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Umweltverschmutzung: Ein Meer von Plastikmüll

Eine Ausstellung in Hamburg zeigt, was die Wegwerfgesellschaft für die Ozeane bedeutet. Und für ihre Bewohner

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3/11 |
© Paulo Maurin/NOAA
Plastikmüll im zweitgrößten Meeres-Naturschutzgebiet der Welt, dem Papahnaumokukea Marine National Monument im Nordwesten Hawaiis
© Gavin Parson/Marine Photobank
Der ganz normale Badespaß: Plastikmüll in Griechenland
© Chris Pincetich/Marine Photobank
Hawaii: Weggeworfene Netze stellen eine große Gefahr für Haie und Meeressäuger dar
© Kanna Jones/Marine Photobank
Tückisch: Die meisten Tiere, wie diese Robbe, können sich nicht selbst aus Netzresten befreien - und verenden früher oder später
© Lindsey Hoshaw
Plastikmüll dient vielen kleineren Meeresbewohnern als Habitat
© NOAA/PIFSC
Plastikmüll zerfällt durch mechanische Einwirkungen in kleine Stücke - die nicht weniger schädlich sind
© Chris Jordan, Courtesy of Christophe Guye Galerie
Dieser Vogel verendete an Plastikteilen, die er für Nahrung gehalten hatte
© NOAA/PIFSC
Rund zehn Prozent des angeschwemmten Mülls an Stränden machen PET-Flaschen aus
© William Rodriguez Schepis, Instituto EcoFaxina/Marine Photobank
Brasilien: Abfallverschmutzung im Mündungsgebiet bei Santos São Paulo
© Verena Haltenberger
Vom Stand ins Museum: Der zentrale Müllberg der Ausstellung "Endstation Meer?"
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Jeder Strandurlauber kennt das: Zwischen Muscheln und Seegras liegt hier eine PET-Flasche, dort ein verblichenes Quietscheentchen. Dazwischen verstreut bunte Verpackungsreste. Ärgerlich. Unschön. Aber haben wir uns nicht an solche Anblicke gewöhnt? An den Stränden von Hawaii ebenso wie auf Fehmarn?

Christian Brändle wollte sich damit nicht abfinden. Der Direktor des Zürcher Museums für Gestaltung hatte einen Zeitungsartikel über die Müllstrudel in den Ozeanen gelesen und war alarmiert: 1997 war der Segler und studierte Chemiker Charles Moore auf einem Törn zwischen Hawaii und Los Angeles auf riesige Mengen treibenden Plastikmülls gestoßen - Flaschen, Deckel, Tüten, Kanister, nebst ihren teilweise mikroskopisch kleinen Zerfallsprodukten. Moore hatte den Westlichen Müllstrudel entdeckt, eine im Uhrzeigersinn kreisende Meeresströmung im westlichen Pazifik, in deren Zentrum sich der Plastikmüll aller Länder vereinigt. Ein Gebiet, so groß wie Mitteleuropa. Inzwischen haben Forscher und Umweltschützer vier weitere solcher "Garbage Patches" in den Weltmeeren identifiziert.


Ende des (Plastik-)Designs?

"Schlafen kann ich nach dieser Lektüre nicht mehr", schreibt Brändle in seinem Geleitwort. Er beschloss, dem Müll in den Ozeanen eine Ausstellung zu widmen. Ihr Thema: "Das Ende des Designs und was wir unseren Kindern hinterlassen werden". Das Ergebnis macht nun in Hamburg Station und wird danach noch im finnischen Tampere und im dänischen Kolding zu sehen sein. Das Zentrum der Ausstellung bildet ein Müllberg: Original-Plastikmüll von Stränden auf Hawaii, Bali, Sylt und Fehmarn. Surfclubs, Taucher- und Umweltorganisationen belieferten Brändle und sein Team mit Containern voller Müll-Exponate.

