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Umweltschutz: "Stuttgart 21" an der Donau

Ökologische oder wirtschaftliche Lösung? Um den Donauausbau bei Straubing ist ein erbitterter Streit entfacht. Umweltschützer werfen dem Staat zudem die rechtswidrige Vergabe von EU-Geldern in Millionenhöhe vor

Text von Fabian Kretschmer

Wo die Isar in die Donau mündet, bei Deggendorf in Bayern, befindet sich eines der kostbarsten Naturschutzgebiete Mitteleuropas: In den Isar-Auen leben 35 Fischarten, darunter etliche, die im gesamten Donauraum vom Aussterben bedroht sind. Aber auch seltene Vogelarten fühlen sich hier wohl. Das Weißsternige Blaukehlchen etwa hat in diesem Gebiet eines seiner bedeutendsten Vorkommen. Darüberhinaus wächst in den Auen eine einzigartige Mischung von Pflanzen aus dem Alpenraum- und der im Osten angrenzenden Tiefebene. Die Isarmündung kann jedoch nur deshalb so unbehelligt existieren, weil die niederbayerische Donau zwischen Straubing und Vilshofen noch frei fließt. Die Strecke ist der letzte Donauabschnitt in Deutschland, der ganz ohne Staustufen und Kanalwände auskommt.


Sensibles Ökosystem: die Auen an der Mündung der Isar in die Donau (Foto von: Helmut Reichelt)
© Helmut Reichelt
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Sensibles Ökosystem: die Auen an der Mündung der Isar in die Donau

Dass genau dieser Abschnitt nun für die Schifffahrt ausgebaut werden soll, steht schon lange fest. Die Pläne hierfür gehen noch auf Jahrzehnte alte Dokumente zurück. Nur über das Wie ist Streit ausgebrochen: Die rot-grüne Bundesregierung beschloss schon 2002, einen naturschonenden Flussausbau umzusetzen, der die Donau nach aktuellen Angaben an 185 Tagen im Jahr für Schiffe mit 2,50 Meter Tiefgang passierbar machen würde. Die sogenannte Variante A würde hauptsächlich vorhandene Buhnen und Leitwerke ergänzen, um die größere Wassertiefe zu erreichen.

Die bayerische Landesregierung verweigerte jedoch die Kooperation: Sie will die Variante C, die einen Staustufenbau vorsieht. Mit der Variante C könnte man die geforderte Abladetiefe an 290 Tagen im Jahr gewährleisten - würde jedoch aufgrund des Baus einer Staustufe und eines Schleusenkanals stärker in den ökologischen Lebensraum der Donau eingreifen und die Isar-Auen tiefgreifend verändern. Denn die Auen leben vom Wechsel des Wasserstands, der durch eine Stauung weitgehend nivelliert werden würde.

Um eine ausgewogene Entscheidung zwischen ökologischem Schaden und wirtschaftlichem Nutzen der möglichen Ausbauvarianten zu finden, wird momentan eine Untersuchung durchgeführt, wie es sie in Ausmaß und Gründlichkeit in Deutschland noch nicht gegeben hat. 33 Millionen kostet sie - die Hälfte stammt aus Fördermitteln der EU, rund elf Millionen vom Bund und der Rest vom Freistaat Bayern. Die Endergebnisse werden im ersten Quartal 2012 erwartet.



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Hochwasserproblematik in Passau

Eine paritätisch besetzte Monitoring-Gruppe bekommt regelmäßig die neuesten Forschungsergebnisse präsentiert. Für Dieter Scherf, im Landesvorstand des Bund Naturschutz in Bayern und Mitglied der Monitoring-Gruppe, wären die Folgen eines Staustufenbaus katastrophal: "Die Isarmündung, das größte und artenreichste Auengebiet, das wir hier überhaupt haben, würde überstaut werden. Die Lebensräume würden sich grundsätzlich verändern." Viele Pflanzenarten, allen voran die Weichholzauen und Silberweiden, würden aller Voraussicht nach durch Allerweltsarten ersetzt werden.

