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Klimaschutz im Moor

Im Großen Moor bei Gifhorn untersuchen Braunschweiger Forscher den "Atem" einer ehemaligen Sumpflandschaft. Schon heute steht fest: Trockengelegte Moore verursachen in Deutschland ebenso viele Treibhausgas-Emissionen wie der Flugverkehr

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Eine weite Rasenfläche im Moor, am Horizont die leuchtend weißen Stämme von Birkenwäldchen. Der Boden ist noch gefroren, aber die Sonne ist jetzt, Ende Februar, stärker. Hier und da schmilzt schon der Raureif auf den Grashalmen. Darauf hat Katharina Leiber-Sauheitl nur gewartet. Die Doktorandin will wissen, wie viel der drei wichtigsten Klimagase, Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O) aus dem Boden entweichen. Sie studiert sozusagen den Atem der Erde. Besonders hat die Geoökologin es auf das Lachgas abgesehen, ein Gas, das 300-mal so klimaschädlich ist wie CO2. Entsteht an einem Tag wie diesem besonders viel davon?


Doktorandin Katharina Leiber-Sauheitl kontrolliert die Hauben, mit denen die Bodenemissionen gemessen werden (Foto von: Peter Carstens/GEO.de)
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Doktorandin Katharina Leiber-Sauheitl kontrolliert die Hauben, mit denen die Bodenemissionen gemessen werden

Für solche Fragen interessiert sich inzwischen nicht mehr nur eine kleine Gemeinde von forschenden Insidern. Sondern zunehmend auch die Politik. Nach Angaben des Bundesumweltamtes stammen fünf Prozent der gesamten Klimagas-Emissionen in Deutschland aus trockengelegten Mooren. Das ist die gleiche Menge, die der gesamte Flugverkehr über Deutschland freisetzt. "Der Klimaschutz verleiht dem Moorschutz neuen Schwung", sagt Bärbel Tiemeyer. Die Hydrologin vom Braunschweiger Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) leitet die Untersuchungen im Großen Moor bei Gifhorn.

An zehn weiteren Moor-Standorten in Deutschland forschen zeitgleich zehn Partner-Institute des vTI zum Thema "Organische Böden" - so der Name des Verbundprojekts. Mit den Ergebnissen aus dem Projekt hoffen die Forscher, besser vorhersagen zu können, wie viele Klimagase auf unterschiedlichen Bodentypen mit unterschiedlicher Nutzung entstehen - vom trockengelegten Moor bis hin zum intensiv genutzten Maisacker auf ehemaligen Moorflächen.


Torfmoose (Bildmitte) brauchen einen hohen Wasserstand im Boden (Foto von: Peter Carstens/GEO.de)
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Torfmoose (Bildmitte) brauchen einen hohen Wasserstand im Boden

Boden, der fast nur aus Wasser besteht

Verantwortlich für die Klimagas-Emissionen aus dem Moor sind Bakterien. Naturbelassene Moore bestehen zu 95 Prozent aus Wasser. Die verbleibenden fünf Prozent setzen sich aus Überresten von Pflanzen zusammen: Holz, Schilf, Gräsern und vor allem Torfmoos (Sphagnum). Der hohe Wasserstand im Boden verhindert, dass das Material verrottet wie auf einem Komposthaufen. Denn die Bakterien brauchen für ihr Zerstörungswerk den Sauerstoff der Luft. So wächst ein Moor über Jahrtausende - in jedem Jahr etwa einen Millimeter, sagt Bärbel Tiemeyer. Dabei speichert es Kohlenstoff, den die Pflanzen als CO2 der Luft entzogen und in Biomasse umgewandelt haben. Und zwar dauerhaft - so lange das Moor seinen natürlichen Wassergehalt beibehält. Oft sind die Jahrtausende alte Pflanzenreste noch in allen Einzelheiten erkennbar. Forscher schätzen, dass in den Mooren der Erde doppelt soviel Kohlenstoff gespeichert ist wie im Holz aller Wälder.

Das Problem beginnt, wenn ein Moor trockengelegt wird. Etwa, um es landwirtschaftlich zu nutzen. Dann gelangt Sauerstoff in den Boden, und die Bakterien zersetzen das organische Material. Dabei wird der gebundene Kohlenstoff in Form von CO2 wieder freigesetzt. Besonders problematisch: Hierzulande werden über 90 Prozent aller Moorflächen land- und forstwirtschaftlich genutzt - teilweise seit mehr als hundert Jahren.



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