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GEO Regenwaldverein e.V.


Entwicklung und Waldschutz auf Waigeo, West-Papua

Der Raja-Ampat-Archipel, eine der artenreichsten Meeresregionen weltweit, ist seit 2007 marines Schutzgebiet. Doch auch der Regenwald, der fast alle Inseln bedeckt, benötigt dringend Schutz.


Über die Region

West-Papua, ehemals Irian Jaya, ist derzeit eine Provinz der Republik Indonesien und umfasst die Westhälfte der Insel Neuguinea sowie die rund 600 vorgelagerten Inseln des Raja-Ampat-Archipels. Waigeo ist mit 125 km Länge und 55 km Breite die größte Insel dieses Archipels. Durch eine riesige Bucht, Mayalibit Bay, die nur über eine schmale Meerenge zugänglich ist, wird Waigeo in zwei Hälften geteilt.


Die rot angezeigte Straße verbindet derzeit nur Gemeinden im Süden von Waigeo. Die Gemeinden im Projektgebiet haben noch keine Straßenanbindung (Foto von: Sebastian Schmidt)
© Sebastian Schmidt
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Die rot angezeigte Straße verbindet derzeit nur Gemeinden im Süden von Waigeo. Die Gemeinden im Projektgebiet haben noch keine Straßenanbindung

Nur am Ufer der Bucht und auf einigen der kleinen Eilande in Mayalibit Bay siedeln Gemeinden – insgesamt 1667 Menschen. Den Rest des Inselinneren bedeckt dichter Regenwald, unzugänglich und daher größtenteils unberührt, mit einer erstaunlichen Artenvielfalt. Die Inselbewohner haben ihren traditionellen Lebensstil bis heute weitgehend bewahrt: Das Meer versorgt sie mit Fisch und Meeresfrüchten, der Wald mit Wildschweinen, Kakao, Kräutern, Früchten, Gewürzen, und mit Holz. In vielen Gemeinden gewinnen die Papua aus dem Mark der Sago-Palme ein Stärkemehl als Grundnahrungsmittel.

Die drei Projektdörfer – Waifoi, Kabilol und Warimak – umfassen 127 Haushalte mit insgesamt 668 Mitgliedern. Die Dörfer sind für das Vorhaben besonders geeignet, da ihre Bewohner, indigene Ma’ya, traditionelle Rechte an riesigen Primärregenwald-Flächen in Ost-Waigeo haben.


Mehr als 250.000 Hektar Regenwald sind in den beiden „Wildlife Reserves“ von Ost- und West-Waigeo offiziell unter Schutz gestellt. Dennoch droht der Wald durch illegalen Holzeinschlag und Erzabbau zu schwinden. Mehrmals jährlich fallen illegale Holzfällertrupps in den Wald ein, meist auf der Suche nach den seltenen und kostbaren Adlerholz-Bäumen, vor Ort Gaharu genannt. Wie Neuguinea sind auch etliche Inseln des Raja-Ampat-Archipels reich an Erzen. Immer wieder gibt es daher, auch in Mayalibit Bay, Versuche von Bergbau-Unternehmen, diese Erze zu schürfen. Auch die nationale Politik der „Transmigration“, die Ansiedlung von Migranten aus übervölkerten Regionen Indonesiens, bedroht den Walderhalt. Doch die größte Herausforderung lauert 2015: Dann nämlich soll Raja Ampat, derzeit ein Distrikt der Provinz West Papua, selbst Provinzstatus erhalten. Dies würde vermutlich bedeuten: Unzählige Infrastrukturmaßnahmen, wie der Bau einer Rundstraße, von Verwaltungsgebäuden und weiteren Siedlungen.


