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Wo die wilde Bohne wächst
In den Wäldern des Hochlandes von Äthiopien wächst Coffea arabica noch wild, in einzigartiger Vielfalt. Ein bedrohter botanischer Schatz, sagen Wissenschaftler. "GEO schützt den Regenwald e. V." hilft, die wilde Bohne und ihre Heimat zu erhalten. Zum Wohl der äthiopischen Kleinbauern - und des globalen Kaffee-Kränzchens
Wenn die Zeiger des Zifferblattes in der namenlosen Bar an der Hauptstraße von Bonga die Zwölf-Uhr-Mittags-Stellung erreichen, streunen die letzten Sonnenstrahlen durch die Gassen. In Wirklichkeit ist es sechs Uhr abends. Die Uhren in Äthiopien gehen eben anders als im Rest der Welt. Unter der Uhr sitzt Begene Gaibresaillassie, ein pensionierter Lehrer von 70 Jahren, und schlürft pechschwarzen "Bunna". So heißt das Getränk auf Amharisch, das blumig-würzig duftend und mit einer Prise Kardamom verfeinert aus der alten italienischen Espressomaschine auf dem Tresen rinnt.
Das beliebteste Getränk Äthiopiens - und der Welt
Ohne Bunna ist der Alltag in Äthiopien kaum vorstellbar. Denn das Land, das früher Abessinien hieß, ist die Heimat des Kaffees. "Die meisten Menschen glauben, der 'Trank der Muselmanen' komme aus dem Orient", sagt Begene. "Sogar die Wissenschaftler haben dem Baum, der die Kaffeebohnen trägt, den Namen Coffea arabica gegeben. Aber das ist ein Irrtum. Wer nach den Wurzeln des Kaffees sucht, muss zu uns nach Bonga kommen. Dorthin, wo einst die Könige von Kaffa residierten ..." Und klingt das nicht wie "Qahwa", "Kahwi" oder "Kawa", wie "Café", "Coffee" und "Kaffee"?
Nicht nur für Begene steht fest: Der Kaffee stammt aus Kaffa. Jeder in Bonga kennt die Legende, nach der sich das schwarze Getränk von dem Flecken Togola aus, keine zehn Kilometer von der Stadt entfernt, um die ganze Welt verbreitet hat. Tatsächlich kommen mittlerweile auch die Botaniker zu einem ähnlichen Ergebnis. Alle Spuren weisen in die Berge und Wälder im Südwesten Äthiopiens, wo auch Bonga liegt, die Hauptstadt der heutigen Provinz Kaffa. Hier wächst der Kaffee noch immer wild im Wald. In anderen Ländern gedeiht er nur in Kultur. Sämtliche rund zehn Milliarden Coffea-arabica-Sträucher - ob in Brasilien oder Kenya, Costa Rica oder Indonesien - sind Abkömmlinge von Wildpflanzen aus Äthiopien. Experten schätzen, dass all diese Sträucher von einer Hand voll Bäumchen abstammen, die einst aus dem abessinischen Bergregenwald entwendet wurden.
Grüne Vergangenheit
Nun ist Äthiopien ein Land, das als Synonym für Dürren und Hungerkatastrophen gilt. Kaum ein Mensch weiß, dass dort einmal ein Regenwald wuchs, der so groß war wie die ehemalige Bundesrepublik. Im Zentrum Äthiopiens, westlich und östlich des ostafrikanischen Grabenbruchs, ragen die Berge über 4000 Meter empor. Sie trotzen den vorbeiziehenden Wolken tropische Niederschläge ab, die auf fruchtbare vulkanische Böden regnen. Die berüchtigten Dürren gibt es nur in den steppenartigen Randgebieten des Landes.
Doch allein in den vergangenen 30 Jahren sind in Äthiopien 60 Prozent der Baumbestände verloren gegangen - abgefackelt und abgeholzt. Von den einst dichten Wäldern stehen wahrscheinlich keine drei Prozent mehr. Nur Relikte des ursprünglichen Reichtums existieren noch - darunter der Bonga Forest in der Kaffa-Provinz mit einer Fläche von 1600 Quadratkilometern. Um ihn zu retten, hat "GEO schützt den Regenwald e. V." ein Entwicklungsprojekt angeschoben, das den dort lebenden Menschen die Möglichkeit geben soll, ihre Umwelt zu bewahren.
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