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GEO Magazin Nr. 12/11 Seite 2 von 2

Ein Netz für 67 Quadratkilometer, knapp 5000 Bewohner und einige Industrieanlagen mit einem Gesamtverbrauch von gut 15 Gigawattstunden pro Jahr - das klingt zunächst unspektakulär. Doch Ökostrom, der störungsfrei weiterfließt, wenn weder Sonne noch Wind verfügbar sind - das ist eine Weltneuheit, die bisher nur Younicos anbietet. Denn dafür muss man den unregelmäßigen Solar- und Windstrom auf eine gleichmäßige Wechselstromfrequenz von 50 Hertz bringen. Ohne eine spezielle Steuerung würde die Frequenz im Netz bei jeder Wolke über einer Solaranlage schwanken. Normalerweise gleichen Dieselgeneratoren der Kraftwerke das aus; nun übernehmen „intelligente“ Riesenakkus die Aufgabe.


Bewegliche Solarpanels und Spezial-Akkus sorgen für gute Stromausbeute und -speicherung (Foto von: Younicos)
© Younicos
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Bewegliche Solarpanels und Spezial-Akkus sorgen für gute Stromausbeute und -speicherung

In einer unscheinbaren Halle hat Younicos die Energieversorgung von Graciosa im Maßstab 1 : 3 nachgestellt. Das Herzstück besteht aus 3,5 Millionen Euro teuren, fünf Meter hohen Schränken, die leise vor sich hin brummen. Es sind Natrium-Schwefel-Akkus einer japanischen Firma, die bei 300 Grad Betriebstemperatur Wind- und Solarstrom speichern. Die Akkus aus diesen leicht erhältlichen Materialien seien schnell aufladbar und knapp 20 Jahre haltbar, sagt Triebel, außerdem hätten sie eine hohe Speicherdichte. In jedem der gewaltigen Kästen steckten drei Megawattstunden, zwei davon könnten eine Kleinstadt mindestens sechs Stunden lang versorgen, wenn Sonne und Wind komplett ausfallen.

Triebel besteigt die Steuerungsplattform. Der Computerbildschirm zeigt neben dem Batteriestatus das aktuelle Wetter für Graciosa an, dazu die Prognose: 20 Grad, wolkig, stürmisch. „Hier wird der Solar- und Windstrom auf Graciosa simuliert“, erklärt der Forschungsminister, „mit Strom aus Berlin und echten Wetter- und Stromverbrauchsdaten von dort.“

Die Software für das intelligente Energiemanagement sorgt dafür, dass sich die Speicher auf jede Wettersituation einstellen - an einer solchen Programmierung hat sich außer den Younicos-Tüftlern bisher noch niemand versucht. Und wenn die Akkus versagen? Triebel zeigt auf ein gelbes Monstrum - einen Dieselgenerator. „Dann würde der hier anspringen.“ Auf Graciosa gibt es bisher sechs Generatoren mit einer Leistung von vier Megawatt, zwei bis drei davon laufen immer. Um sie zu versorgen, müssen Tankschiffe jährlich 3,5 Millionen Liter Diesel anlanden. Younicos will zeigen, dass das im Zeitalter der regenerativen Energien überflüssig ist - auf Zigtausenden von Inseln mit ähnlicher Energieversorgung.

Das Modell Graciosa sei „übertragbar“, sagt Triebel, man könne damit in jeder Region der Welt Netze mit bis zu 100 Prozent Wind- und Solarstrom stabil betreiben. Was Younicos demnächst auch auf einer Karibikinsel und acht griechischen Inseln beweisen will. Und vielleicht, träumt der Herr Minister, werde die Republik Younicos mit ihren technischen Truppen eines Tages ganz Europa erobern. Und die fossilen Energiequellen in Frieden ruhen lassen: „Let the fossils rest in peace“, lautet schon heute die Inschrift auf Gedenkplatten auf dem Gelände.





