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Entwicklung und Waldschutz auf Waigeo, West-Papua
Der Raja-Ampat-Archipel, eine der artenreichsten Meeresregionen weltweit, ist seit 2007 marines Schutzgebiet. Doch auch der Regenwald, der die Mehr- zahl der Inseln bedeckt, benötigt dringend Schutz und Hilfe.
Über die Region
West-Papua, ehemals Irian Jaya, ist derzeit eine Provinz der Republik Indonesien und umfasst die Westhälfte der Insel Neuguinea sowie die rund 1000 vorgelagerten Inseln des Raja-Ampat-Archipels. Waigeo ist mit 125 km Länge und 55 km Breite die größte Insel dieses Archipels. Durch eine riesige Bucht, Mayalibit Bay, die nur über eine schmale Meerenge zugänglich ist, wird die Insel in zwei Hälften geteilt.
Lediglich an den Ufern der Bucht und auf einigen der kleinen Eilande darin siedeln Gemeinden – insgesamt 1667 Menschen. Den Rest des Inselinneren bedeckt dichter Regenwald, unzugänglich und daher größtenteils unberührt, mit einer erstaunlichen Artenvielfalt. Die Inselbewohner haben ihren traditionellen Lebensstil bis heute weitgehend bewahrt: Das Meer versorgt sie mit Fisch und Meeresfrüchten, der Wald mit Wildschweinen, Kakao, Kräutern, Früchten, Gewürzen, und mit Holz. In vielen Gemeinden gewinnen die Papuas aus dem Mark der Sago-Palme ein Stärkemehl als Grundnahrungsmittel.
Die drei Projektdörfer – Waifoi, Kabilol und Warimak - umfassen 127 Haushalte mit insgesamt 668 Mitgliedern. Die Dörfer sind für das Vorhaben besonders geeignet, da ihre Bewohner, indigene Ma’ya, Besitzer riesiger Primärregenwald-Flächen in Ost-Waigeo sind.
Mehr als 250.000 Hektar Regenwald sind in den beiden „Wildlife Reserves“ von Ost- und West-Waigeo offiziell unter Schutz gestellt. Dennoch droht der Wald durch Erzabbau und illegalen Holzeinschlag zu schwinden. Mehrmals jährlich fallen illegale Holzfällertrupps in den Wald ein, meist auf der Suche nach den seltenen und kostbaren Adlerholz-Bäumen, vor Ort Gaharu genannt. Wie Neuguinea sind auch etliche Inseln des Raja-Ampat-Archipels reich an Erzen. Immer wieder gibt es daher, auch in Mayalibit Bay, Versuche von Bergbauunternehmen, diese Erze zu schürfen. Auch die nationale Politik der „Transmigration“, also die Ansiedlung von indonesischen Migranten aus übervölkerten Regionen des Landes, bedroht den Walderhalt. Doch die größte Herausforderung lauert 2015: Dann nämlich soll Raja Ampat, derzeit ein Distrikt der Provinz West Papua, Provinzstatus bekommen. Dies bedeutet: Unzählige Infrastruktur-Maßnahmen, wie der Bau einer Straße, von Verwaltungsgebäuden und weiteren Siedlungen.
Hintergrund
In weiten Teilen Indonesiens sind die Regenwälder bereits unwiederbringlich verloren. Alleine zwischen 2000 und 2005 wurden hier 1.084.000 Quadratkilometer (3,3 Prozent des Waldes) zerstört. Vielerorts wird der indonesische Regenwald Opfer riesiger Palmölplantagen oder von Infrastrukturmaßnahmen. Auf der riesigen indonesischen Insel Java etwa, verbleiben kaum 10.000 Hektar Regenwald.
