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Und wie stark schwinden die Bestände nach Ihren Erkenntnissen?
Die FAO untersucht etwa 400 Bestände weltweit, zu denen sie jedes Jahr Daten erhebt. Es gibt aber insgesamt über 2000 regionale Fischbestände, die die FAO zwar erfasst, aber nicht bewertet. Das haben wir nun getan, wenn auch mit einigen notwendigen Vereinfachungen. Boris Worm, ein namhafter Kollege aus Kanada, hat nach dieser Methode 2006 eine weltweite Prognose gewagt. Demnach werden bis 2048 alle Bestände kollabiert sein, wenn die gegenwärtigen Trends anhalten.

Was meinen Sie mit "kollabiert"?
Ein Kollaps liegt dann vor, wenn ein Bestand nur noch weniger als zehn Prozent seines früheren Maximalertrages liefert. Derzeit sind weltweit um die 24 Prozent der Bestände kollabiert, mit zunehmendem Trend. Das ist deutlich dramatischer als die Einschätzung der FAO. Nach ihr sind nur drei Prozent der 400 Bestände "erschöpft". Der Zustand der Bestände ist also weitaus schlechter, als wir dachten. Das hat auch eine andere Studie vom September 2012 bestätigt, die nochmal eine andere Methode anwendet.

Das sind düstere Aussichten. Ist Besserung in Sicht?
Doch, natürlich. Die USA, Neuseeland und Australien haben die internationalen Abkommen umgesetzt, in denen sie sich zu einer nachhaltigen Fischerei verpflichtet haben. Mit erfolgreichen Reformen, die auf den höchstmöglichen Dauerertrag abzielen, auf Englisch maximum sustainable yield, kurz MSY.

Worum geht es bei MSY?
Biologen berechnen anhand verschiedenster Faktoren, wie etwa Altersverteilung und Vermehrungsraten, die Größe eines Bestandes, die auf lange Sicht hin den besten Ertrag abwirft. Als Faustregel für den maximalen Dauerertrag gilt für viele unserer Bestände, dass man im Jahr höchstens 20 Prozent der Fische wegfangen darf. Tatsächlich hat das europäische Fischereimanagement in den vergangenen Jahren 50-80 Prozent Entnahme vorgeschrieben.

Mit welchen Folgen?
Wir haben nach unseren Berechnungen etwa 32 Prozent kollabierter Bestände, also mehr als im weltweiten Durchschnitt. Und das, obwohl sich die EU-Staaten zur nachhaltigen Fischerei mit dem Ziel des maximalen Dauerertrages verpflichtet haben. Zuletzt im Juni 2012 beim Rio+20-Gipfel in Brasilien. Der war für die Fischerei eine gute Sache. Denn die Sprache in Rio war sehr klar: Wir müssen bis 2015 die Bestände nach MSY-Niveau aufbauen. Und wenn nötig, müssen Fischereien geschlossen werden.

Was hieße das für die EU?
Man könnte in dieser Zeit 50 bis 70 Prozent der EU-Bestände auf den maximalen Dauerertrag bringen. Dafür müsste man allerdings vorübergehend einige Fischereien schließen. Doch schon 2016 hätten wir die gleichen Fangmengen wie jetzt, danach würden sie weiter ansteigen. Das setzt aber einen politischen Willen voraus, der derzeit bei den EU-Staaten nicht zu erkennen ist. Die guten Reformvorschläge der EU-Kommission sind von den Landwirtschaftsministern verwässert worden. Jetzt steht eine Einigung des Ministerrats mit dem Parlament bevor. Dieser Prozess kann noch lange dauern, der Ausgang ist ungewiss.




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