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Korallen: Achtung, zerbrechlich!

Das Great Barrier Reef vor der Ostküste Australiens ist ein Naturwunder ohnegleichen: die größte von Lebewesen geschaffene Struktur des Planeten. Hat diese Riffwelt eine Zukunft?

Text von Anke Sparmann

Der Reichtum des Riffs: Zwischen Fischschwärmen entfaltet eine rosafarbene Geweihkoralle ihre zarte Schönheit (Foto von: Jürgen Freund)
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Der Reichtum des Riffs: Zwischen Fischschwärmen entfaltet eine rosafarbene Geweihkoralle ihre zarte Schönheit

Eine Koralle ist eine Schimäre, ein Mischwesen aus Tier und winziger Alge. Gemeinhin führen die Gefährten eine lange, stabile Partnerschaft. Doch unter Stress, in Phasen anhaltender, großer Belastung, gerät die Beziehung aus den Fugen. Die Partner werden einander zum Feind. Das Tier stößt, wie im Fieber, die Alge ab - und geht dabei selbst zugrunde. Übrig bleibt ein fahles Kalkskelett. Korallenbleiche, so heißt diese Krankheit.

Wer an die Folgen des Klimawandels denkt, dem fallen schmelzende Eisberge ein, wachsende Wüsten. Aber womöglich lauert die größte Gefahr, die von steigenden Temperaturen ausgeht, nicht oberhalb des Meeresspiegels, sondern knapp darunter. Wie das Verstummen der Kanarienvögel, früher, bei Gasentwicklung in den Kohlegruben, so künde das Bleichen der Korallen von der nahen Katastrophe, sagen einige Forscher; sie prophezeien das Sterben des australischen Great Barrier Reef.


Komplexes Ökosystem: Schutzzonen und Wassereinzugsgebiete des Great Barrier Reefs (Foto von: GEO-Grafik)
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Komplexes Ökosystem: Schutzzonen und Wassereinzugsgebiete des Great Barrier Reefs

Was steht auf dem Spiel?

Um das große Ganze in Augenschein zu nehmen, müsste man von einem Satelliten aus auf die Nordostküste Australiens blicken. Parallel zu ihr zieht sich, auf einer Länge von 2300 Kilometern, die größte von lebenden Organismen geschaffene Struktur der Erde. Das Große Barriereriff nennt man sie. Aber in Wirklichkeit handelt es sich um viele Einzelriffe; 2900 sind es. Sie verteilen sich über eine Fläche von gut 350.000 Quadratkilometern, das entspricht der Größe Deutschlands.

Wer das Great Barrier Reef aus der Nähe betrachten will, muss weit hinaus aufs Meer. Die meisten der Riffe liegen mehr als 100 Kilometer vom Festland entfernt. Um etwa das Wheeler Reef zu erreichen, fährt man mit dem Motorboot drei Stunden durch tiefblaue See. Dann taucht am Horizont eine zitternde, weiße Linie auf. Ein Wellenkamm. Hier brechen sich die Wogen des Südpazifiks am 1,9 Quadratkilometer großen Riff.

Es gibt großartige Fotos von Riffen, von wuchernden Korallen und schillernden Fischschulen. Doch keines bereitet einen auf die Wirklichkeit vor. Sie ist ein Schock. Denn so berauschend die Farben, die Formen eines Riffs auf Bildern auch sind: Überwältigend wirkt es in seiner Dreidimensionalität. Ein Korallenriff ist eine Landschaft mit Hügeln, Ebenen, Schneisen und Höhlen.

Eine verwunschene Welt
An den Hängen recken sich Hirschgeweihe hervor, Fächer schwingen, in der sandigen Ebene liegen Seegurken. Ein Schwarzspitzen-Riffhai wedelt von dannen, Schildkröten glupschen einen an, Fische, von Schleiern umgarnt wie Märchenfeen, schweben vorüber. Man muss nicht tauchen können, um sie zu erleben. Das Wasser rund ums Wheeler Reef ist glasklar. Die Sicht beim Schnorcheln beträgt 15, vielleicht 20 Meter.


Nicht ein Partikel, der sie verschleierte. Wegen seiner Nährstoffarmut vergleichen Forscher das Meer in diesen Breitengraden mit einer Wüste. Und inmitten der Ödnis vielfältiges Leben: Riffe bedecken zwar nur einen Bruch- teil der ozeanischen Böden, etwa 0,1 bis 0,5 Prozent. Aber sie beherbergen ein Drittel aller Fischarten. Keine Nährstoffe, viel Biomasse: Wie die Fülle entsteht, ist weitgehend ungeklärt. Dieser Reichtum hängt vermutlich aber von einer Beziehung ab, die ein Tier und eine mikroskopisch kleine Alge miteinander eingehen. Eine Zweckehe, zu der die ungleichen Partner die Nährstoffarmut drängt.

Korallen sind Tiere
Ein Korallentier muss man sich wie eine tentakelbewehrte Qualle vorstellen. Doch im Gegensatz zu einer Qualle kann es sich nicht frei bewegen, es hängt am Riff fest. Nahrung schwimmt dort nicht in genügender Menge vorbei. Deshalb lagert das Korallentier im Alter von wenigen Wochen Mikroalgen ein, sogenannte Zooxanthellen. Diese Einzeller gehören zur Gruppe der Dinoflagellaten, wie Pflanzen können sie Fotosynthese betreiben. Die Zooxanthellen beginnen nun mithilfe von Sonnenenergie, Zucker herzustellen.

Einen großen Teil davon führen sie an das Korallentier ab, so kann es wachsen. Annähernd 600 Korallenarten existieren am Great Barrier Reef. Grob unterscheidet man zwischen Weich- und Steinkorallen. Letztere sind die Riffbildner. Sterben sie, bildet ihr aus Kalk bestehendes Skelett die neue Oberfläche. Darauf siedeln dann junge Korallentiere. So wächst, Generation um Generation, ein Riff. Jahrzehntelang dauert der Lebenszyklus der meisten Steinkorallen. Normalerweise.




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