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Megathema Klimawandel

Warum der Klimawandel auf die Agenda gehört

Also setzte er das Thema, alarmiert vom zweiten Bericht des Weltklimarats IPCC aus dem Jahr 2007, als eines von drei Leitthemen auf die IBA-Agenda. "Nicht unbedingt zur Begeisterung der Politik", wie er sich erinnert. Die Stadtväter trieb die Sorge um, dass sich das Gedenken an die 315 Hamburger Opfer der Sturmflut von 1962 mit den Prognosen der Klimaforscher zum Anstieg des Meeresspiegels vermengen könnte. Wilhelmsburg sei sicher, ließ man Hellweg wissen.


"Die Folgen des Klimawandels werden so stark sein, dass es von der Elbmündung bis hier eine kohärente Strategie geben muss", sagt Hellweg. So versucht die IBA, immerhin modellhaft aufzuzeigen, wie das gehen könnte, auf und mit dem Wasser zu bauen. Und nicht gegen das Wasser. Mit zusätzlichen Überflutungsflächen im Osten des Stadtteils, die verhindern sollen, dass der Hafen versandet, und die die Überschwemmungsgefahr bei Hochwasser verringern sollen. Mit "Waterhouses" samt schwimmenden Terrassen, die die Qualität des Lebens am Wasser unterstreichen sollen. Und nicht zuletzt mit dem Verwaltungsgebäude der IBA selbst. Der Komplex, der aufeinandergestapelten Containern ähnlich sieht, schwimmt im alten Zollhafen am Nordrand von Wilhelmsburg, nur durch eine Gangway mit dem Ufer verbunden.


Auf Wasser gebaut: Das IBA-Dock im Alten Zollhafen (Foto von: IBA Hamburg GmbH/Martin Kunze)
© IBA Hamburg GmbH/Martin Kunze
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Auf Wasser gebaut: Das IBA-Dock im Alten Zollhafen

Klimaneutral bis 2050

Auch in puncto Energieverbrauch ist das 2010 fertiggestellte IBA-Dock richtungweisend: Für angenehme Raumtemperatur sorgen - auch im Winter - Solarkollektoren auf dem Dach und ein Wärmetauscher, der den Temperaturunterschied zwischen Flusswasser und Außenluft nutzt. Der Strombedarf wird komplett durch Photovoltaik gedeckt. Denn so viel steht fest: Neben der städtebaulichen Anpassung an den Klimawandel ist und bleibt das vielleicht wichtigere Thema seine Vermeidung. Städte sind weltweit für rund 80 Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich.


Hellwig setzte sich und der IBA ein ambitioniertes Ziel: Bis 2050 soll Wilhelmsburg CO2-neutral sein. Emissionen aus dem Hafen - immerhin fast zwei Drittel der Stadtteilfläche - und aus dem Verkehr allerdings nicht eingerechnet. "Erneuerbares Wilhelmsburg" heißt das Konzept, das international Beachtung findet. Neben dem Energieberg befindet sich der Energiebunker im Bau - ein Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg, der zum Regenerative-Energien-Kraftwerk umgerüstet wird. Aus einer Tiefe von 3200 Metern soll Wärme gefördert werden. Eine Neubausiedlung mit Niedrigenergie-Standard und eigener Versorgung mit regenerativen Energien ist in Planung. Im Westen des Stadtteils produzieren drei weitere Windkraftanlagen je 5 MW Strom. Mit dem "Energieverbund Mitte" wird regenerativ erzeugte Wärme kosten- und CO2-sparend an alle angeschlossenen Haushalte und Unternehmen verteilt. Dezentrale Verbraucher werden so zu dezentralen Energielieferanten.


Konzept Erneuerbares Wilhelmsburg: Wenn es nach IBA-Chef Hellweg geht, ist der Stadtteil bis 2050 CO2-neutral (Foto von: IBA Hamburg GmbH/Martin Kunze)
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Konzept Erneuerbares Wilhelmsburg: Wenn es nach IBA-Chef Hellweg geht, ist der Stadtteil bis 2050 CO2-neutral

"Ressourcen vor Ort nutzen!"

Dezentral und regional: So stellt sich Hellweg die Engergieversorgung der Zukunft vor. "Bevor alle Überlandleitungen gelegt sind und alle Bürgerproteste beschwichtigt sind, müssen wir vor Ort anfangen, dezentrale Ressourcen nutzen", ist er überzeugt. Und steht damit auf schwierigem Posten. Denn in der Politik herrsche heute noch die "großindustrielle Denkweise" vor. Man setze lieber auf Mega-Projekte wie Offshore-Anlagen oder Desertec.

Mega-Projekte sind nicht Hellwegs Sache. Denn die eigentliche Herausforderung im Klimaschutz, weiß der 54-Jährige, kommt unspektakulär daher. "Die Klimaschlacht wird im Altbau geschlagen", sagte Hellweg schon im Januar auf einer Konferenz zum Thema Stadt im Klimawandel. Und meinte damit die energetische Sanierung von Wohnungen aus einer Zeit, in der noch niemand über Peak Oil sprach. Mehr als ein 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland gehen auf das Konto der privaten Haushalte. Und drei Viertel davon sind Heizkosten.



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