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GEO Magazin Nr. 7/07 Seite 3 von 4

Zahl ausgestorbener Spezies wächst

Zahl ausgestorbener Spezies wächst

Neuentdeckungen von Arten sind heutzutage in der Vogelfauna eher selten - genauso wie bei Reptilien oder Säugern. Im Gegenteil: In diesen Tierklassen wächst die Zahl ausgestorbener Spezies. Um so erfreulicher war es da für Frahnerts Fachkollegen Frank Steinheimer, auch etwas zum Schutz der Vögel beitragen zu können: Mehrfach ist er im Auftrag der globalen Organisation BirdLife International in den Urwald der Grenzregion von Myanmar und China gereist. Er soll die dort vermuteten endemischen Vogelarten ausfindig machen, um Grenzen für ein Schutzgebiet festzulegen. Regelmässig in Tropenländern unterwegs ist auch Wolfram Mey, Kustos in der Sammlung für Schmetterlinge und Köcherfliegen, die in etwa 11.000 Glaskästen rund vier Millionen Falter beherbergt. Doch Mey seufzt. Allein die Pflege der "Staudinger-Sammlung", jener 132.000 exotischen Schmetterlinge und Raupen, die das Museum anno 1907 übernommen hat, würde ihn bis zur Rente voll auslasten.


Das "Berliner Exemplar" ist eines der besterhaltenen Fossilien des Urvogels <em>Archaeopteryx lithographica</em> (Foto von: Hans Hansen)
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Das "Berliner Exemplar" ist eines der besterhaltenen Fossilien des Urvogels Archaeopteryx lithographica

Feuchtigkeit bedroht die Schätze

Dann bedroht auch noch Feuchtigkeit Meys Schätze. "Ich warte nur darauf, dass Pilzsporen in die Kästen eindringen und Schimmel die Arbeit eines Jahrhunderts zerstört", fürchtet er. gaben." Unbehelligt bleibt Ansgar Greshake. Seine Sammlung, meint er, sei "himmlisch unkompliziert". Sie ist mit 4500 Stücken die kleinste des Hauses, passt in 16 schmale Schränke in seinem Büro und ist als einzige vollständig digital erfasst. Der Planetologe betreut Meteoriten: Festkörper außerirdischen Ursprungs, die auf die Erde gelangt sind. Greshakes vielleicht berühmtestes Exemplar ist ein 880 Gramm schwerer Eisenbrocken: Es ist ein Bruchstück des ersten Gesteins, das als "nicht von dieser Welt" erkannt wurde - und zwar von dem Wittenberger Gelehrten Ernst Chladni. Gefunden wurde der Meterorit 1749 an der höchsten Stelle des Schiefergebirges bei Krasnojarsk in Sibirien. Das Stück in Greshakes Hand ist ein Staatsgeschenk des Zaren Alexander I. an Preußens König Friedrich Wilhelm III. aus dem Jahr 1803. Chladnis Theorie zur außerirdischen Herkunft des Gesteins erschien 1794. Die Schrift wurde jahrelang von Fachkollegen belächelt, doch 1803 anerkannt - nachdem in Nordfrankreich vor den Augen zahlreicher Zeugen zwei- bis dreitausend Steinmeteorite auf die Erde gefallen waren.


Die Gerippe der größeren Maulwurfsnatter (<em>Pseudaspis cana</em>) und der Boa-Trugnatter (<em>Homalopsis buccata</em>) führen vor Augen, dass Schlangen das Bauprinzip der Wirbeltiere auf die Spitze treiben (Foto von: Hans Hansen)
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Die Gerippe der größeren Maulwurfsnatter (Pseudaspis cana) und der Boa-Trugnatter (Homalopsis buccata) führen vor Augen, dass Schlangen das Bauprinzip der Wirbeltiere auf die Spitze treiben

Kam das Leben mit einem Meteoriten vom Mars auf die Erde?

Greshakes Kollegen Cornelia Meyer und Jörg Fritz halten das für möglich. Bislang war lediglich bekannt, dass Mikroorganismen in Meteoriten lebensfeindliche kosmische Strahlung überstehen können. Doch überleben sie auch die extremen Temperaturen und den unvorstellbar hohen Druck eines Einschlags? Um dies erstmals durch ein Experiment zu klären, haben die beiden zu einem interdisziplinären Team gehörenden Wissenschaftler Bakterien, Bakteriensporen und Flechten in marsähnliches Gestein eingebracht und dieses in einem Spezialbunker mit einer Platte beschossen, wobei Drücke bis zu 500.000 Atmosphären entstanden. Das Ergebnis: Flechten und Bakteriensporen haben gute Überlebenschancen.


Weshalb gehen Spezies in einer sich wandelnden Umwelt zugrunde, weshalb passen andere sich an? Und wie lange dauern solche Prozesse? Derlei Fragen widmen sich die Museumswissenschaftler schon seit Charles Darwins Zeiten. Der kürzlich verstorbene, in Berlin promovierte Evolutionsbiologe und spätere Harvard-Professor Ernst Mayr erklärte seit den 1940er Jahren, vor allem die geographische Trennung treibe die Evolution neuer Spezies voran; die Bildung neuer Lebensformen vollziehe sich zudem nur allmählich. Gleich mehrere Biologen am Berliner Museum können heute jedoch Erkenntnisse vorweisen, die zeigen, dass Arten auch in unmittelbarer Nachbarschaft und in sehr kurzen Zeiträumen differenzieren können. Auf Hawaii etwa krochen Hannelore Hoch und ihr Doktorand Andreas Wessel in mehrere dunkle, 150 bis 250, in einem Fall sogar nur 25 Jahre alte Lavahöhlen, um dem Liebesgesang von Oliarus-Zikaden zu lauschen - oder zumindest dem, was die hochsensiblen Aufnahmegeräte der Forscher übertrugen. Denn erstaunlicherweise zirpten die Tiere in jeder Höhle anders. Männchen aus benachbarten Höhlen erkennen deshalb die Weibchen nicht mehr und umgekehrt, eine Paarung wird dadurch unmöglich. Damit war klar, dass sich in diesen Höhlen in kurzer Zeit unterschiedliche Arten gebildet haben müssen.


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Kommentare zu "Naturkundemuseum: Altes in neuem Licht"

Rosemarie | 29.08.2007 14:10

Ich bin Jahrgang 1934 und habe bis 1948 in Berlin gelebt.
Nach dem Krieg gab es für uns Kinder nicht viel Möglichkeiten der Freizeitbeschäftigung, vorallem nicht bei schlechtem Wetter. Da war ich sehr oft in dem einzigen heilgebliebenen Museum, in unserem heißgeliebten Naturkunde-Museum. Es war eine wundersame heile Welt in unserem so ganz kaputten Berlin. Vor 4 Jahren zeigte ich meinem inzwischen verstorbenen Mann, wo ich mir als Kind mein Fernweh hergeholt habe. Jetzt werde ich mir möglichst bald das hergerichtete Haus anschauen, ich freue mich darauf! Beitrag melden!

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