Hauptspalte:
Rosenthal, 04.30 Uhr
Nur das Wetter will nicht besser werden. Es regnet in Schauern und der Wind weht nach wie vor mit Windstärke 7 aus West. Die Falterexperten beschließen, dass sie ihre Lichtfallen in diesem Sturm gar nicht aufzustellen brauchen.
Samstag, 13. Juni, Rosenthal, 04.30 Uhr
Noch immer Novemberwetter. Der Wind ist ungebrochen stark, die Wolken ziehen schnell am dämmrigen Himmel und die Bäume rauschen im Westwind. "Wir haben uns kurz frisch gemacht und dann ging's gleich los mit unserem Bio-Lehrer", sagt Denny Bergmann. Er und seine beiden Schulkameraden belegen den Leistungskurs bei Gerhardt Michalik. Sie haben bereits die schriftliche Abiturprüfung geschrieben. Nun sind sie mit ihrem ambitionierten Lehrer zum GEO-Tag gekommen, um Vögel zu kartieren.
Im Wald bei Rosenthal wollen sie die Artenliste bestücken. Der Lehrer eilt voraus, seine Schüler schnellen Schrittes hinterher. Immer wieder bleibt die kleine Gruppe stehen, horcht und blickt in die windgepeitschten Baumkronen. "Da! Der Buchfink macht seinen sogenannten Regenruf", erklärt Michalik das monotone Pfeifen im Hintergrund. "Kein gutes Zeichen." Er runzelt die Stirn. "Wollen wir mal hoffen, dass der Buchfink sich irrt", scherzt der Lehrer. Die Jungs notieren den Vogel für die Artenliste und ziehen weiter, Ihr Mentor zupft unentwegt Blätter ab, reicht sie den Schülern: "Riecht mal. Und? Richtig, das riecht nach Knoblauch. Das ist nämlich die Knoblauchsrauke."
Wenn die Vögel schon kaum zu hören sind unter dem Wind, darf's ersatzweise auch eine Lehrstunde in Botanik sein. Martin Winter, einer der Schüler, kommt mit einem kleinen Frosch in der Hand zu seiner Gruppe. Kurze Diskussion, dann das Ergebnis: ein Moorfrosch, Rana arvalis. "Erkennt man an der spitzen Schnauze", schärft Michalik seinen Schülern ein und treibt sie weiter durchs Gehölz. Um 8.30 Uhr wollen sie zum Frühstücken im großen Zelt sein. Noch zweieinhalb Stunden. Genug Zeit, um vielleicht doch noch ein wenig Gezwitscher aufzuschnappen.
Samstag, 13. Juni, Festzelt , 07.30 Uhr
Aufbruchstimmung im Zelt. Karten liegen ausgebreitet auf den Tischen. Hobby-Biologen, Universitätsdozenten, Journalisten reden durcheinander. In der einen Hand die Artenliste, in der anderen die Kaffeetasse. Finger schnellen auf den Gebietskarten hin und her. Der Einsberg wird hoch gehandelt unter den Experten. Es ist eines der ältesten Waldstücke im Wildtierland, durchzogen vom Knüppelbach mit einem Erlen-Eschenbestand entlang des Bachlaufes. Die Forscher wissen: Der späte Laubausschlag der Esche lässt lange die Frühjahrssonne auf den Waldboden fallen. Bedingungen, die besondere Pflanzen- und Insektenarten versprechen.
"Die Landschaft ist abwechslungsreich, das verspricht viele Spinnenarten", hofft Dr. Christoph Muster aus Dresden. Einen großen Posten für die Artenliste will er an diesem Tag beisteuern. Ganz leicht, sagt er, werde es aber nicht: "Man muss sich das mal vorstellen", sagt er: "Ich bin heute der einzige Arachnologe im Feld, zuständig für über 1000 Spinnenarten." Assel-Experte Christian Schmidt nickt verständnisvoll. Er kann sich die Verantwortung für die sechzig Assel-Arten sogar noch mit einem zweiten Kollegen teilen.
Spinnenfreund Muster will keine Zeit verlieren. Immerhin weiß er, wo er suchen muss. "Der Wind lässt nicht nach, da ziehen die Spinnen sich in die unteren Grasschichten zurück." Auch in den andere Gruppen herrscht Aufbruchstimmung. Die Entscheidung, wer in welchem Gebiet kartiert, ist gefallen. Ein letzter Schluck Kaffee, Reißverschluss zu, Käscher einpacken, Kapuze überstreifen: Die Experten schwärmen aus. Das Zelt leert sich. Einzig die Fledermausgruppe frühstückt in aller Ruhe weiter. Ihre Arbeit ist längst getan, bis zwei Uhr morgens haben sie gearbeitet, erzählt Hinrich Matthes. Ergebnis: Vier Fledermäuse für die Artenliste.
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