Kinder in Warimak spielen mit selbst gebastelten Autos aus Plastikflaschen (Foto von: Eva Danulat)
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Kinder in Warimak spielen mit selbst gebastelten Autos aus Plastikflaschen

Hintergrund des Projekts

In weiten Teilen Indonesiens sind die Regenwälder bereits unwiederbringlich verloren. Alleine zwischen 2000 und 2005 wurden landesweit jährlich fast 1,9 Millionen Hektar (Quelle: „State of the World’s Forests 2007“) zerstört. Vielerorts wird der indonesische Regenwald Opfer riesiger Palmölplantagen oder von Infrastrukturmaßnahmen. Auf der riesigen Insel Java etwa, verbleiben kaum 10.000 Hektar Regenwald.


Bewohner von Kabilol sehen sich fasziniert die Bilder der Reportage von Lars Abromeit und Tim Laman (Fotos) in GEO an (Foto von: Eva Danulat)
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Bewohner von Kabilol sehen sich fasziniert die Bilder der Reportage von Lars Abromeit und Tim Laman (Fotos) in GEO an

2007 recherchierte GEO-Reporter und Projektbeiratsmitglied Lars Abromeit wochenlang für zwei große Reportagen in Raja Ampat. Beeindruckt berichtete er nach seiner Reise dem Beirat von der Schönheit des Regenwaldes, der noch die meisten der Inseln des entlegenen Archipels bedeckt. Seine Berichte über die Bedrohung des Waldes, führte zu verstärkter Diskussion wie der Verein sein Engagement in dieser Region ausbauen könnte. Im Februar 2011 reiste die Geschäftsführerin von "GEO schützt den Regenwald e. V." schließlich nach West-Papua, um die Chancen eines Projekts zu bewerten und einen geeigneten Kooperationspartner zu identifizieren.


Dauer

August 2011 bis auf Weiteres


Ziel

Die Bewohner der Siedlungen Waifoi, Kabilol und Warimak in Mayalibit Bay, Waigeo, durch Bewusstseinsbildung, Bildungsmaßnahmen und Einkommen verbessernde Maßnahmen so zu stärken, dass sie die natürlichen Ressourcen nachhaltig nutzen, sich ihre Lebensbedingungen verbessern und sie dauerhaft für den Schutz von Land, Wald und Meer eintreten können.


Noch bedeckt dichter Regenwald den größten Teil der Insel Waigeo (Foto von: Eva Danulat)
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Noch bedeckt dichter Regenwald den größten Teil der Insel Waigeo

Aktivitäten

Bewusstseinsbildung und technische Arbeiten
Im Rahmen der monatlichen Besuche des Projektleiters finden Informations- und Diskussionsveranstaltungen statt. Zu den Themen gehören etwa: Die Auswirkungen von Bergbau und Holzeinschlag auf den traditionellen Lebensstil und die Gesundheit; die Folgen der geplanten Infrastrukturmaßnahmen; lokale Sicherheit; Menschenrechte. Weiterhin ist ein Workshop für das Gesamtgebiet Mayalibit Bay vorgesehen, an dem Vertreter von Bevölkerung, Kirche und Regierung, von lokalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen, sowie Experten und Parlamentarier teilnehmen. Überwachungsmaßnahmen durch die Einheimischen sollen sicherstellen, dass im Wald keine illegalen Aktivitäten durch Einheimische oder Fremde vorgenommen werden: Jeglichem Hinweis diesbezüglich soll nachgegangen werden und die Aktivitäten per GPS dokumentiert werden.

Förderung von kleinunternehmerischer Tätigkeit
Mithilfe dörflicher Informationsveranstaltungen wird der lokalen Bevölkerung das Mikro-kredit-System näher gebracht, die Voraussetzungen für die Vergabe eines solchen Kleinkredits und die genauen Abläufe. Nach einem Auswahlverfahren, erhalten die begünstigten Kreditnehmer entsprechende Trainings, Begleitung, Anleitung und Beratung.