2007 recherchierte GEO-Reporter und Projektbeiratsmitglied Lars Abromeit wochenlang für zwei große Reportagen in Raja Ampat. Beeindruckt berichtete er nach seiner Reise dem Beirat von der Schönheit des Regenwaldes, der noch viele der Inseln des entlegenen Archipels bedeckt. Seine Berichte über die Bedrohung des Waldes, führte zu verstärkter Diskussion wie der Verein sein Engagement in dieser Region ausbauen könnte. Im Frühjahr 2011 reiste die Geschäftsführerin von "GEO schützt den Regenwald e. V." nach West-Papua, um die Chancen eines Projekts zu bewerten und einen geeigneten Kooperationspartner zu identifizieren.
Dauer
2011 bis 2012 (Pilotprojekt)
Ziel
Die Bewohner der Insel Waigeo durch Bewusstseinsbildung, Bildungsmaßnahmen und Einkommen verbessernde Maßnahmen so zu stärken, dass sie die natürlichen Ressourcen nachhaltig nutzen, sich ihre Lebensbedingungen verbessern und sie dauerhaft für den Schutz von Land, Wald und Meer eintreten können.
Aktivitäten
Bewusstseinsbildung und technische Arbeiten
Im Rahmen von monatlichen Besuchen des Projektleiters finden Informations- und Diskussionsveranstaltungen statt. Zu den Themen gehören etwa: Die Auswirkungen von Bergbau und Holzeinschlag auf den traditionellen Lebensstil und die Gesundheit, geplante Infrastrukturmaßnahmen, lokale Sicherheit und Menschenrechte. Weiterhin ist ein Workshop für das Gesamtgebiet Mayalibit Bay vorgesehen, an dem Vertreter von Bevölkerung, Kirche und Regierung, von lokalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen, sowie Experten und Parlamentarier teilnehmen. Überwachungsmaßnahmen durch die Einheimischen sollen sicherstellen, dass im Wald keine illegalen Aktivitäten durch Einheimische oder Fremde vorgenommen werden: Jeglichem Hinweis diesbezüglich soll nachgegangen werden und die Aktivitäten per GPS dokumentiert werden.
Förderung von kleinunternehmerischer Tätigkeit
Mithilfe dörflicher Informationsveranstaltungen wird der lokalen Bevölkerung das Mikro-Kreditsystem näher gebracht, dessen Ablauf und das Vergabesystem. Nach einem Auswahlverfahren für die Kreditnehmer, erhalten die Begünstigten entsprechende Betreuung, Anleitung und Beratung.
Baumpflanzungen
Samen einheimischer Arten, darunter insbesondere Gaharu (Adlerholzbaum, Aquilaria sp.), sowie Matoa (Pometia pinnata) und andere einheimische Fruchtbäume werden in den umgebenden Wäldern gesammelt. Nach der Aufzucht der Keimlinge werden die Setzlinge in Nähe der Haushalte gepflanzt, wo sie unter der Obhut der Familien heranwachsen können.
Training und Weiterbildung
Maßnahmen wie Management-Training für Dorfräte und andere Gemeindemitglieder mit Schlüsselfunktionen in den Dörfern sind insbesondere in Zusammenhang mit der Kleinkreditvergabe vorgesehen. Zu den Trainingsmodulen gehören: Finanzmanagement, Arbeitsethik, Kommunikation, Zeitmanagement, Problemlösung, Selbstmotivation, Waldmonitoring und –Überwachung einschließlich der Einführung in die Benutzung von GPS.
