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Tierethik: Menschenrechte für Affen!
Niemand weiß, was genau in den Köpfen von Tieren vor sich geht. Doch dass viele von ihnen - besonders Affen - denken und fühlen können, davon ist der Primatologe Volker Sommer überzeugt. Und fordert deshalb Grundrechte für unsere nächsten Verwandten: Schimpansen, Bonobos, Orang-Utans und Gorillas
GEOkompakt: Herr Professor Sommer, Sie
bezeichnen sich selbst als "Menschenaffe".
Machen Sie also keinen Unterschied
zwischen Mensch und Tier?
Volker Sommer: Evolutionsbiologen
unterscheiden nicht zwischen Mensch
und Tier, sondern bestenfalls zwischen
Menschen und anderen Tieren. Und
zoologisch betrachtet gehören wir mit
unseren allernächsten Verwandten nun
einmal in dieselbe Gruppierung, also
die Menschenaffen. Das mag uns ehrenrührig
erscheinen, ist aber einfach nur
zoologisch korrekt. Es gilt das Prinzip
der abgestuften Ähnlichkeit.
Dann hätten ja vielleicht sogar simple
Kreaturen viel mit den Menschen gemein,
könnten ähnlich wie wir denken und fühlen.
Zunächst einmal gefällt mir das Wort
"simpel" nicht, weil es abwertend klingt.
Betrachten Sie doch beispielsweise
einen Frosch. Wie ein Mensch gewinnt
dieses Tier Eindrücke aus seiner Umgebung
und verarbeitet sie in seinem Hirn.
Ich halte es für wahrscheinlich, dass der
Frosch dabei in seinem Kopf etwas fühlt
und erlebt, also ein Bewusstsein hat.
Sagen Sie damit, dass der Frosch sich -
wenn auch in limitierter Form - Gedanken
machen kann?
Frosch und Mensch verfügen über
eine Hardware, die sich prinzipiell stark
ähnelt. Beide besitzen Sinnesorgane,
Nervenzellen zur Datenübertragung
und ein Gehirn, das Informationen
sortiert und bewertet.
Vergleichen Sie da nicht Äpfel mit Birnen?
Das menschliche Gehirn gilt immerhin als
komplexeste Struktur im Universum.
Ob wir hinsichtlich des Denkvermögens
von Fröschen und Menschen Übereinstimmungen
oder Unterschiede betonen
wollen, ist reine Ansichtssache.
Tatsache ist zunächst, dass Frosch und
Mensch sich aus gemeinsamen Vorfahren
entwickelten und deshalb ähnliche
Bauteile aufweisen. So besitzen beide
Lebewesen Gliedmaßen, die mit einem
Greiforgan abschließen. Im Zuge der
Evolution entstanden zwar Unterschiede.
Ein Beispiel: Wir haben zehn
Finger, darunter zwei bewegliche
Daumen. Der gewöhnliche Laubfrosch
besitzt acht Finger, die Haftlamellen
aufweisen. Statt aber solche Unterschiede
als eine scharfe Grenze aufzufassen,
ist es doch sinnvoller, von einem
Mehr oder Weniger zu reden.
Das sind rein anatomische Abstufungen.
Offenbar fällt es uns schwerer, den
graduellen Charakter der Evolution
zu akzeptieren, wenn es um Gedanken- und
Gefühlswelten geht. Aber alles
spricht dafür, dass auch das, was wir
traditionell "Geist" nennen, nicht vom
Himmel fiel. Emotionales Erleben und
kognitives Vermögen haben vielmehr
mit dem Körperbau eine Stammesgeschichte
durchlaufen. Wäre das nicht
so, würde die pharmazeutische Industrie
ihre Psychopharmaka nicht an
Affen testen. Dieses Geld wird nur investiert,
weil man davon ausgeht, dass sich
in deren Gehirnen ähnliche subjektive
Empfindungen abspielen wie bei uns.
Fazit: Wie bei der Anatomie liegt auch
hier kein Alles oder Nichts vor, sondern
ein Mehr oder Weniger an Menschenähnlichkeit.
Wichtig ist dabei, dass
diese Abstufung weder gleichzusetzen
ist mit einem "Besser oder Schlechter"
noch mit einem "Höher oder Niedriger".
Alle Organismen sind auf jeweils
eigene Art ihrer Umwelt angepasst.
Was genau im Kopf eines Tieres vor sich
geht, ist Menschen aber nicht zugänglich.