Selten und kostbar: Diese Gaharu-Setzlinge warten darauf, gepflanzt zu werden (Foto von: Eva Danulat)
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Selten und kostbar: Diese Gaharu-Setzlinge warten darauf, gepflanzt zu werden
Ein 18-monatiger Gaharu-Baum aus dem Projekt (Foto von: Eva Danulat)
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Ein 18-monatiger Gaharu-Baum aus dem Projekt

Baumpflanzungen
Samen wertvoller einheimischer Arten, darunter insbesondere Gaharu (Adlerholzbaum, Aquilaria sp., aus der Familie der Seidelbastgewächse, Thymelaeaceae), sowie Matoa (Pometia sp., Familie Sapindaceae ) und andere einheimische Fruchtbäume werden in der Umgebung gesammelt. Nach der Aufzucht der Keimlinge werden die Setzlinge an Interessierte verteilt. Sie werden in Nähe der Haushalte – vor allem in Waldgärten – gepflanzt, wo sie unter der Obhut der Familien heranwachsen können.

Trainings und Weiterbildung
Maßnahmen wie die Vermittlung von Basiskenntnissen in Projektmanagement für Dorfräte und andere Gemeindemitglieder mit Schlüsselfunktionen in den Dörfern sind insbesondere in Zusammenhang mit der Kleinkreditvergabe vorgesehen. Zu den Trainingsmodulen gehören: Finanzmanagement, Arbeitsethik, Kommunikation, Zeitmanagement, Problemlösung, Selbstmotivation, Waldmonitoring und –Überwachung einschließlich der Einführung in die Benutzung von GPS.


Fortschritte

Trotz der zeitweise politisch angespannten Situation in der Region, macht das Projekt gute Fortschritte. Unsere Partnerorganisation Yayasan Nazaret Papua (YNP) stellte im August 2011 fünf Mitarbeiter ein, die der Projektleiter Yohanis Goram im Verlauf der ersten Wochen auf ihre Tätigkeiten vor Ort vorbereitete. Folgende Fortschritte wurden bei den verschiedenen Projektmaßnahmen erzielt:

Bewusstseinsbildung und technische Arbeiten
Es wurden seit Projektbeginn weder illegale Holzfälleraktivitäten registriert, noch Versuche, Bergbauaktivitäten zu initiieren. Die Bewohner von Waifoi und Warimak haben die (illegale) Jagd auf Vögel vollständig eingestellt; in Kabilol sind diese Aktivitäten rückläufig. Zwei der Projektmitarbeiter wurden in die GPS-Technik eingewiesen. Das vor Ort arbeitende Team wird sehr gut akzeptiert; die Bewohner der Projektdörfer beteiligen sich aktiv an den Informations- und Diskussionsveranstaltungen. Zunehmend sind sich die Einwohner der drei Dörfer über die Folgen des geplanten Baus einer „Rundstraße“ um Mayalibit Bay und die Einrichtung eines neuen Regierungssdistrikts („Kabupaten“ Nordost-Waigeo“), der mit umfangreichen Infrastrukturmaßnahmen einhergehen würde, bewusst.

Förderung von kleinunternehmerischer Tätigkeit
In den drei Projektdörfern stellte das Team von YNP das Mikrokreditsystem vor. Dieses wird zunehmend von der Bevölkerung angenommen. Die Menschen sind interessiert an Möglichkeiten Einkommen zu erwirtschaften, allerdings völlig unerfahren im Umgang mit Geld und in unternehmerischen Aktivitäten. Sie zögern daher meist, ein Mikrokreditangebot anzunehmen. Bislang konnten 17 Mikrokredite vergeben werden. Zu den geförderten Vorhaben zählen: Startkapital für Produktion und lokalen Handel mit Sago bzw. Gemüse, ein Verkaufskiosk, ein Longboat (für den lokalen Transport), eine Verkaufsstelle für Treibstoff. Bis Ende 2012 konnten 16 der Begünstigten die Kreditsummen bereits vollständig zurückzahlen.

