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Kritischer Konsum: Kann Einkaufen die Welt verbessern?
Bewusster essen, einkaufen, wohnen und reisen - darauf setzt die wachsende Gruppe der "strategischen Konsumenten". Um die Welt schrittweise besser zu machen. Kann das funktionieren?
Manchmal ist es ein tolles Gefühl, ein guter Konsument zu sein. Wenn man morgens, an parkenden Spritfressern vorbei, ins sparsam beheizte Büro radelt, wenn man dem Surren seines ökostrombetriebenen Kühlschranks lauscht, oder wenn man den Einkaufswagen im Supermarkt, vorbei an unfairem Kaffee und ungesundem Knabberzeug, demonstrativ in die Bio-Abteilung lenkt - im Bewusstsein, dass die nächste Kaufentscheidung dem Markt für Grünes und Faires wieder ein Stück Auftrieb geben wird.
Jeder gute Konsument kennt sie, diese Momente der Euphorie. Diese Gewissheit, auf der richtigen Seite zu stehen; Teil einer Mission zu sein, die sich auf klare Fakten stützt, auf Zahlen, an denen jeder Zweifel abprallt.
Unser Fußabdruck: Viel zu groß für einen Planeten
Sechs Hektar. So viel Fläche wird
gebraucht, im Durchschnitt, um jeden
einzelnen von rund 500 Millionen EU-Bürgern
pro Jahr mit Nahrung, Gütern
und Energie zu versorgen. Dabei werden
jährlich zehn Tonnen Kohlendioxid
pro Kopf ausgestoßen.
Mit unserem Ressourcenverbrauch
liegen wir Europäer an der Weltspitze;
nur US-Amerikaner und Chinesen übertreffen
uns. Würde jeder von derzeit 6,7
Milliarden Erdbewohnern so viel Fläche
beanspruchen und so viel Treibhausgas
ausstoßen – wir müssten mindestens
drei weitere Planeten in Reserve haben.
Damit die Erde langfristig ein für uns bewohnbarer
Ort bleibt, müssen wir unseren
"ökologischen Fußabdruck" um
etwa zwei Drittel verkleinern.
Mit Appellen an Einsicht und Umkehr
wird sich diese Geschichte nicht
lange aufhalten. Dass die wenig bewirken,
haben die vergangenen Jahrzehnte
zur Genüge gezeigt. Hier geht es vielmehr
um einen Ausweg aus unserem
persönlichen Umwelt- und Gerechtigkeitsdilemma;
manche sagen sogar: um
einen Königsweg in eine bessere Zukunft
für alle. Die Rede ist von "strategischem
Konsum". Er wird auch politischer,
ethischer, moralischer, grüner
oder einfach guter Konsum genannt.
Die erste Bezeichnung ist jedoch die
präziseste, denn sie stellt klar, dass es
bei aller Verschiedenheit der Motive
um ein gemeinsames Ziel geht: so zu leben,
zu wohnen, einzukaufen und sich
fortzubewegen, dass der Rest der Welt
darunter nicht zu leiden hat. Oder sogar
davon profitiert.
Die Idee ist nicht neu
Die Idee stammt aus den Gründerjahren der Umweltbewegung, aus der Zeit, als das Schlagwort von den "Grenzen des Wachstums" die Runde machte und im Umfeld von Kirchen und Universitäten die ersten Biound Dritte-Welt-Läden eröffneten. Die Kunden dieser Läden wurden anfangs belächelt. Kaum eine Geschichte über strategischen Konsum, die nicht das vertraute Klischee vom "Müsli" zitiert, vom Körnerfresser im kratzigen Grobstrickpulli, der seine Jutetasche mit Schrumpelmöhren und bitterem Solidaritätskaffee füllt. Darauf folgt stets der Hinweis, dass die neue Konsumentenbewegung, zum Glück, so ganz anders sei. Aber so anders ist sie gar nicht. Strategische Konsumenten erheben denselben Anspruch, für den die Öko-Aktivisten der ersten Stunde noch verspottet wurden: Sie wollen, allen Ernstes, die Welt retten. Allerdings, und das unterscheidet sie von den „Müslis“, gehen sie dabei pragmatisch vor. Sie versuchen, ihre politisch-moralischen Anliegen mit den Sachzwängen des Alltags zu vereinbaren – und mit ihren Vorstellungen von einem angenehmen Leben. Wer nicht einen von ihnen kennt, bemerkt sie kaum. Sie tragen ihr Anliegen nicht zur Schau.



Kommentare zu "Kritischer Konsum: Kann Einkaufen die Welt verbessern?"
Super Artikel! Genau hier wollen wir bei the-help.de ansetzen. Aufklären wie die größten Wirkungen erreicht werden können und andere dazu einladen mit zu helfen...www.the-help.de
Ein sehr guter und wichtiger Artikel. Ich bin auch fuer bewussten Konsum und halte mich auch jetzt schon daran- so gut es geht, z.B. kein Auto, wenig heizen etc. Ich bin allerdings sehr skeptsich bei Bio-Lebensmitteln- da gibt es soviel Missbrauch und Ettikettenschwindel. Wie soll ich mich darauf verlassen koennen, dass diese Produkte wirklich biologisch hergestellt sind und nicht nur so deklariert werden im Handel um mehr Umsatz zu machen wie es schon mehrfach aufgedeckt wurde? Fuer den Verbraucher gibt es hier einfach keine zuverlaessigen Informationen. Gaebe es mehr Kontrolle bei den Bio-Ettiketten wuerden sicher auch mehr Menschen teurere Bio-Produkte kaufen.
Ich habe diesen spannenden Artikel mit großem Interesse gelesen! nun habe ich einen Studiengang entdeckt, der sich genau mit diesen Belangen rund um den Verbraucher sowie mit Nachhaltigkeitsaspekten auseinandersetzt: European Master's Programme in Consumer Affairs. Dieses Programm wird ab dem kommenden Wintersemester mit anderen europäischen Unis angeboten und wird sicher helfen einen besseren Durchblick in Sachen Verbraucherschutz zu bekommen!
Endlich mal ein Artikel, der eines unserer größten Probleme und deren Lösungsmöglichkeiten anspricht Es ist definitiv an der Zeit, bewusst zu konsumieren. Ich tue dies schon seit längerem und nicht nur des guten Gewissens wegen. Wenn doch schon auf politischer Ebene aufgrund der im Artikel genannten Gründe allerhöchstens halbgare Kompromisse entstehen, die dazu meist parteipolitisch und im Sinne des kurzsichtigen Konsums und Wachstums sind, sollten wenigstens wir als Konsumenten weiterdenken und die Nachfrage am Markt beeinflussen. Es ist doch eigentlich absolut nachvollziehbar, das ein solch bewusstes Verhalten ein in diesem Sinne großes Machtpotential besitzt, denn wenn immer mehr Kosumenten immer bewusster konsumieren, wird auch das Angebot immer größer werden und die Anbieter und Produzierenden müssen sich umstellen, um wiederum marktfähig zu bleiben, was wiederum der Umwelt, der Gesellschaft und damit allen zugute kommt.