Der wirtschaftliche Gewinn rechtfertigt den Staustufenbau nach Scherfs Einschätzung nicht. Schließlich spiele die Wasserstraße als Verkehrsträger nur eine marginale Rolle - die Wasserstraße als ökologisches Rückgrat in einer hoch genutzten Landschaft dafür umso mehr: "In Flussräume Eingriffe zu wagen, ist ein reiner Anachronismus."



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Kommentare zu ""Stuttgart 21" an der Donau"

sushi-virus | 14.07.2012 09:44

Das möcht ich sehen, das Ökologismus Menschenleben fordert. Es gibt Zungen die behaupten, man könne die Erde nur schützen, wenn der Mensch verschwindet ;-) Umweltschutz ist nicht totalitär...er ist logisch. Beitrag melden!

Gärtner | 23.01.2012 10:56

Zum Beitrag von Robert: Den Naturschutz den wir bitter nötig haben, mit dem Nationalsozialismus gleichzusetzen ist so ziemlich das blödeste was ich seit langem gelesen habe. Und dann wird solcher Unsinn auch noch veröffentlicht. Beitrag melden!

Helmut S | 24.12.2011 01:57

Die Menschheit zerstört ihre Lebensgrundlage.
Mehr oder weniger Sinnlose Projekte dienen einer
Wachstumsideologie werden aber als Fortschritt
dargestellt. "Die Globalisierung des Tempowahns
... trägt zu einem erklecklichen Teil zur Vernichtung
von Lebensgrundlagen bei" steht im Buch von Winfried Wolf
Verkehr Umwlt Klima.
Wir gehen in eine Sackgasse des Raubbaus im Namen der
Kapitalvermehrung. Unser Lebensstil schafft die Probleme
für die Zukunft. Angetrieben von der Ausbeutung der Rohstoffe
und der Menschen. Selbst in der Schokolade steckt gefährliche
Kinderarbeit wenn sie nicht FAIRTRADE ist.
Um Irrsinn wie Stuttgart 21 als Öko Projekt zu propagieren
bedient sich die Politik der Kunst der Täuschung
wie in GEO Kompakt Nr. 25 Seite 138 beschrieben:
"Kein anderes Wesen vermag seine Artgenossen so
geschickt irrezuführen wie der Mensch
.... Der Hang zum Lügen wurzelt tief in
unserer Stammesgeschichte - und hat die
Evolution des Homo Sapiens entscheidend vorangetrieben" Beitrag melden!

Robert | 23.12.2011 10:44

Als viel größere Gefahr für das Leben in unseren KulturlandschaftsBreitengraden sehe ich inzwischen den aufziehenden Öko-Totalitarismus, wie er im Beitrag von "Jack" zum Ausdruck kommt: in diesem Land wurden schon mal Menschen aus dem Land gejagt und weggesperrt, damals mit der Begründung, dass sie sich angebelich am deutschen Volk oder Volkskörper vergangen und vergriffen hätten. Auch damals wurde der Totalitarismus damit begründet, dass man doch nur etwas Gutes will (damals für das Volk, heute für die Natur). Ich hoffe sehr, dass wir in diesem Land noch möglichst lange vor den totalitären Phantasien im Dienste einer höheren Sache - völlig egal welcher - verschont bleiben werden. Aber ich bin mir nicht sicher ob uns das gelingen wird: spätestens alle paar Generationen scheinen sich Irre einem neuen Betätigungsfeld zuzuwenden, nachdem Glauben mit dem Dreißigjährigen Krieg und Nationalismus mit dem 1. und 2. Weltkrieg in unseren Breitengraden durch sind jetzt offenbar dem "Ökologismus". Beitrag melden!

Opa Kolja | 22.12.2011 10:12

Abgesehen davon,dass eine unverantwortliche und unumkehrbare Naturzerstörung stattfände,wäre der Staustufenbau volkswirtschaftlicher Unsinn.Der damalige Bau des Rhein-Main-Donau-Kanals sollte als Warnung dienen,wie Steuergelder verschwendet wurden.Und ein künftig mögliches Absaufen der Stadt Passau,verbietet das Irrsinnsprojekt vollends. Beitrag melden!

Jack | 21.12.2011 19:47

Diese elende Geldgier. Solche Geldgierigen Sippen gehören aus dem Land gejagd oder gleich weggesperrt, damit sie sich nicht mehr an der Natur vergreifen und vergehen können. Beitrag melden!

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