Hauptinhalt
GEO Magazin Nr. 12/07 Seite 2 von 4

Rang 13 bis 9

Rang 13: Bremen

Dass sich ein Stadtstaat wie Bremen nicht durch große Windparks profilieren kann, ist verständlich. Und für Solaraggregate ist das norddeutsche Wetter ebenfalls nicht ideal. Doch auch im Bereich Bauen und Wohnen, in dem viel Energie verschwendet wird, liegen die Bremer weit hinter dem deutschen Durchschnitt. Wie die Hessen haben sie es deshalb nicht geschafft, ihren Kohlendioxidausstoß gegenüber 1990 merklich zu verringern. Einige für Stadtstaaten typische Strukturvorteile nutzt man in Bremen und Bremerhaven allerdings gut: Die Autodichte ist gering; die Einwohner erle-digen viele Wege mit dem Fahrrad, zu Fuß oder per Bus und Straßenbahn. Positiv wirkt sich im Ver-kehrssektor außerdem die Anbindung von Hafen und Bahn aus: Beim Gütertransport auf der Schiene liegt Bremen auf Rang 3.

Ein Haus für Klimareisende
Am selben Tag die Wüste durchqueren, einen Gletscher erklimmen und in den Tropen schwitzen - das soll vom Frühjahr 2009 an im Bremerhavener Klimahaus möglich sein, das die Stadt als gläserne Arche am Hafen baut. In der 70 Millionen Euro teuren Erlebniswelt werden Besucher entlang dem achten Längengrad Ost um den Globus geführt. Als Forschungsreisende lernen sie auf 9000 Quadratmetern neun zum Teil simulierte Klimaregionen kennen, erfahren, wie die Atmosphäre entstanden ist und warum das Wetter immer häufiger „"errückt spielt". Mit einer natürlichen Belüftung, Photovoltaikmodulen im Dach und 450 "Energiepfählen", die im Sommer für Kühlung und im Winter für Wärme sorgen, wird das Klimahaus auch ein Vorzeigeprojekt des klimaschonenden Bauens sein.


Rang 12: Nordrhein-Westfalen

Als traditionelles Zentrum der Schwerindustrie hat Nordrhein-Westfalen ein besonders schwieriges Erbe: Die vielen alten und ineffizienten Kraftwerke sorgen für dramatische Kohlendioxid-Emissionen. Eine Wende ist schwierig. Auch der Flächenverbrauch hat in den vergangenen 15 Jahren stark zugenommen. Und bei der Planung von neuen Kraftwerken setzt das Land weiter auf klimaschädliche Kohle. Im Verkehr liegt NRW im Mittelfeld. Klimapolitische Ambitionen lassen sich besonders in der Baupolitik erkennen (Rang 3 bei Niedrigenergie-Häusern, Rang 5 bei Wärmedämmung). Dass auch erneuerbare Energien eine wichtige Rolle spielen und die Energie-Agentur NRW viele Pilotprojekte für Kommunen, Unternehmen und Verbraucher initiiert und begleitet, schlägt sich in der Statistik kaum nieder. Denn regionale Spitzenleistungen gehen in dem mit 18 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Bundesland leicht unter.

Vorfahrt für PS-Freie
Das westfälische Münster ist Deutschlands Fahrrad-Metropole. Auch deshalb kürte die Deutsche Umwelthilfe die Stadt 2006 zur "Bundeshauptstadt im Klimaschutz". Überall gibt es Radwege, -spuren oder extra breite Fahrradstraßen; eigene Fahrradampeln geben Radlern grünes Licht. Deutschlands größtes Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof hat 3300 Stellplätze und beherbergt neben Ausleihstation und Radwerkstatt auch eine Waschanlage. Selbst weniger sportliche Münste-raner müssen nicht aufs Auto ausweichen. Busse und Bahn sind aufeinander abgestimmt. Busse haben Vorfahrt und oft auch eigene Spuren. Bei größeren Verspätungen zahlen die Stadtwerke das Taxi.


