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Knapp 400 Kinder gehen mit Wenzel Waschischeck und den Umweltpädagogen der Abenteuercamps jedes Jahr auf Erlebnisreise. Vor elf Jahren wurde der gemeinnützige Verein gegründet. "Wir verknüpfen Abenteuer mit Umweltbildung und versuchen, eine positive Einstellung zur Natur zu vermitteln", erklärt Wenzel Waschischeck, "aber ohne Dogma, sondern durch Spaß." Gerade für viele Stadtkinder sind diese Abenteuer der erste intensive Kontakt mit der Natur. An lila Kühe glaubt zwar keiner mehr, aber für viele sind Enten gelb. "Und viele sind total erstaunt, wie ruhig und grün ein Wald sein kann", erzählt der zweifache Familienvater, "am ersten Tag vermissen sie noch den Fernseher oder ihren Computer, doch schon am zweiten Tag sind sie weniger angespannt, sie entschleunigen." Fragt man Claudia Ortmann alias Blaue Feder, eine der Lehrerinnen aus Hanstedt, hat sie den gleichen Eindruck: "Kinder, die im Unterricht viel unruhiger sind, finden hier mehr zu sich selbst", sagt sie, "sie sind mehr geerdet, da sie im Camp nicht so unter Druck stehen und die Zeit völlig vergessen können."
Wenn es dunkel wird im Wald, es aber in den Zelten keinen Strom für Licht gibt. Wenn Wildschweine grunzen oder Igel fauchen. Wenn das Wild hustet oder der Fuchs heiser bellt – "dann begegnen die Kinder auch ihren Ängsten", weiß Wenzel Waschischeck, "sobald der Erste aber zugibt, Angst zu haben, merken viele, dass sie nicht alleine sind. Die Kinder reden sich dann vieles von der Seele, wofür im Alltag oft keine Zeit bleibt." Wenzel Waschischeck sagt: "Die Gemeinschaft, aber auch das Selbstvertrauen jedes einzelnen Kindes wird gestärkt. Wer nachts im Wald steht und sich zurechtfindet, wird das sein ganzes Leben nicht vergessen."
Wenzel Waschischeck ist schon vieles gewesen in seinem Leben - Tankwart, Marktverkäufer und Altenpfleger, Student, Bestatter und Agent in einem Call-Center. Vor sieben Jahren aber fand er etwas, "wo ich mich selber gefunden habe". Gemeinsam mit seinem Sohn Lesu besuchte er damals ein Camp, wo Väter mit ihren Söhnen einen Tag lang gemeinsam Abenteuer erleben. Eine der Aufgaben war es, sich gegenseitig die Natur zu zeigen. Er hatte die Augen verbunden und sein dreijähriger Sohn führte ihn durch einen fremden Wald. "Eine absolut neue und unglaublich wertvolle Erfahrung", ist Waschischeck heute noch begeistert, "ich habe gemerkt, wie sehr ich von meinem Sohn lernen kann." Für ihn war klar: Er musste mehr über diese Camps erfahren. Heute sieht er die Welt mit Kinderblicken. Seit drei Jahren leitet er die Abenteuercamps als Geschäftsführer. Und es gibt sie immer noch, "die magischen Momente", sagt er. Wenn er zum Beispiel mit 23 Kriegern auf Spurensuche durch den Wald schleicht und keiner ein Wort sagt. Oder wenn jedes Kind am letzten Tag noch einmal für zehn Minuten alleine unterwegs ist und sich manche von einzelnen Blumen oder Kräutern verabschieden, mit Bäumen sprechen und diese umarmen. "Und natürlich wenn wir das Abenteuer gemeinsam gemeistert und den Schatz gefunden haben, dann sind die Kinder richtig glücklich", erzählt Wenzel Waschischeck, "und dreckig."
Nach mehreren Tagen im Abenteuercamp braucht er immer noch etwas Zeit, um aus der Welt der Indianer in den Alltag zurückzukehren. Lange noch fährt er viel entspannter Auto, sagt er, da ihm alles so unglaublich schnell vorkommt. Oder die Kassiererin im Supermarkt erschrickt, da er sie mit einem stolzen "Howgh" begrüßt. Und manchmal, wenn er in dieser Welt gefragt wird, was er beruflich so macht, und er Umweltpädagoge oder Geschäftsführer sagen könnte, antwortet Wenzel Waschischeck viel lieber etwas anders. Die einen verstummen dann irritiert, weil sie denken, sie würden veräppelt. Die anderen schweigen erwartungsvoll, weil sie meinen, er mache einen Witz, und die Pointe komme gleich, wenn er sagt: "Ich bin Waschbär von Beruf."
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