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GEO.de Seite 3 von 5

Einsberg-Wald, 08.30 Uhr

Entspannt ist auch Sebastian Olschewski. Er ist Ornithologe und hat die erste Tour schon erledigt. "Seit dreiviertel vier bin ich mit dem Fahrrad im Gebiet unterwegs. Sechzig Arten bei diesem Wetter sind eine passable Ausbeute", resümiert er. Und? Was war dabei? "Dunkler Wasserläufer, Neuntöter und Gelbspötter", sagt er fröhlich, "um mal nur die Besonderen zu nennen."


Erst "foppen", dann saugen. Dr. Andreas Kleeberg sucht winzige Kurzflügelkäfer (Foto von: Steve Döschner/GEO)
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Erst "foppen", dann saugen. Dr. Andreas Kleeberg sucht winzige Kurzflügelkäfer

Samstag, 13. Juni, Einsberg-Wald, 08.30 Uhr

Der Knüppelbach gluckert und mäandert durch das schmale Tal. Er hat sich tief in das Gelände gegraben. Am Ufer raschelt Laub. Und irgendetwas "foppt" rhythmisch. Dumpfes Geräusch, Pause. Und wieder: Fopp, fopp, fopp. Dann eine Stimme: "Andreas, du musst mal dort hinten sieben." Dr. Andreas Kleeberg steht mit seinem Kollegen am Ufer. Er gibt Laub auf ein Sieb, unter dem ein ausladender Stoffsack hängt.
Beim Sieben entsteht das foppende Geräusch. Im Sack sammelt sich Erde, die an den Blättern klebt und in der sich die Objekte der Begierde verborgen haben müssten. "Wir suchen Staphylinidae, Kurzflügelkäfer", sagt Kleeberg und unterbricht das Sieben. "Kürzlich wurde unweit vom Wildtierland Quedius richteri, ein kleiner Kurzflügelkäfer, nachgewiesen. Es wäre toll, wenn wir beweisen könnten, dass er auch hier vorkommt." Wenn Kleeberg von einem "kleinen Käfer" spricht, dann ist das sehr sehr ernst gemeint. Er sucht nicht etwa Stecknadeln, sondern eher Stecknadelköpfe im Heuhaufen. "Seine" Käfer messen 1-4 Millimeter. Um sie zu finden, muss er das gesiebte Material - lehmige Erdkügelchen - aus dem Sack auf ein großes weißes Tuch streuen.


"Da rennt wieder einer", ruft Kleeberg und zückt einen transparenten Schlauch. Ein Ende in der Hand, das andere im Mund, peilt den Käfer an, saugt - und der Käfer verschwindet in einer Plastikflasche, die zwischen den beiden Schlauchenden liegt. "Je kleiner, desto besser", sagt Kleeberg grinsend und saugt einen weiteren Stecknadelkopf in seinen Sammelbehälter. Will sagen: Die etwas größeren Tiere findet jeder. Die Expertenehre erwirbt man sich mit den kaum sichtbaren Exemplaren.


Auf den Stamm gekommen: Marco Pechmann (li.) will die Artenliste mit Bockkäfern bestücken. Ihm auf den Fersen: Fotograf Florian Möllers (Foto von: Steve Döschner/GEO)
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Auf den Stamm gekommen: Marco Pechmann (li.) will die Artenliste mit Bockkäfern bestücken. Ihm auf den Fersen: Fotograf Florian Möllers

Samstag, 13. Juni, Einsberg-Wald, 9.15 Uhr

Unweit des "foppenden" und "saugenden" Dr. Kleeberg sitz Marco Pechmann auf dem baumstarken, heruntergebrochenen Ast einer uralten Eiche. Er untersucht die Stellen unter der Rinde, unter anderem auf der Suche nach Bockkäferlarven. Der Große Eichenbock, Cerambyx cerdo, ist ein Bewohner der toten Eichenstämme in den Hartholzauen. Er ist vom Aussterben bedroht und nach EU-Richtlinien streng geschützt.
Pechmann und seine Kollegen von der Uni Greifswald sind aber auch anderen Gliederfüßer-Präziosen auf der Spur. Um die Besonderheit eines Fundes sofort einschätzen zu können, haben sie Jens Kulbe dabei, den Erfahrensten unter ihnen, den sie nur respektvoll "Käfer-Karl" nennen. "Wenn Karl sagt, ein Fund ist selten, dann ist er wirklich selten - denn Karl hat in Mitteleuropa schon so ziemlich jeden Käfer gefunden", sagt Pechmann.


Samstag, 13. Juni, Fuchsberg, 09.45 Uhr

Auf dem Weg vom Einsberg-Wald zum Fuchsberg, einem eiszeitlichen Relikt, das in die Endmoränenlandschaft eingebettet ist, hat Dr. Ulf Schiefelbein einen Holzzaun ins Visier genommen. Er zückt ein Messer und schabt einen kleinen Spreißel ab. "Ich suche Flechten, Lebensgemeinschaften aus Algen und Pilzen" erklärt Schiefelbein über den Weidezaun gebeugt. Bewaffnet mit Lupe, Messer und Pinzette analysiert er akribisch die wettergezeichneten Holzlatten. "41 Arten habe ich seit sieben Uhr früh gefunden, eine gute Quote. Und es sind auch einige in Mecklenburg-Vorpommern gefährdete dabei."
Nach knapp drei Stunden, sagt Schiefelbein, habe er das Pflichtprogramm absolviert. Alle Flechten, die auf der Artenliste nachher nicht fehlen dürfen, hat er nun beisammen. Der Experte lacht: "Und jetzt kommt die Kür", sagt er fröhlich. Und macht sich wieder über seine Zaunlatten her.


Jürgen Patzer auf der Suche nach Heuschrecken im Wind (Foto von: Steve Döschner/GEO)
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Jürgen Patzer auf der Suche nach Heuschrecken im Wind

Samstag, 13. Juni, Fuchsberg, 10 Uhr

Nicht ganz so glücklich ist Jürgen Patzer. Er sucht Heuschrecken - und hat von den 43 nachweislich in Mecklenburg-Vorpommern vorkommenden Arten erst zwei gefunden. Es hüpft nicht viel an diesem Morgen. "Das sind heute die widrigsten Bedingungen, die man sich vorstellen kann. Stürmischer Wind und kalte Temperaturen machen mir einen Strich durch die Rechnung", klagt Patzer.


Wetter & Klima: Mecklenburg Vorpommern

Klimadaten im

 
  • 20,7 °C max/ 13 °C min
  • 67 mm
  • 14 Regentage
  • 45% Sonne

» Klima Mecklenburg Vorpommern





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