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Rattenausrottung: Aktion Tod + Leben
"Team Rat" startet zum Luftangriff. Einsatzgebiet: die Insel Südgeorgien, einst wichtigstes Vogel-Biotop der Südhalbkugel. Ziel: die Vergiftung eingeschleppter Ratten, die über Millionen Seevögel herfallen. Besonderheit: der größte Feldzug dieser Art in der Geschichte. Frage: Kann der Mensch die Zeit zurückdrehen, kann er Natur in ihren Urzustand versetzen?
Für Mathematikstudenten wäre das eine schöne
Rechenaufgabe: Angenommen, eine schwangere
Wanderratte (Rattus norvegicus) überlebt auf
einer einsamen Insel. Nach 21 Tagen bekommt
sie acht Junge. Nach 84 Tagen beginnen diese, sich
mit ebenfalls je acht Jungen pro Wurf fortzupflanzen.
Sechsmal im Jahr. Auch ihre Mutter wird wieder trächtig.
Wie viele Nachkommen hinterlässt sie, wenn sie
nach 18 Monaten stirbt? - 25.408.
Für Tony Martin wäre das eine Katastrophe. Der britische Zoologe hat zwei Helikopter gekauft, 56 Tonnen Gift mischen lassen und 30.000 Liter Benzin nach Südgeorgien verschifft, um nichts anderes zu tun, als die Insel von Ratten zu befreien. Wie viele der Nager auf dem subantarktischen Eiland leben, weiß kein Mensch. 100.000? Eine Million? Auf jeden Fall aber genug, um eines der beeindruckendsten Vogelparadiese zu zerstören. Und genau das will Martin verhindern.
Ein prometheisches Unterfangen: Nie zuvor wurde versucht,
eine so große, so entlegene Insel von den die Vogelbrut fressenden
Räubern zu befreien. Der nächste Hafen liegt 1400 Kilometer
weiter westlich auf den Falklandinseln, und abgesehen
von ein paar Kreuzfahrtschiffen kommt nur einmal im Monat
ein staatliches Patrouillenschiff vorbei. Ein logistischer Albtraum
also, noch dazu in der stürmischsten Region der Erde.
Aber nur wenn möglichst keine einzige Ratte überlebt,
kann sich Südgeorgien in jene Insel zurückverwandeln, die
sie war, bevor der Mensch die aggressiven Nager einschleppte:
der Brutplatz für die größte Zahl an Seevögeln in der südlichen
Hemisphäre, vielleicht sogar auf der Welt.
1. März 2011, fünf Uhr früh. Die Königspinguine schlafen
noch. Den Kopf unter die Flügel gesteckt, stehen sie am Strand
vor der Forschungsstation des British Antarctic Survey. Jenseits
der Bucht erhebt sich eine Bergkette aus der Dämmerung. Bis
zu 3000 Meter ragen schneebedeckte Gipfel empor, Gletscher
zeichnen weiße Bänder in dunkles Geröll. Kein Baum, kein
Gebüsch
wurzelt hier, nur Gras säumt die Küste. Stumm ruht
das Meer, reglos stehen die Wolken am Himmel.
Flugwetter! 15 Jahre lang hat Tony Martin auf diesen Tag gewartet. Der Mann, der Südgeorgien in den kommenden Wochen radikal verändern will, ist klein, schmal, jungenhaft trotz seines grauen Bartes. 18 Monate zuvor hat ihn der South Georgia Heritage Trust zum Leiter der knapp acht Millionen Euro teuren Rattenausrottung ernannt. Und rückblickend erscheint es, als sei Martins ganzes Leben eine Vorbereitung darauf gewesen. Er ist Antarktisforscher, Experte für Meeressäuger, er kann Bagger und Gabelstapler fahren, Flugzeuge fliegen und andere Menschen begeistern. Um einen schwedischen Unternehmer zu überzeugen, die erste Projektphase zu finanzieren, brauchte er ganze 15 Minuten.
Martins elfköpfiges "Team Rat" verlässt den neonhellen
Speiseraum am King Edward Point: Neuseeländer, Australier,
Falkländer, Briten. Bereit zu einer Aktion der Superlative, in
einer Natur voller Superlative.
Bis zum Südpol ist es zwar von hier aus noch so weit wie
von Hamburg zum Nordpol, trotzdem ist Südgeorgien zu mehr
als der Hälfte von Eis und Schnee bedeckt: Die Insel liegt südlich
der Polarfront. Ihre Küsten umfließt der Antarktische Zirkumpolarstrom.
Wohl nirgendwo sind die Gewässer des Südpolarmeers
nährstoffreicher als hier. Nirgendwo beherbergen sie
eine größere Vielfalt an Meereslebewesen. Die weltgrößten
Vorkommen von Krill treiben an Südgeorgien vorbei. Die
wenige
Zentimeter kleinen Krebse sind Grundnahrungsmittel
für Wale, Robben und Seevögel - und zwar in Millionenstärke.
Und von diesen brauchen die meisten irgendwann eisfreies
Land für die Brut. Und das bietet Südgeorgien, diese ostwärts
gewanderte Verlängerung der Anden: die größte Landmasse
weit und breit.

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Kommentare zu "Aktion Tod + Leben"
Der Mensch war, ist, und wird nie in der Lage sein einen Ursprungszustand wieder herzustellen. Dies, weil es in der Sache der Materie liegt, sich einmal in einen Urzustand befunden zu haben. Eine Rückkehr gab es bis heute nicht. Natur eben. Es liegt in der Natur des Menschen Lebensumstände zu schaffen die ihm genehm sind. Warum auch nicht!? Es geht nun mal immer weiter. Wir (Menschen) können lediglich anstreben, so umweltgerecht als möglich unser Dasein zu zubringen und mit der notwendigen Sorgfaltspfllicht mit Resourcen umzugehen. Mit der Anzahl heute lebender Menschen auf dem Globus, haben wir den Status Schädling im natürlichen Umfeld zu sein bereits überschritten.
Erinnert mich irgendwie an die Menschheit, die auch Lebensräume vernichtet, abholzt und sogar die Atmosphäre nicht verschont.