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Fotoshow: Kängurus
Nichts am Känguru ist gewöhnlich. Und kein anderes Tier seiner Größe bewegt sich derart elegant im Schlusssprung fort. Fotograf Thorsten Milse rückte den Hüpfern und ihrem Nachwuchs in Australien mit der Kamera auf den muskulösen Leib
Einzigartige Hüpfer
"Kangooroo" - mit diesem Wort der Einheimischen verbindet sich bis heute eine biologische Merkwürdigkeit, die immer noch die Beobachter verblüfft - das Hüpfen. Kein anderes Tier von mehr als fünf Kilo Gewicht bewegt sich per Weitsprung fort. Der mächtigste Vertreter der rund 60 Arten zählenden Familie, das mannshohe Rote Riesenkänguru, kann es dabei immerhin auf über 50 Kilometer pro Stunde bringen und mit einem Satz gut zwölf Meter überbrücken. Aber die eigentümliche Gangart der Macropodidae, der "Großfüße", ist nicht nur rasant und von geschmeidiger Anmut. Sie ist vor allem sparsam. "Bei jeder Landung nehmen die Kängurus Energie in den Sehnen ihrer Beine auf und nutzen sie für den nächsten Sprung", sagt Craig McGowan von der University of Texas in Austin, der das Zusammenspiel von Bändern, Muskeln, Knochen, Gelenken, Knorpeln und Sehnen in den "Roos" untersucht.
Energiespar-Weltmeister
Die Sehnen sind im Verhältnis zu denen der meisten anderen Wirbeltiere äußerst dünn und arbeiten wie besonders effektive Federn, die bis zu 96 Prozent der Energie für den nächsten Hüpfer aufnehmen. Als Wissenschaftler einige der Beuteltiere auf ein Förderband stellten und ihnen eine Atemmaske überstülpten, offenbarte sich Sensationelles. Wenn das Känguru auf dem Band beschleunigte, sank der Sauerstoffverbrauch zunächst geringfügig. Ab einem gewissen Tempo blieb er für lange Zeit konstant. Bei Vierbeinern steigt der Konsum dagegen kontinuierlich an. Der gleichbleibende Bedarf an Sauerstoff bei Kängurus bedeutet: Ihr Energiehunger ändert sich nicht, auch wenn sie schneller werden - die Forscher waren auf ein einzigartiges Konzept gestoßen.
Zu diesem trägt vermutlich auch der ungewöhnliche Bewegungsablauf bei. Denn jeder Aufprall auf dem Boden presst die Beine fast wie ein Klappmesser zusammen. So werden deren elastische Sehnen auf eine enorme Länge gedehnt und können überreichlich Energie speichern. Inzwischen kann McGowan die Erkenntnisse aus seinen Experimenten sogar auf Menschen übertragen: auf jene, die mit modernen Beinprothesen aus Kohlefaser leben. Solche Fortsätze schwingen wie eine Feder und wirken ähnlich wie die hochspezialisierten Sehnen in den Hinterbeinen der Hopser.

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100 Meter in elf Sekunden
"Wie sich die Prothesen verbessern lassen und wie Menschen am besten damit laufen, lernen wir von den Kängurus", sagt McGowan, der auch die Sprints des südafrikanischen Olympiateilnehmers Oscar Pistorius analysiert hat. Dessen Beine sind unterhalb der Knie amputiert - dennoch legt er die 100 Meter in knapp elf Sekunden zurück. Per Computermodell will der Forscher demnächst noch tiefer in die Komplexität des Hüpfens vordringen. Denn die Simulation soll nicht nur sämtliche Vorgänge im Bewegungsapparat darstellen. Sie soll ihm auch zeigen, an welchen Stellen er in Zukunft seine Messgeräte injizieren muss, um noch präzisere Daten zu gewinnen. "Je mehr wir von dem wissen, was in den Gliedmaßen geschieht, desto besser können wir auch Fossilien analysieren", sagt McGowan, "denn die Art der Bewegung formt die Knochen - und ihr Design verrät, wie und warum Kängurus zu Hüpfern wurden."

Buchtipp
Torsten Milse
Tierkinder der Wildnis
Text von Uta Henschel
Bucher Verlag, München
29,95 Euro
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