Nein, aber ich ziehe einen plausiblen
Schluss: Je näher ein Lebewesen mit
mir verwandt ist, desto wahrscheinlicher
ist auch, dass die ähnlichen Strukturen
in seinem Kopf ein ähnliches
Empfinden ermöglichen.
Das bedeutet umgekehrt: Je schwächer die
verwandtschaftlichen Bande zwischen uns
und einem Tier sind, desto geringer sind
dessen Denkleistungen einzuschätzen.
Gehen wir mal von einem Menschen
zum Schimpansen, dann zu einem
Frosch, von dort zu einem Regenwurm,
weiter zu einer Qualle und schließlich zu
einem Einzeller. Während wir uns
evolutionär immer weiter vom Homo
sapiens entfernen, werden die geistigen
Fähigkeiten denen von Menschen immer
unähnlicher. Ich bezeichne das
aber nicht als ein Geringer-Werden,
weil eine solche Perspektive uns zum
Maßstab macht und das Ergebnis deshalb
gar nicht anders ausfallen kann,
als uns allein für vollwertig zu halten.
Stattdessen würde ich neutraler formulieren
und sagen, dass unsere Art des
Denkens und bewussten Erlebens bei
weiter entfernten Lebewesen irgendwann
nicht mehr vorhanden ist.




Kommentare zu "Menschenrechte für Affen!"
@Realist: Nun, die Einführung von Menschenrechten hat die Lebensqualität der Menschen enorm verbessert (Vielleicht waren das auch andere Einflüsse). Und nun erhofft man sich von der Einführung von Tierrechten, deren Lebensqualität auf natürlichem Niveau zu halten. @Wolf K.: Dem stimme ich zu(Auch wenn (bzw. weil) Wölfe ja gerade doch biologisch mit den Menschen verwandt sind). @Krokodilstraenen: Ich finde es schön, wenn jemand von einer so lebensbejahenden („Menschheit (...) zunehmend gerissener“, „an Niedertracht kaum zu überbieten“) Haltung zu erzählen weiß und sich nicht scheut, gewagte Vergleiche zu ziehen (GG-Art. 23 – NS-Ermächtigungsgesetz, EU – „Plagen der Pandora“). Deinem ersten Satz stimme ich allerdings genau wie deinem letzten zu. „Für alles werden Begründungen gefunden“ – vielleicht solltest du dir eine Begründung für deinen Hass auf die Welt ausdenken? Sicher, es gibt Schlechtes auf der Welt. Aber die Welt an sich ist nicht schlecht. Glaub mir.
Tiere zu quälen, das tut man einfach nicht. Wenn der Mensch das nicht mehr erkennt, ist es zu spät. Für alles werden Begründungen gefunden, Massentierhaltung, Kriege und Massaker, Privatisierungen, Politikerlügen, Umverteilung vom Bürger auf skrupellose Mafiabanker, Umweltvergiftung und - Artikel 23 GG, der für nichts geringeres steht als einer Selbstermächtigung und das Pendant zum Ermächtigungsgesetz der NSDAP ist. Und der nichts anderes hervorgebracht hat als die Plagen der Pandorra. Auch damals gab es eine parlamentarische Mehrheit. Und unter dem aggressiven Kollektispruch, der Holocaust sei deutsche Identität, tat man es wieder. Es gibt keine größere Sünder als viele Wünsche. Es gibt kein größeres Übel als kein Genüge kennen. Es gibt keinen größeren Fehler als haben wollen. Laotze Die Menschheit ist überaltert und wird zusehends gerissener. Was hier los ist, ist an Niedertracht nicht mehr zu überbieten. Der Focus auf das Nebensächliche ändert nichts.
Vor allen Dingen wären "Menschenrechte" nur für Affen viel zu kurz gegriffen. Was ist z.B. mit den Wölfen? Die stehen uns in ethologisch-soziologischer Hinsicht sehr viel näher (Einehe, Familienstruktur, hocheffektive Zusammenarbeit, kognitive Fähigkeiten, Empathie u.a.), obwohl sie mit dem Menschen biologisch nicht verwandt sind (andere Ordnung). Wenn wir schon den Punkt "Rechte für Tiere" diskutieren, dann muß diese Diskussion sehr viel weiter gefaßt werden!
Menschenrechte für Affen? Was würde das nützen? Wo es die Menschen selbst nicht schaffen, diese immmer einzuhalten.