinson (Foto von: Animals Asia)
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Setzt sich für die Rettung der "Gallebären" ein: Jill Robinson

Jill Robinson: Ja, wir haben damit begonnen, alle noch verbleibenden Bären in der nordvietnamesischen Provinz Quang Ninh zu retten. Tragischerweise sind einige von ihnen inzwischen gestorben, weil sie in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand waren. Aber mehr als 30 werden noch die Pflege bekommen können, die sie verdienen. Einen weiteren Erfolg hatten wir kürzlich in China, wo ein Bärengalle-Farmer aufgab, weil das Geschäft "grausam und hoffnungslos" sei, wie er selbst sagte. Wir haben jetzt angefangen, dort den 130 Bären zu helfen. Sie waren Opfer der "free drip"-Methode, das heißt, sie wurden so operiert, dass ihnen die Galle ununterbrochen direkt aus dem Bauch troff. Aber unser größter Erfolg in beiden Ländern ist sicher die Einrichtung der Rettungszentren und die Rettung von bislang 530 Bären. In Gehegen, die ihrem artgemäßen Verhalten angepasst sind, finden die Tiere Schutz, können Gras, Sonne und Umgang mit Artgenossen genießen. Außerdem ermöglichen wir hier eine Forschung, die die grausame Realität der Gallebären-Industrie zeigt.


In Vietnam ist die Bärengalle-Gewinnung illegal. Warum ist es trotzdem so schwer, die Bären zu befreien?

Leider sieht das Gesetz vor, dass die Farmer auf frischer Tat ertappt werden müssen. Das wird durch Aufpasser auf den Farmen erschwert. Außerdem gibt es bei der Umsetzung des Rechts immer wieder Verzögerungen durch Entschädigungsforderungen von Farmern. Schließlich haben wir noch das Problem, dass die Bären irgendwo hin müssen. Darum organisieren wir gerade ein Treffen mit den zuständigen Behörden, um Antworten auf diese Fragen zu finden und das Geschäft mit der Bärengalle ein für alle Mal zu beenden. Ohne die Behörden geht es nicht, denn keine NGO der Welt kann alle 1245 in Vietnam verbliebenen Bären retten und für die verbleibenden 30 Jahre ihres Lebens sorgen.


Sehen Sie im Video, wie sich Jill Robinson und die Animals Asia Foundation für die Gallebären einsetzen (englisch).



Gibt es ein Umdenken in China und Vietnam, was die Gallebären betrifft?

Definitiv! In China gehörte das Bärengalle-Geschäft im Jahr 2012 zu den zehn am meisten diskutieren Themen. Unsere Bildungsprogramme haben also Wirkung gezeigt. Kürzlich haben 14 chinesische Promis ein Video gedreht, um auf das Schicksal der Bären aufmerksam zu machen. Das haben immerhin 113 Millionen Follower gesehen. Auch die Haltung der Mediziner verändert sich. In beiden Ländern gibt es immer mehr von ihnen, die sich weigern, Bärengalle zu verschreiben. Die vietnamesische Gesellschaft für Traditionelle Medizin mit ihren 60.000 Mitgliedern wird mit uns ein Buch über die 32 pflanzlichen Alternativen zur Bärengalle herausbringen - und darauf hinwirken, dass bis Ende des Jahres nur noch höchstens fünf Prozent ihrer Mitglieder Bärengalle verkaufen oder verschreiben. In China haben fast 2000 Apotheken und mehr als 3000 Ärzte erklärt, in Zukunft Bärengalle-frei zu arbeiten.


In den Rettungsstationen von AAF in China und Vietnam bekommen die misshandelten Bären die Zuwendung und Pflege, die sie verdient haben, sagt Jill Robinson (Foto von: Animals Asia)
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In den Rettungsstationen von AAF in China und Vietnam bekommen die misshandelten Bären die Zuwendung und Pflege, die sie verdient haben, sagt Jill Robinson

Trotzdem scheint der Markt für Bärengalle zu wachsen. Warum?

Wie der Markt sich wirklich entwickelt, weiß niemand. Denn es gibt einen großen Schwarzmarkt, und ein großer Teil der Bärengalle, die in China produziert wird, wird weltweit illegal verkauft, vor allem in Malaysia.

Warum werden pflanzliche Alternativen so wenig genutzt?

Überall in Asien sind solche Heilmittel im Überfluss verfügbar. Und viele Menschen nutzen sie auch. Aber leider schaffen es die Farmer, leichtgläubigen Touristen echte Bärengalle aufzuschwatzen. Wenn die Leute wüssten, was in solchen Produkten enthalten ist, würden sie sie nicht kaufen. In China mussten wir geretteten Bären oft die Gallenblase entfernen. Sie enthielten Spuren von Blut, Urin, Kot, waren von Krebszellen oder Bakterien verseucht. Synthetische oder pflanzliche Alternativen sind nicht nur billiger, sondern auch gesünder. Kürzlich hat ein großes chinesisches Pharmaunternehmen, das die Hälfte der in China produzierten Bärengalle verarbeitet, erklärt, Millionen in die Entwicklung einer synthetischen Alternative zu investieren. Warum sollten die das tun, wenn sie nicht unzufrieden wären mit dem Produkt, das sie bislang verkaufen?

Was können wir Europäer tun, um den "Gallebären" zu helfen?

Sie können höfliche Briefe an die chinesische und die vietnamesische Botschaft schreiben mit der Bitte, die Bärengalle-Produktion zu beenden. Sprechen Sie über das Thema, in der Schule, mit Freunden, machen Sie in den Medien darauf aufmerksam. Und natürlich können Sie unsere Arbeit auch mit einer Spende unterstützen.

www.animalsasia.de




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