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GEO Magazin Nr. 02/06 Seite 3 von 4

Die Hochwassermarken steigen ständig

Die Hochwassermarken steigen ständig

Seit den 1980er Jahren sind hier die Hochwassermarken beständig gestiegen. Und das besonders dramatisch, wenn Sommerschmelze und -unwetter zusammentrafen. Als im Juni 1987 Samedan erneut unter Wasser stand, warnten Hydrologen der Versuchsanstalt für Wasserbau der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (VAW-ETH) die Gemeinde eindringlich vor weiteren Fluten; der Kanton Graubünden forderte Schutzmaßnahmen.

Doch wie zähmt ein kleines Dorf sterbende Gletscher? Die Ingenieure entwarfen Schutzbau-Varianten: Staumauern hinter dem Morteratsch, Rückhaltebecken hinter dem Roseg, höhere Kanaldämme oder gar eine Verlegung des Flaz. Der Gemeindepräsident studierte Klimaszenarien und streute die beunruhigenden Ergebnisse vorsichtig im Dorf.


Flutwellen aus Schmelzwasserseen haben schon mehrmals große Schäden angerichtet (Foto von: Bernhard Edmaier)
© Bernhard Edmaier
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Flutwellen aus Schmelzwasserseen haben schon mehrmals große Schäden angerichtet

Kostspielige Sicherheitsmaßnahmen

Die jüngeren Bewohner fühlten sich als Opfer - der Öko-Hysterie, der Klimazerstörung oder der Kantonsbehörde. Die älteren schimpften auf die "Studierten aus Zürich", weil die ihre Erfahrungen mit dem Hinweis auf den Klimawandel einfach wegwischten. Kurz vor der Abstimmung des Gemeinderats, im September 1999, brach erneut Hochwasser über Samedan herein. "Ein Geschenk des Himmels", sagt der Gemeindepräsident heute, "da haben alle kapiert, was uns drohen könnte."

Und so stimmte die Mehrheit für die teuerste, aber nachhaltigste Variante. Sie sieht vor, den milchigen Gletscherstrom des Flaz in einem naturnahen Bett am Dorf vorbeizuleiten und dahinter in den Inn münden zu lassen. 30 Millionen Franken kosteten die Bauarbeiten, ein Viertel davon musste die Gemeinde tragen. Im Sommer 2004 wurde das neue Bett des Flaz geflutet, in Samedan scheint die Hochwassergefahr gebannt.


Seit kurzem arbeiten Hydrologen, Glaziologen und Meteorologen in den Projekten "alpS" und "acqua alta" an einem gemeinsamen Hochwasser- und Frühwarnsystem. Es soll den aktuellen Gletscherabfluss im Einzugsgebiet mit der Wetterprognose kombinieren - über kurz oder lang die einzige Chance, den Gefahren aus den Gebirgsgletschern etwas entgegenzusetzen.


Katastrophenalarm als Normalzustand

An der Monte-Rosa-Wand, die sich zwischen dem Schweizer Wallis und dem italienischen Piemont bis auf 4634 Meter steil in den Himmel reckt, kooperieren Behörden und Wissenschaftler beider Länder schon länger sehr eng - aus gutem Grund: Die Eispanzer auf den Flanken der zweithöchsten Alpenwand sorgen regelmäßig für Katastrophenalarm.

Auf der italienischen Seite fährt ein altmodischer Sessellift mit Holzsitzen vom Bergdorf Macugnaga direkt vor den Monte Rosa auf 1932 Meter, Schauplatz eines einzigartigen Naturspektakels: Seit dem Jahr 2001 reißt sich der Belvedere-Gletscher vom Steilmassiv los und wälzt häusergroße, blaugraue Massen talabwärts; mit einer Geschwindigkeit von bis zu 200 Metern im Jahr, begleitet von einem urigen Sound aus knirschendem Eis, bröckelnden Steinen und Schmelzgeplätscher.



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