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Besuch im Schweinestall

Zwei Jahre nach der Umstellung der ersten Flächen konnte Meyer seine erste Biomilch und seine ersten Bio-Schweine verkaufen. Den ganzen Betrieb, Ställe, Maschinen, Buchführung, die Lieferscheine, Rechnungen und Zertifikate sieht sich einmal im Jahr ein unabhängiger Prüfer an.


Biobauer aus Überzeugung: Jürgen Meyer (Foto von: Anneli Wilhelm/GEO.de)
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Biobauer aus Überzeugung: Jürgen Meyer

Wir besuchen den Schweinestall. Der liegt 300 Meter abseits in der Feldmark. "Letztes Jahr hat es bei den Schweinen gebrummt", sagt Meyer und meint damit die Erlöse. Da hatte er noch 480 Mastschweine gleichzeitig im Stall. Er kaufte sie mit einem Gewicht von 25 Kilo und verkaufte sie nach etwa drei Monaten mit 120 Kilo. So konnte er jedes Jahr 1000 Schweine verkaufen. Jetzt allerdings ist der Futterpreis zu hoch. Zurzeit sind nur etwa 100 Tiere im Stall, Sauen mit ihrem Nachwuchs, ein paar Eber und drei Ungarische Wollschweine.

Als wir den Stall betreten, recken einige Tiere neugierig ihren Kopf über die hüfthohe Stallwand in den Gang. Meyer tätschelt einigen von ihnen den Kopf. Mir fällt Nicole Thomsons Bemerkung ein. "Der Jürgen könnte das nicht, im Baumarkt arbeiten. Der muss im Stall sein, bei seinen Tieren."


In der ersten Box herrscht reges Treiben: Vier Muttertiere mit ihrem Nachwuchs, etwa 20 Ferkel, zwischen fünf und zehn Tage jung. Einige drängen sich zitternd unter zwei wärmenden Rotlichtlampen. Andere laufen quiekend durchs Stroh. In der konventionellen Schweinehaltung werden Muttertiere nach dem "Abferkeln" mit Metallstäben über Tage hinweg fixiert - weil die mächtigen Tiere ihre Brut zertrampeln oder erdrücken könnten. Ob Meyer keine Angst hat? "Am Anfang schon", sagt er. "Aber bisher ist alles gut gegangen." Die Tiere sind umsichtiger als erwartet.


Eine der Sauen liegt im Stroh, umgeben von ihren Ferkeln. Ihre Ohren bewegen sich, immer wenn wir sprechen. Oder nur wenn Meyer spricht? Schweine sollen ziemlich intelligent sein. Sieht Meyer das auch so? Woran erkennt er das? Er überlegt lange. "Die hören uns zu."


In einer anderen Box flitzen die Schweine erstaunlich flink durch die Gummiluke, die den Außenbereich vom Stall trennt. Rein und wieder raus. Und wieder rein. So viel Lust an der Bewegung traut man Schweinen gar nicht zu. Die Sonne kommt raus, im Stall wird es hell. Ob es ihm nicht schwerfalle, die Tiere zum Schlachter zu geben? Er überlegt wieder lange. Sagt dann, er habe gelernt, sich bei ihnen zu bedanken. Dafür, dass sie bei ihm waren. Seither seien die Tiere auch ruhiger beim Verladen.


Sind Meyers Schweine "glücklich"? Sicher ist nur, dass sie Glück haben: Fast alle Schweine, die in Deutschland geschlachtet werden, haben am Ende ihres kurzen Lebens kein Stroh und keinen Sonnenstrahl gesehen. 58 Millionen waren es im vergangenen Jahr.




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Kommentare zu "Gegen den Strom"

Julia B. | 01.07.2011 19:20

Dieser Bericht macht wirklich Hoffnung. Toll, dass es Menschen gibt, die bereit sind, auch etwas für ihre Ideale zu riskieren, egal was die anderen sagen!
Einfach Toll!
Wenn es nur mehr davon gäbe... Beitrag melden!

Karin Becker | 06.04.2011 21:58

Ich wünsche Ihnen viel Durchhaltevermögen und alles, alles Gute! Weiter so! Und ein dickes DANKE im Namen der Menschen und der Tiere!
Beitrag melden!

Marc H. | 04.04.2011 17:22

Klasse, dass es noch Bauern von dieser Sorte gibt! Ich hoffe ganz stark, dass die Achtung vor den Tieren und der gesamten Natur wieder zunehmen wird. Die industrielle und lebensverachtende Produktion von Fleisch und anderen Tierprodukten ist eindeutig der falsche Weg. Und es ist meiner Auffassung nach auch nicht notwendig, jeden Tag billiges Fleisch in Form von Schnitzel, Burger oder Döner zu essen. Warum nicht lieber etwas weniger Fleisch, dafür aber vom Bio-Metzger? Beitrag melden!

Klaus Prehn | 26.03.2011 17:59

Mensch Meyer kann man da nur sagen....
Toller Typ und ein echter Bauer. Ich kenne auch so einen, BioWilli genannt, hat genau so kommentiert gedacht und gehandelt wie Juergen Meyer. Ja, es gibt Sie noch diese Bauern, mit Respekt vor Natur und Kreatur. Alle Achtung,Respekt-Respeckt, und noch eines, Qualitaet setzt sich durch, auch in der Landwirtschaft.
Alles Gute und viel Erfolg aus Brasilien

Schlueter-Klaus m. Frau und Kollegen

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