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Zika-Virus: Insektengift verantwortlich für Fehlbildungen?

Noch ist unklar, ob das Zika-Virus die Fehlbildungen an brasilianischen Neugeborenen verursacht. Unterdessen warnen argentinische Ärzte und Wissenschaftler vor dem massiven Einsatz von Pestiziden in den betroffenen Regionen

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In der brasilianischen Landwirtschaft werden tonnenweise Pestizide versprüht. Nun auch im Kampf gegen Mücken, die Überträger des Zika-Virus? (Foto von: Santiago Nicolau / CC BY-SA 2.0)
In der brasilianischen Landwirtschaft werden tonnenweise Pestizide versprüht. Nun auch im Kampf gegen Mücken, die Überträger des Zika-Virus?

Seit Ende 2015 gehen anrührende Fotos um die Welt: Bilder von brasilianischen Neugeborenen mit zu kleinen Köpfen. Für das nationale Gesundheitsministerium war der Schuldige schnell gefunden: Das Zika-Virus sollte für die so genannte Mikrozephalie verantwortlich sein. Als Überträger kommen vor allem Mücken der Gattung Aedes in Betracht, die in Brasilien häufig sind.

Dass die Mücke das Virus überträgt, ist unstrittig. Doch ein Beweis für einen kausalen Zusammenhang von Infektion und Fehlbildung steht noch aus. Insgesamt gehen Mediziner 3852 Verdachtsfällen nach. Bei den bisher bestätigten 462 Fällen von Mikrozephalie konnte allerdings nur bei 17 Säuglingen eine Infektion mit dem Virus nachgewiesen werden.

Ist das Gegenmittel die Ursache?

Nun bringt REDUAS, eine Organisation argentinischer Ärzte, Wissenschaftler und Aktivisten, eine andere Theorie ins Spiel: Nicht das Virus, sondern ein Pestizid könnte die Deformationen ausgelöst haben. Im Verdacht haben sie ausgerechnet einen jener Wirkstoffe, die die Ausbreitung von Mücken verhindern sollen: Pyroproxyfen.

Das Gift wird unter dem Namen Sumilarv von einem japanischen Unternehmen produziert, das mit dem Agrokonzern Monsanto kooperiert. Im besonders betroffenen, armen Nordosten Brasiliens wird der Wirkstoff seit anderthalb Jahren eingesetzt - und sogar dem Trinkwasser beigemischt -, um die Ausbreitung von Aedes-Mücken zu verhindern.

Zika-Infektionen verliefen jahrelang unproblematisch

Auffällig ist nach der Darstellung von REDUAS, dass das Zika-Virus erst jetzt mit den Fehlbildungen in Zusammenhang gebracht wird. Denn den Erreger konnten Forscher schon 1952 in Afrika beim Menschen nachweisen. Bis zum Herbst 2015 haben sich, vor allem seit der Jahrtausendwende, Tausende Menschen in Afrika, Asien, Polynesien und in Lateinamerika mit dem Virus infiziert. In Französisch-Polynesien erkrankten rund 30.000 Einwohner - zehn Prozent der gesamten Bevölkerung - ohne, dass Fehlbildungen bei Föten bekannt geworden wären. Auch im Nachbarland Kolumbien gibt es bis heute zahlreiche Zika-Fälle - ohne Komplikationen.

Auf diesen Umstand hatte im Januar auch die brasilianische Ärztevereinigung ABRASCO hingewiesen. In einem offenen Brief an das Gesundheitsministerium warnte sie davor, in der Aedes-Mücke vorschnell den Schuldigen zu sehen.

Unterdessen setzt die brasilianische Regierung bei der Aktion "Zero Zika" - "Null Zika" 220.000 Soldaten ein. 50.000 von ihnen sollen in den kommenden Tagen und Wochen mit Insektiziden gegen die Mücken zu Felde ziehen. Und nach Medienberichten steht eine Flotte von 135 Sprühflugzeugen von privaten Unternehmen bereit, um großflächig Gift zu versprühen.

Der REDUAS-Bericht: Report from Physicians in the Crop-Sprayed Town regarding Dengue-Zika, microcephaly, and massive spraying with chemical poisons

Informationen zum Zika-Virus vom Robert-Koch-Institut: Zikavirus-Infektionen




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