Fortschritte
Trotz der zeitweise politisch angespannten Situation in der Region, macht das Projekt gute Fortschritte. Gleich zu Beginn stellte unsere Partnerorganisation Yayasan Nazaret Papua (YNP) fünf Mitarbeiter ein, die durch den Projektleiter Yohanis Goram im Verlauf mehrerer Wochen in ihre Tätigkeiten vor Ort eingearbeitet worden sind. Folgende Fortschritte wurden bei den verschiedenen Projektmaßnahmen erzielt:
Bewusstseinsbildung und technische Arbeiten
Das vor Ort arbeitende Team wird sehr gut akzeptiert und die Bewohner der Projektdörfer beteiligen sich aktiv an den Informations- und Diskussionsveranstaltungen. Zunehmend wehren sich die Einwohner der drei Dörfer gegen den geplanten Bau einer Straße und gegen die Etablierung eines neuen Distrikts (Nord-Waigeo), der mit umfangreichen Infrastrukturmaßnahmen einhergehen würde. Es werden keinerlei illegale Holzfälleraktivitäten oder Versuche, Bergbauaktivitäten zu initiieren, beobachtet. Die Bewohner von Waifoi und Warimak haben die (illegale) Jagd auf Vögel vollständig eingestellt; in Kabilol sind diese Aktivitäten rückläufig. Zwei Projektmitarbeiter wurden in die GPS-Technik eingewiesen.
Förderung von kleinunternehmerischer Tätigkeit
Das Mikrokreditsystem wurde vor Ort vorgestellt und wird - langsam, aber zunehmend - von der Bevölkerung angenommen. Die Menschen sind zwar interessiert, aber unerfahren in unternehmerischen Aktivitäten, und daher vorsichtig, ein Mikrokreditangebot anzunehmen. Bislang wurden fünf Mikrokredite vergeben.
Baumpflanzungen
Die Aufzucht und Pflanzung von Setzlingen wertvoller Baumarten nahe der Haushalte soll den Menschen die Möglichkeit geben, auf Basis dieser Bäume zukünftig ein Einkommen zu erwirtschaften. Bislang wurden 1500 Gaharu- sowie 2000 Matoa-Setzlinge produziert. Mehr als 1000 der Gaharu-Pflanzen sind bereits in sechs verschiedenen traditionellen "Gärten" des Dorfs Waifoi angepflanzt. Die Begeisterung hinsichtlich der Baumpflanzungen geht so weit, dass im Bericht des Projektleiters zu lesen ist: "Die Menschen von Mayalibit Bay werden vom Gaharu-Fieber geschüttelt."
Unsere Partner
Die Nichtregierungsorganisation „Yayasan Nazaret Papua“, kurz YNP, mit Sitz in der Hafenstadt Sorong auf Neuguinea wurde 2004 gegründet. Der Gründer und Leiter von YNP, Yohanis Goram, stammt aus Mayalibit Bay; mit seinen Eltern und zahlreichen Geschwistern hat dort gelebt bis er 12 Jahre alt war. Yohanis Goram hat sich zum Ziel gesetzt, die phantastische Natur seiner Heimatinsel zu bewahren und deren Menschen zu helfen, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. YNP realisiert fortschreitend Aktivitäten in Mayalibit Bay. Der Projektleiter genießt allseits großen Respekt und hat viel relevante Berufserfahrung.
Mark Erdmann, Leiter der vor Ort im Meeresschutz tätigen Organisation „Conservation International“ hat zugesichert, dem Vorhaben unterstützend zur Seite zu stehen. Zu den Erfolgsaussichten des Projekts sagt er: „Sicher sieht die Situation nicht vielversprechend aus, doch immer wieder haben wir beobachten können, dass gezielte Überzeugungsarbeit scheinbar unvermeidliche Entwicklungen in West-Papua tatsächlich stoppen konnte. So unterstützten Yohanis Goram und Yayasan Nazaret Papua beispielsweise mit Erfolg die Auflehnung der Bevölkerung gegen den Nickelabbau in Raja Ampat – viele dieser Bergbaupläne wurden daraufhin fallen gelassen.“
Das Projekt erhält finanzielle Unterstützung von der Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung (NUE) aus Erträgen der Lotterie Bingo! Die Umweltlotterie. Die 1999 gegründete NUE-Stiftung fördert Zukunftsprojekte im Sinne der Agenda 21 in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern.
Aktualisierung: 07.03.2012
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