Rund um den imposanten Wohlstandsmüllhaufen erfährt der Besucher Wissenswertes und Erschreckendes über die Hinterlassenschaften des fossilen Zeitalters. Etwa, woher der Müll eigentlich kommt: Allein bei der schweizerischen Firma Trisa purzeln täglich mehr als eine Million Plastikzahnbürsten vom Band - von denen viele als Plastikmüll im Meer enden. Oder dass Sixpack-Ringe 400 Jahre brauchen, bis sie zersetzt sind. Eine Einwegwindel 450 Jahre. Eine Angelschnur immerhin 600. Dass Plastikmüll jährlich Millionen Meerestieren das Leben kostet. Eissturmvögel und Meeresschildkröten etwa halten Plastikteile und -tüten für Beute und verenden an den Resten im Magen. Andere Tiere verheddern sich in Netzresten oder Angelschnüren und ersticken.

Flüsse tragen den Müll ins Meer
Die Ausstellungsmacher weisen zu Recht darauf hin, dass die Müllproblematik nicht nur in Staaten mit einer Meeresküste ihren Ursprung hat. Schätzungen zufolge gelangen 80 Prozent des Mülls über Flüsse in die Ozeane. Und die Schweiz hat mit 120 Kilogramm einen Plastikkonsum, der fast ein Drittel über dem EU-Durchschnitt liegt.

Neben der schleichenden Vermüllung der Meere kommt es gelegentlich auch zu regelrechten Müll-Ausbrüchen. Zum Beispiel 2011 beim Tsunami an der Küste Japans. Auf einem Bildschirm zeigt eine Animation, wie der Plastikschrott, den die Flutwelle ins Meer riss, sich im Ozean fortbewegt. 2014 wird der Müll die nordamerikanische Küste erreichen. Um sich dann dem Westlichen Müllstrudel anzuschließen.

Der Besucher erfährt in der Ausstellung viel über Vorkommen, Gefahren, Chemie, Recycling von Kunststoffen. Nur eines bleibt ungeklärt: Was ist eigentlich so schwer daran, Plastikmüll zu vermeiden? Plastiktüten zum Beispiel. In vielen Ländern der Welt sind sie schon verboten. In Deutschland nicht.


Ausstellung
"Endstation Meer? Das Plastikmüll-Projekt"
Noch bis zum 31. März 2013
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Homepage: www.plasticgarbageproject.org




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Kommentare zu "Ein Meer von Plastikmüll"

Cypher | 23.02.2013 14:01

Der Plastikmüll in Ozeanen ist wirklich erschreckend! Nicht nur für die Tierwelt, auch für den Menschen könnte dies noch verheerende Folgen haben.
http://quaerereveritates.wordpress.com/2013/02/23/friendly-floatees/ Beitrag melden!

Brandes | 22.02.2013 09:40

In den 80er Jahren waren Schlagworte wie Dezentralisierung und Regionalisierung populär, ausgelöst von den Überlegungen des Physikers Fritjof Capra in "Wendezeit". Passiert ist genau das Gegenteil. Und daran tragen eben die Medien genauso viel Schuld wie die Politik und die Wirtschaft.

Und last, but not least, sind auch die 150 m hohen Windräder das Gegenteil von Umweltschutz. Abgesehen mal von dem Streß, den sie in der menschliche Psyche auslösen.

Fazit leider, Rendite geht vor Umweltschutz.
Beitrag melden!

Brandes | 22.02.2013 09:40

Die Zeitungen generieren 60 bis 70 Prozent ihrer Einnahmen aus Werbung. Was schon das grobe Mißverhältnis zwischen Theorie und Wirklichkeit zeigt.

Die Kosten für den Umweltschutz werden uns aufgezwungen. Am Beispiel Atomstrom, es fallen Mengen von Atommüll an, die endgelagert werden müssen. Diese Kosten trägt der Verbraucher über Steuerlasten, was heißt, daß mit der Stromrechnung der Strom eben noch lange nicht bezahlt worden ist.

Die Philosophie des Wirtschaftwachstums basiert auf der geplanten Obsoleszenz. Die müßte hinterfragt werden. Aber die Politik verweigert sich, im Gegenteil, sie weitet diese Strukturen aus mit der vermeintlich alternativlosen Globalisierung.

Jeder klammert sich an seinen Job, so auch der Journalist. Ändern sollen immer die anderen was. Man selber will unberührt bleiben.

Die Gesamthaltung ist falsch, die Gesellschaften müßten auf ein völlig neues Fundament gestellt werden. Und das geht nur, wenn der Konsumismus an seiner Wurzel hinterfragt wird.
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