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GEO Magazin Nr. 02/02 Seite 1 von 1
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Geowissenschaften: Entsteht Klimawandel in den Tropen?

Forscher vermuten den Ursprung natürlicher globaler Klimaveränderungen neuerdings in Äquatornähe


Der Klimawandel ist in vollem Gange und hinterlässt seine Spuren: Stürme, Fluten und Feuer verursachen Schäden in ungewöhnlich hohem Ausmaß. Für die klimatischen Veränderungen der letzten 150 Jahre ist vermutlich der Mensch verantwortlich, doch auch ohne dessen Einfluss kommt es immer wieder zu bedeutenden Klimaschwankungen: Veränderungen von astronomischen Parametern, etwa des Winkels der Erdachse zur Ebene der Umlaufbahn, beeinflussen die Sonneneinstrahlung (Insolation) und damit das Klima in Zeiträumen von mehreren 1000 bis 100000 Jahren. Wo aber setzt ein Klimawandel an? Lange Zeit vermuteten Wissenschaftler den Angelpunkt für globale Klimaveränderungen, wie den Wechsel zwischen Kaltzeiten und Warmzeiten, dort, wo deren Auswirkungen am deutlichsten dokumentiert waren - in den hohen Breiten: Kerne des Grönland-Inlandeises und Sedimentschichten im Nordatlantik zeugen von zum Teil dramatischen Veränderungen.


Kieselalgenreste (6500-fache Vergrößerung) in ausgetrockneten Seen geben Aufschluss über Klimaveränderung (Foto von: M.Trauth)
© M.Trauth
Kieselalgenreste (6500-fache Vergrößerung) in ausgetrockneten Seen geben Aufschluss über Klimaveränderung

Klimawandel in den Tropen, soweit überhaupt erkennbar, wurde meist als Reaktion auf Prozesse in den hohen Breiten gesehen. Neue Untersuchungen in Äquatornähe lassen nun vermuten, dass natürliche Veränderungen des Weltklimas von den tropischen Breiten ausgehen. So zeigte vor kurzem die Arbeitsgruppe um den Amerikaner Gideon Henderson, dass die Ursachen für den Wechsel von der vorletzten Kaltzeit zur letzten Warmzeit (das Eem vor 130000 bis 117000 Jahren) dort zu suchen sind. Die Wissenschaftler ermittelten durch die neuartige Uran-Thorium-Isochron-Datierungstechnik, dass dieser bedeutende Klimawandel in den Tropen bis zu 15000Jahrefrüher stattfand als in mittleren und hohen Breiten der Nordhemisphäre - und daher also kaum im Nordatlantik ausgelöst worden sein konnte.


Zusammen mit Kollegen aus den USA und Frankreich legten nun Potsdamer Geowissenschaftler eine Klimachronologie für Ostafrika vor, die diese neue Hypothese stützt. Als wichtige Indikatoren für Klimaveränderungen dienten der Arbeitsgruppe um Martin Trauth, Manfred Strecker, Andreas Bergner und Miriam Dühnforth vor allem Kieselalgenüberreste (Diatomeen) und Mineralneubildungen in den Seeablagerungen im Zentralen Kenyarift. Denn unterschiedliche Mineralzusammensetzungen geben ebenso wie unterschiedliche Diatomeenarten Aufschluss über Veränderungen des Wassermilieus. Für die zeitliche Bestimmung der Klimaperioden dienten Argon 40/Argon 39-Datierungen von Aschenlagen in den Diatomit-Schichten. Aus den Daten konnten die Wissenschaftler schließen, dass das Klima im Zentralen Kenyarift zumindest seit den letzten 175000 Jahren hauptsächlich von Parametern vor Ort - zum Beispiel der in Äquatornähe besonders intensiven Sonneneinstrahlung abhängt. Das Klima in Ostafrika begann wohl schon vor 146000 Jahren zu kippen, lange bevor die Kaltzeit in hohen Breiten zu Ende ging. Die Wissenschaftler diskutieren nun mögliche Mechanismen, wie die Tropen imstande sind, den globalen Klimawechsel einzuleiten. Möglicherweise beeinflusst das Tropenklima den globalen CO2-Haushalt.


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