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Kinotipp: "Das grüne Wunder - Unser Wald": Interview und Fotogalerie

Im Interview verrät der Regisseur des Kinofilms "Das grüne Wunder", was ihn an der Natur vor der Haustür reizt. Warum er auf moderne Filmtechnik setzt. Und wieso die Hirschbrunft so schwer zu filmen ist

Interview:
4/11 |
© nautilusfilm/polyband
Charakteristische Waldbewohner: Fliegenpilze
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Lichtzauber im dichten Fichtenforst
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Kämpfende Hirschkäfer
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Der Mäusebussard konkurriert im Wald mit Eulen um Nahrung
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Waldmäuse sind vor allem nachts aktiv. Und sie sind gute Kletterer
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Der Rothirsch ist eines der größten wildlebenden Tiere Mitteleuropas
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Buchen im Herbst
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Nur drei bis vier Monate tragen die Frischlinge ihr unverwechselbares Streifenfell. Dann tauschen sie es gegen das einfarbig bräunliche Jugendfell
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Der Eichelhäher ist ein typischer Waldvogel, der mittlerweile auch unsere Städte und Gärten bevölkert
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Stimmt die Einstellung? Naturfilmer Jan Haft bei der Arbeit
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Regisseur und Naturfilmer Jan Haft (Foto von: polyband)
© polyband
Regisseur und Naturfilmer Jan Haft

Heute sieht man im Fernsehen täglich Naturdokumentationen aus aller Welt. Ist der mitteleuropäische Wald da nicht eher ein alter Hut?
Überhaupt nicht. Heimische Themen sind ein Dauerbrenner, auch quotentechnisch. 2009 lief unser Zweiteiler "Mythos Wald" im ARD-Fernsehen. Der Film hat bis heute die beste Einschaltquote auf diesem Sendeplatz.

Was reizt Sie persönlich am Dreh vor der Haustür?
Als Filmemacher kenne ich die heimische Natur selbst am besten. Und ich habe zum Drehort eine Anreise von oft nur wenigen Minuten. Wenn ich sehe, es zieht ein Gewitter auf, mit tollem Wolkenhimmel, klarer Luft und einem Regenbogen, schwinge ich mich ins Auto und sause los. In Australien oder Amerika geht das nicht. Da habe ich fest gebuchte Reisen. Und es kann passieren, dass es während der ganzen Tage oder Wochen diesig ist und keine schönen Stimmungen gelingen wollen.


Wie lange haben Sie an dem Film gearbeitet?
Die Idee zu dem Kinofilm entstand, nachdem wir "Mythos Wald" gedreht hatten. Wir haben zwei weitere Jahre für den Film gedreht, haben viele Nächte im Freien verbracht und insgesamt in rund sechs Jahren 240 Stunden Filmmaterial gesammelt.


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Eine Besonderheit des Films sind Zeitraffer-Aufnahmen, die wie eine "normale" Kamerafahrt daherkommen ...
Das machen wir mit Spiegelreflexkameras. Der Fotoapparat sitzt auf einem Rollschlitten, der sich auf Schienen bewegt. Ein kleiner Motor transportiert den Schlitten sehr langsam weiter, von Bild zu Bild. Die Fotos setzen wir dann zur Filmsequenz zusammen. Der Vorteil der Spiegelreflex ist, dass sie sehr lange Belichtungen erlaubt. Durch diese Bewegungs-Unschärfe wird das Bild der fertigen Sequenz schöner, glatter und zittert nicht so wie bei kurzen Belichtungszeiten.

Zeitraffer, Zeitlupe, aufwändige Kamerafahrten, dramatische Musik ... Gibt es so etwas wie ein Wettrüsten der Tierfilmer im Kampf um den übersättigten Zuschauer?
Es ist nicht so, dass der Zuschauer unbedingt nach neuen Blickwinkeln oder einem visuellen Bombardement verlangt. Aber er begrüßt es. Und wir haben festgestellt, dass die junge Zuschauerschaft sich dem Naturfilm eher öffnet, wenn der modern daherkommt. Die Spielfilme von heute schauen auch nicht mehr aus wie die Spielfilme aus den 70er-Jahren. Denken Sie nur an "Matrix" oder ähnliche Sachen. Man kann das "Technikgewitter" und "Bombardement" nennen. Ich würde eher sagen: Wir gehen mit der Zeit. Das Auge wird schneller. Unser Arbeits-, Lebens-, Tagesrhythmus wird schneller. Dem kann man sich auch im Naturfilm öffnen. Der Film muss darum nicht hektisch werden. "Das grüne Wunder" hat sogar eine ausgesprochene Ruhe. Es sind ungewöhnlich lange Schnitte drin. So etwas könnte man im Fernsehen gar nicht bringen.

Mit welchen Schwierigkeiten kämpft man als Tierfilmer im Wald?
Immer mit den gleichen: Entweder sind die Tiere nicht da, oder sie sind sehr scheu und weit weg. Auch das Licht ist oft ein Problem. Sie glauben gar nicht, wie viele Situationen theoretisch filmbar, aber praktisch nicht verwendbar sind - weil irgendetwas nicht stimmt. Eine Lichtung im Wald, die Sonne scheint auf den Boden, die Nadeln glänzen ... und im pechschwarzen, unbeleuchteten Hintergrund stehen die Hirsche. Keine Kamera der Welt meistert einen solchen Kontrastumfang. Wer dagegen in der Wüste oder der Arktis filmt, kann in dieser Hinsicht fast nichts falsch machen - so lange nur die Sonne scheint.

Ist die Scheu der Tiere ein natürliches Verhalten?
Ein echtes Problem für einen Tierfilmer in Mitteleuropa ist, dass viele große Tiere wegen des anhaltenden Jagddrucks nur noch nachts aktiv sind. Wir haben in Berchtesgaden gedreht und festgestellt, dass das Rotwild ausschließlich in der Dunkelheit brunftet - weil es auch im Nationalpark bejagt wird. Erst als es rabenschwarze Nacht war, kamen die Tiere heraus, sind rings um die Almhütte gesprungen und haben gebrunftet, dass man kaum schlafen konnte. Aber noch bevor es hell wurde, waren sie schon wieder weg. Umso dankbarer waren wir, als wir in Dänemark, in der Nähe von Kopenhagen, Hirsche gefilmt haben. Dort wird das Wild nur an ein, zwei Tagen im Jahr in einer gewaltigen Drückjagd bejagt. Das bekommen die Tiere nicht als dauerhaften Jagddruck mit. Darum sind sie nach wie vor am Tag unterwegs.

Haben Sie bei den Dreharbeiten etwas Überraschendes dazugelernt?
Ich habe gestaunt, wie sehr die Waldökologie davon profitiert, wenn viele große Tiere im Wald sind. In einigen Gebieten werden ja schon Mufflons, Wisente, Heckrinder oder alte Pferderassen halbwild gehalten. Wo viel Kot ist, sind viele Mistkäfer, und prompt findet man in solchen Gebieten eine erstaunlich große Anzahl von insektenfressenden Vogelarten oder Fledermäusen, von denen sich viele im Wald lebende Arten von großen Käfern ernähren. Sicher: Die Tiere bilden Herden, schälen die Bäume, fressen Zweige, halten Flächen frei. Aus forstlicher Sicht sind das Schäden. Aber schaut man genauer hin, dann entdeckt man eine Artenvielfalt, die einen aus den Socken haut.

Kinostart: 13.9.2012



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