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GEO WISSEN Nr. 09/99 Seite 1 von 4


Die Greifer aus der Unterwelt

In Tiefen bis 1000 Metern hausen gewaltige Kopffüßer mit 14 Meter langen Armen und Augen so groß wie Salatschüsseln. Wie die Riesen da unten leben und was sie treiben, wollen Forscher mit einem U-Boot ergründen


Der einzige, der mit Architeuthis fertig wird, ihn wahrscheinlich sogar als Beute schätzt, ist der Pottwal. Es gibt Anzeichen dafür, dass das gigantische Weichtier sich mit dem gigantischen Säugetier verzweifelte Kämpfe liefert (Foto von: GEO WISSEN / Andreas Knoche)
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Der einzige, der mit Architeuthis fertig wird, ihn wahrscheinlich sogar als Beute schätzt, ist der Pottwal. Es gibt Anzeichen dafür, dass das gigantische Weichtier sich mit dem gigantischen Säugetier verzweifelte Kämpfe liefert

Wellington, Neuseeland, 20. Februar 1999

Auf dem Seziertisch im National Institute of Water and Atmospheric Research (NIWA) liegt ein Tiefsee-Mythos - 200 Kilogramm schwer, schleimig, mit zehn Greifern und einem felsenharten Kiefer, der geformt ist wie ein Papageienschnabel. Allein der Mantel - jene Hülle, die den Rumpf des Weichtiers umgibt - ist größer als ein Mensch. Fischer haben die Molluske mit den feuerwehrschlauchdicken Fangarmen vor der Südinsel Neuseelands aus etwa 550 Meter Tiefe gezogen.


Der Fang paßt Clyde Roper bestens ins Konzept, weiß er doch nun, daß das Objekt seiner Neugier sich zu dieser Zeit in dieser Region aufhält. Der Biologe von der Washingtoner Smithsonian Institution erforscht seit Jahren wie besessen den legendären Riesenkraken Architeuthis. Noch nie hat jemand das Tier in seinem natürlichen Lebensraum gesehen. Roper möchte der erste sein. "Wenn wir den Riesenkraken nur für ein paar Minuten in der Tiefe filmen könnten, dann wüßten wir so viel mehr über ihn", glaubt er. Bereits 1997 ist der Wissenschaftler im Kaikoura-Canyon, einem Tiefseegraben vor der Ostküste von Neuseelands Südinsel, mit einem kamerabestückten Tauchroboter auf Jagd nach dem verborgen lebenden Kopffüßer gewesen. Diesmal will er ihn mit "Deep Rover", einem kleinen, rundum verglasten Ein-Mann-U-Boot, aufzuspüren versuchen.


Jahrhundertelang hielten sich die Sagen von vielarmigen Monstern, die Segelschiffe angriffen und deren mächtige Tentakel bis an die Spitze der Masten reichten. 1857 wurde dann das vermeintliche Fabelwesen von Biologen anerkannt und beschrieben. Zoologisch korrekt zählt Architeuthis zu den Kalmaren. Im Unterschied zu den achtarmigen Oktopussen, den eigentlichen Kraken, besitzt die Riesenmolluske zehn Greifer - acht Fangarme und zwei noch längere Tentakel mit keulenförmigen Enden.


Alles, was wir bis heute über das größte Weichtier der Erde vermuten - wie es sich bewegt, wie es jagt, wie es sich fortpflanzt -, ist abgeleitet aus anatomischen Merkmalen. Diese stammen vor allem von jenen rund 200 Exemplaren, die Fischern in die Netze gegangen oder an Küsten kalter Meere gespült worden sind - besonders in Neuseeland, Neufundland und Norwegen.



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