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Wertschätzung ist wichtig

Dass Meyer anfing, anders über Tierhaltung und Landwirtschaft zu denken, fiel auf im Dorf. "Die haben schon gekuckt: Was macht er jetzt schon wieder? Allein für die Homöopathie wirst du ja belächelt", sagt er. Andere Wege zu gehen, mit Kräutertees und Globuli, war hier nicht erwünscht. "Das ist Cliquenwirtschaft, wie in jeder Branche. Aber das war mir egal", sagt Jürgen Meyer, ganz ruhig. Und so, wie er dasitzt, mit vor dem Bauch gefalteten Händen, schulterlangen rotblonden Haaren und leutseligem Blick, glaubt man es ihm sofort.


Weil die Kühe im Winter nicht auf der Weide grasen können, müssen sie sich mit dem Laufstall begnügen. Es gibt Schlimmeres: etwa Vollspaltenböden und Anbindehaltung (Foto von: Anneli Wilhelm/GEO.de)
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Weil die Kühe im Winter nicht auf der Weide grasen können, müssen sie sich mit dem Laufstall begnügen. Es gibt Schlimmeres: etwa Vollspaltenböden und Anbindehaltung

Der intensive Umgang mit den Tieren brachte Meyer auf die Frage, was in ihnen vorgeht. Wie sie wahrnehmen und empfinden. Er verstand, "dass die Schweine schon mitbekommen, wenn sie zum Schlachter gehen". Der gute Umgang mit den Tieren war dann nur noch eine logische Konsequenz, die Entscheidung für "bio" folgerichtig. "Wertschätzung" ist ein Begriff, der an diesem Nachmittag noch öfter fällt. Dabei geht es Jürgen Meyer und seiner Lebensgefährtin nicht nur um die Wertschätzung der Tiere. Es geht auch um die Wertschätzung der Pflanzen, des Ackerbodens, der Endprodukte, der Arbeitskraft.


Und noch etwas gab den Ausschlag. "Als ich 2007 anfing, ging das Höfesterben hier in der Gegend richtig los." Wachsen oder weichen war damals wie heute das Motto. Aber im industriellen Stil weitermachen, das wollte Meyer nicht. "Die haben hier, besonders im Kreis Diepholz, Ställe aus dem Boden gekloppt ohne Ende, da musst du von einem Ende bis zum anderen mit dem Fahrrad fahren. Mit Tausenden von Tieren drin." Um sich wirtschaftlich über Wasser zu halten, haben viele Bauern Biogasanlagen errichtet. Viele mussten aufgeben, fahren jetzt zum Beispiel Gabelstapler im Baumarkt in der Stadt, erzählt Nicole Thomson. Von sieben landwirtschaftlichen Betrieben im Dorf sind nur zwei übrig.


Bei Bauer Meyer dürfen Sauen und Ferkel nach der Geburt zusammenbleiben (Foto von: Anneli Wilhelm/GEO.de)
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Bei Bauer Meyer dürfen Sauen und Ferkel nach der Geburt zusammenbleiben

Meyer schloss sich dem Bio-Erzeugerverband Naturland an und ließ sich erst einmal eingehend beraten. Da mussten Prämien beantragt, Umbauten geplant werden. Die Richtlinien des zweitgrößten deutschen Bio-Erzeugerverbands sind streng. In vielen Punkten gehen sie über die EG-Bio-Verordnung weit hinaus.

Auf 110 Hektar Land muss Meyer nun mehr als die Hälfte des benötigten Tierfutters selbst anbauen. Auf 70 Hektar lässt er Futtergetreide wie Silomais, Erbsen, Leguminosen und Lupinen wachsen. Alles bio, versteht sich, ohne Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden und Dünger. Das Unkrautjäten übernimmt nun der Striegel, rein mechanisch, eine ausgeklappt zwölf Meter breite Maschine. Das restliche Futter kauft er hinzu - ebenfalls aus biologischer Erzeugung. Auf das tiefe Pflügen verzichtet Meyer ganz. Ist besser für den Boden.


Die verbleibenden 40 Hektar sind Weideland. Bis zu 200 Tage im Jahr grasen die Kühe draußen, ohne dass zugefüttert wird. Die Zahl seiner Tiere richtet sich jetzt nach der Größe seiner Grünlandfläche. Denn im Sinne eines geschlossenen Stoffkreislaufs sollen die Tiere auf dem Hof nur so viel Gülle und Mist produzieren, wie Meyers Land aufnehmen kann.


Die Wintermonate verbringen die Kühe in einem geräumigen Laufstall. Denn gemäß den Richtlinien des Naturland-Verbandes müssen die Tiere ausreichend Platz haben, um "arteigenes Verhalten auszuleben". Was "ausreichend" ist, regeln die Naturland-Richtlinien genau, für jede Tierart und jede Altersstufe. Milchkühe etwa sollen im Stall mindestens sechs Quadratmeter Platz haben - pro Tier. Zweimal täglich streut Meyers Mitarbeiter Hendrik Bormann frisches Stroh ein, damit die Tiere nicht im eigenen Dreck stehen oder liegen.




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Kommentare zu "Gegen den Strom"

Julia B. | 01.07.2011 19:20

Dieser Bericht macht wirklich Hoffnung. Toll, dass es Menschen gibt, die bereit sind, auch etwas für ihre Ideale zu riskieren, egal was die anderen sagen!
Einfach Toll!
Wenn es nur mehr davon gäbe... Beitrag melden!

Karin Becker | 06.04.2011 21:58

Ich wünsche Ihnen viel Durchhaltevermögen und alles, alles Gute! Weiter so! Und ein dickes DANKE im Namen der Menschen und der Tiere!
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Marc H. | 04.04.2011 17:22

Klasse, dass es noch Bauern von dieser Sorte gibt! Ich hoffe ganz stark, dass die Achtung vor den Tieren und der gesamten Natur wieder zunehmen wird. Die industrielle und lebensverachtende Produktion von Fleisch und anderen Tierprodukten ist eindeutig der falsche Weg. Und es ist meiner Auffassung nach auch nicht notwendig, jeden Tag billiges Fleisch in Form von Schnitzel, Burger oder Döner zu essen. Warum nicht lieber etwas weniger Fleisch, dafür aber vom Bio-Metzger? Beitrag melden!

Klaus Prehn | 26.03.2011 17:59

Mensch Meyer kann man da nur sagen....
Toller Typ und ein echter Bauer. Ich kenne auch so einen, BioWilli genannt, hat genau so kommentiert gedacht und gehandelt wie Juergen Meyer. Ja, es gibt Sie noch diese Bauern, mit Respekt vor Natur und Kreatur. Alle Achtung,Respekt-Respeckt, und noch eines, Qualitaet setzt sich durch, auch in der Landwirtschaft.
Alles Gute und viel Erfolg aus Brasilien

Schlueter-Klaus m. Frau und Kollegen

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