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Mehr zu den Themen: Solarenergie, Erneuerbare Energien, Strom

Kommentare zu "Reif für alle Inseln"

Nordsachse | 24.04.2012 14:29

Wie viele Leute arbeiten wohl heute noch in Berlin in der Firma? Q-Cells geht ja den Bach runter, da wird es in B nicht anders aussehen. Ich finde solch Firmen nicht schlecht, nur sollten sie auch ohne zuschüsse auskommen, nur dann ist es eine gute Firma. Beitrag melden!

Nogreenvoter | 29.12.2011 13:45

Mit einer Hand voll Negativbeispielen ist die Energiewende in unserem Land gottlob nicht zu stoppen. Der erste Schritt - weg von den Dreckschleudern- ist getan und es gibt zwischenzeitlich unendlich viele Beispiele, wie ohne Fossilienverbrennung saubere Energie geschaffen werden kann. Wer die neuerdings entflammte Debatte um die Luftverpestung durch Kreuzfahrtschiffe verfolgt hat, dem muss es wie die Schuppen aus den Haaren fallen: Sage und schreibe 5 Millionen Autos müssten antreten, um die gleiche Menge Dreck in die Luft zu schleudern wie ein großer Kreuzfahrer. Ich höre schon das Gejammer über die verlorenen Arbeitsplätze, wenn da jemand die Abschaffung dieser Energieverschwender fordern sollte. Es ist schon eine tragische Lachnummer, wenn Kreuzfahrer nach Grönland fahren um einen Eisbären zu sehen und sich nach ihrem Urlaub als Umweltschützer aufblasen. Mir fällt da zu allererst unsere Kanzlerin ein. Sie hätte einfach nur Arbed Fuchs konsultieren sollen. Beitrag melden!

Wolf Müller | 28.12.2011 19:14

Öffnen sie die Augen, hören sie auf „grün“ zu träumen und sehen sie was in der Realität passiert. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Diese sogenannten „Erneuerbaren“ – da dreht sich jedem Physiker allein beim lesen und hören der Magen um - ( besser regenerativen Energien) mit ihrer geringen Energiedichte werden es nicht schaffen. Sie verbrennen Volksvermögen: Siehe z.B. „Süddeutsche“: DSW: zu den "größten Kapitalvernichtern" unter Deutschlands Unternehmen finden sich mit Solon (Berlin/Platz 1), Q-Cells (Bitterfeld-Wolfen/3), Colexon Energy (Hamburg/4) und Conergy (Hamburg/6) gleich mehrere Solarfirmen auf den vorderen Plätzen. Sie vernichten Arbeitsplätze: Nicht nur die der insolventen Firmen auch die in anderen Bereichen, da jeder Arbeitsplatz in der Solarindustrie mit 153.000 € subventioniert ist. Sinken die Subventionen platzt die Blase dieser ineffektiven Energie. Beitrag melden!

H. Benkmann | 28.12.2011 17:08

Öffnet die Augen, schließt die Ohren und folgt denen, welche die vom Energiehunger geschundene Erde durch umweltschonende Entwicklungen vor unserer aller Ende bewahren könnten. Wieder einmal mehr zeigen findige Entwickler auf, wie wir die Zukunft unserer Kinder retten und lebenswert gestalten können. All das, was von den Klimagipfeln und der Politik zu hören ist, bringt uns nicht weg von der sinnlosen Vergeudung der fossilen Resourcen unserer Welt. All zu sehr wird das Handeln der Politik durch kurzfristiges Gewinnstreben von Lobbyisten der großen Energieunternehmen beeinflusst und gesteuert. Als einziges Land dieser Welt hat Deutschland nach Fukushima eine beispielhafte Wende eingeleitet, die allerdings nur ein erster Schritt in Richtung einer autonomen Energieversorgung sein kann. Die Unabhängigkeit nationaler Energieversorgungen ist einer der Schlüssel für das Fortbestehen von Flora und Fauna sowie des friedlichen Zusammenlebens der Menschen unseres Planeten. Beitrag melden!

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