Baumpflanzungen
Die Aufzucht und Pflanzung von Setzlingen wertvoller Baumarten nahe der Haushalte soll den Menschen mittelfristig die Möglichkeit geben, auf Basis dieser Bäume ein Einkommen zu erwirtschaften – ohne dass hierfür Bäume im Wald gefällt werden. Bislang wurden rund 3000 Gaharu- sowie 2000 Matoa-Setzlinge produziert. Mehr als 1000 der Gaharu-Setzlinge wurden alleine in sechs verschiedenen traditionellen "Waldgärten" in der Siedlung Waifoi gepflanzt, weitere in Kabilol und Warimak, sowie in anderen Dörfern von Mayalibit Bay. Die Begeisterung über die Baumpflanzungen ging so weit, dass im Bericht des Projektleiters zu lesen war: "Die Menschen von Mayalibit Bay werden vom Gaharu-Fieber geschüttelt!" Mittlerweile werden auch Limetten (Jeruk) und Guave (Jambu) gezogen. Weitere Obstbäume wie Mango sollen folgen, um die Diät der Einwohner zu verbessern.


 (Foto von: YNP)
© YNP
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Yohanis Goram, Leiter der lokalen Organisation Yayasan Nazaret Papua  (Foto von: Eva Danulat)
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Yohanis Goram, Leiter der lokalen Organisation Yayasan Nazaret Papua

Unsere Partner

Die Nichtregierungsorganisation „Yayasan Nazaret Papua“, kurz YNP, mit Sitz in der Hafenstadt Sorong auf Neuguinea wurde 2004 gegründet. Der Gründer und Leiter von YNP, Yohanis Goram, stammt aus Mayalibit Bay; mit seinen Eltern und zahlreichen Geschwistern hat dort gelebt bis er 12 Jahre alt war. Yohanis Goram hat sich zum Ziel gesetzt, die phantastische Natur seiner Heimatinsel zu bewahren und deren Menschen zu helfen, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. YNP realisiert fortschreitend Aktivitäten in Mayalibit Bay. Der Projektleiter genießt allseits großen Respekt und hat viel relevante Berufserfahrung.


Mark Erdmann, Leiter der vor Ort im Meeresschutz tätigen Organisation „Conservation International“ hat zugesichert, dem Vorhaben unterstützend zur Seite zu stehen. Zu den Erfolgsaussichten des Projekts sagt er: „Sicher sieht die Situation nicht vielversprechend aus, doch immer wieder haben wir beobachten können, dass gezielte Überzeugungsarbeit scheinbar unvermeidliche Entwicklungen in West-Papua tatsächlich stoppen konnte. So unterstützten Yohanis Goram und Yayasan Nazaret Papua beispielsweise mit Erfolg die Auflehnung der Bevölkerung gegen den Abbau von Nickel in Raja Ampat – viele dieser Bergbaupläne wurden daraufhin fallen gelassen.“


 (Foto von: Bingo! Die Umweltlotterie )
© Bingo! Die Umweltlotterie
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Das Projekt erhielt eine finanzielle Zuwendung von der Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung (NUE) aus Erträgen der Lotterie Bingo! Die Umweltlotterie. Die 1999 gegründete NUE-Stiftung fördert Zukunftsprojekte im Sinne der Agenda 21 in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Letzte Aktualisierung: August 2014



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Ökotourismusveranstalter in West-Papua


Der belgische Vogelexperte Iwein Mauro kam im Jahr 2000 erstmals nach West-Papua und lebt nun gemeinsam mit seiner Frau Like in der Hafenstadt Sorong. Seit 2005 organisieren die beiden engagierten Naturschützer von hier aus Ökotourismus-Touren, speziell zur Vogelbeobachtung, in verschiedene Teile West-Papuas.

Link: http://www.ekonexion.com/biodiversity.html
und
http://www.bird-watching-papua-adventure-travel.com/



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Kommentare zu "Entwicklung und Waldschutz auf Waigeo, West-Papua"

GEO | 07.10.2013 14:23

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