Hauptspalte:
Tiere fragen - Dr. Tatjana antwortet
Das Liebesleben der Tiere ist reich an Rekorden und Monstrositäten. Und deshalb brauchen sie gelegentlich Rat. Und den bekommen Sie auch - von der britischen Evolutionsbiologin Dr. Olivia Judson alias "Dr. Tatjana"
Sexmüde in der Serengeti
Liebe Dr. Tatjana,
Wenn meine Löwin brünstig ist, will sie vier oder fünf Tage und Nächte alle halbe Stunde nur das eine: Sex. Ich bin völlig geschafft. Aber sie soll es nicht merken. Können Sie mir irgendetwas Leistungssteigerndes empfehlen?
Sie sollten sich schämen. Ein großer, starker Löwe wie Sie müsste einmal im Jahr doch ohne solche Hilfsmittel auskommen. Unter Ihren Artgenossen soll es Kerle geben, die zwei Weibchen in 55 Stunden 157mal begattet haben. Und Ihre Freundin leidet unter ausgeprägter Sexsucht. Die Symptome treten nicht nur bei Löwinnen auf. Auch die Frauen von Wanderratten, Goldhamstern und Kaktusmäuschen brauchen viel sexuelle Zuwendung - nicht nur zur Steigerung der Lust, sondern um überhaupt empfangen zu können. Löwinnen gelten in dieser Beziehung als besonders anspruchsvoll. Fortpflanzungsexperten gehen davon aus, dass erst die sexuelle Stimulation den Eisprung auslöst und weniger als ein Prozent aller Kopulationen überhaupt zu einer Schwangerschaft führen. Aber auch das gesellschaftliche Umfeld spielt wahrscheinlich eine wichtige Rolle. Löwinnen leben im Familienverband. Zu diesem so genannten Rudel gehört gewöhnlich eine Gruppe von Männern, meistens Brüder. Sie sind die Väter sämtlicher Löwenbabys und beißen fremde Mähnenträger von "ihrem" Rudel weg. Vielleicht möchten die Frauen sich mit dem Virilitätstest davon überzeugen, dass die Beschützer im Vollbesitz ihrer Kräfte und damit in der Lage sind, das Rudel noch ein paar Jahre zu verteidigen.
Verschreckt in Gabun
Liebe Dr. Tatjana, mein Freund ist der hübscheste Bärenmaki, den ich je gesehen habe. Er riecht bezaubernd und hat die grazilsten Hände und Füße, die Sie sich vorstellen können. Nur eines befremdet mich an ihm: Können Sie mir erklären, warum sein Penis mit derart riesigen Stacheln besetzt ist?
Damit er Sie besser kitzeln kann, meine Liebe. Wenn Sie sich mal in seiner Verwandtschaft umsehen, werden Sie feststellen, dass Ihr Liebster kein Einzelfall ist: Galagos und viele andere Primaten dieser Gruppe besitzen monströse Penisse. Manche sehen aus wie mittelalterliche Folterinstrumente. Sie sind mit Stacheln, Höckern und Borsten gespickt, oft noch absonderlich verdreht. Sie müssen wissen, dass Penisse weit mehr Zwecken dienen als der Entwässerung oder Besamung. Ein Liebhaber, der es schafft, seine Partnerin so zu stimulieren, dass sie von seinen Spermien größere Mengen aufnimmt als von denen seiner Nebenbuhler, hinterlässt der Nachwelt mehr von seinem genetischen Erbe. Für Primaten und Insekten gilt als Faustregel, dass die Männer jener Arten, deren Frauen stets nur mit einem Partner Umgang haben, kleine, uninteressante Penisse besitzen. Werfen Sie doch mal einen Blick auf den Gorilla - ein Riesenkerl, mit einem winzigen Ding. Ein männlicher Gorilla kann mehr als 200 Kilo wiegen, aber sein Penis bringt es nur auf klägliche fünf Zentimeter Länge und weist keinen einzigen Höcker oder Stachel auf. Als Pascha eines Harems muss der Gorilla sich wenig sorgen über die Spermien irgendwelcher Rivalen. Daher nehme ich an, dass der Penis Ihres Gefährten so prachtvoll bestückt ist, weil Bärenmakifrauen gern mal fremd gehen. Doch ob Ihnen die Penisstacheln von der Evolution zur Lust oder zum Bürsten entwickelt wurden - finden Sie es doch einfach heraus!
Momentan sind zu dem Artikel "Tiere fragen - Dr. Tatjana antwortet" keine Kommentare vorhanden.
Mit der Abgabe eines Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.


