Rang 11: Niedersachsen

Eine aktive Klimapolitik fehlt bisher im Land: Es existieren weder Reduktionsziele für Treibhausgase noch Handlungspläne für ein koordiniertes Vorgehen - kein Wunder bei einem Umweltminister, der das Landesamt für Ökologie auflöste, Windräder als "technische Monster" bezeichnet und den vor-her erfolgreichen Ausbau der alternativen Energien bremst: 2005 kürzte er die Förderung um 3,2 Millionen Euro. Trotzdem produziert Niedersachsen, absolut gesehen, noch immer den meisten Windstrom in Deutschland - pro Kopf reicht das inzwischen allerdings nur noch für Platz 5 hinter Schleswig-Holstein und drei neuen Bundesländern. Biomasse wird gut genutzt (Rang 4). Schlechte Noten gibt es dagegen für den öffentlichen Nahverkehr: In keinem anderen westdeutschen Bundesland fahren die Bürger noch weniger Bus und Bahn als in Niedersachsen.

Autarkie ist machbar
Als erstem deutschen Dorf ist es dem niedersächsi-schen Jühnde 2005 gelungen, sich fast völlig von öffentlicher Energieversorgung abzukoppeln. 75 Prozent der Häuser des 750-Einwohner-Dorfs heizen mit Wärme, die bei der Stromproduk-tion in der eigenen Biogasanlage ent-steht. Bei Kälte läuft zusätzlich das Holzhackschnitzel-Heizkraftwerk. Beides gehört einer Genossenschaft der Jühnder, von denen jedes Mitglied 2500 Euro investierte. 2010 wird die erste Gewinnausschüttung erwartet. Schon jetzt erzeugt die Anlage doppelt so viel Strom, wie Jühnde verbraucht. Und ist eine Attraktion: Zu Besuch kommen japanische Bauern, chinesische Beamte oder Kommunalpolitiker aus dem Umland.


Rang 10: Sachsen-Anhalt

Die Sachsen-Anhaltiner bewegen sich gesund, oft zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Und sie schweifen kaum in die Ferne - im nationalen Vergleich fliegen sie am wenigsten. Beim Energieverbrauch hat das Land gegenüber 1990 extrem gespart (Rang 1), allerdings nur, wenn man die Pro-Kopf-Berechnung zugrunde legt. Wird der Verbrauch auf die Wirtschaftskraft umgerechnet, landet das Land auf dem drittletzten Platz. Klimapolitik aktiv zu gestalten, hat bisher keine Priorität. Auf kommunaler Ebene regt sich mehr Aktivität. In den letzten Jahren sind viele Windparks entstanden, in Bitterfeld-Wolfen soll das "Solar Valley Thalheim" eröffnet werden, eines der "weltweit größten Zentren der Solarindustrie". Vielleicht ein Ansport für die Landesregierung, auch landeseigene Gebäude mit Solaranlagen auszurüsten.

Gute Verbindungen im Harz
"Q-Bus" heißt das Unternehmen, das rund um Quedlinburg vormacht, wie guter Nahverkehr auch in einer ländlichen Region im Osten funktionieren kann. Rund 75.000 Menschen leben im Einzugsbereich des Unternehmens mit Sitz in Ballenstedt im Vorharz. Regio-Linien verbinden die größeren Orte seit Mitte der 1990er Jahre werktags im Stundentakt, am Wochenende alle zwei Stunden. Die Anschlüsse sind eng aufeinander abgestimmt. Ab 18 Uhr stoppen die Fahrer beim "Mondschein-Service" auch zwischen den Haltestellen, und nach 22 Uhr touren vier Kleinbusse auf Nachtbuslinien. Zum Service gehören Extras wie Fahrradmitnahme oder eine Regenschirmausleihe bei Schlechtwetter. Der Erfolg: 2,2 Millionen Fahrten pro Jahr - und kein Rückgang, obwohl die Einwohnerzahl im Harzkreis seit der Wende um zehn Prozent geschrumpft ist.


Rang 9: Sachsen

Kein Spitzenplatz, kein letzter Rang - statistisch wirkt Sachsen unauffällig. Der Rückgang beim CO2-Ausstoß nach der Wende ist wie im gesamten Osten der Deindustrialisierung und einem darauf folgenden Innovationsschub zu verdanken. In den vergangenen Jahren haben die Emissionen wieder zugenommen. Problematisch ist der Faktor Politik. So hat die Staatsregierung den Gesetzentwurf zum Emissionshandel bekämpft, um mehr Verschmutzungsrechte für die klimaschädlichen Braunkohlekraftwerke zu erreichen. Ein BUND-Sprecher im Landesverband Sachsen beklagt außerdem die mangelnde Bereitschaft zur Kooperation: "Das Verwaltungshandeln der staatlichen Behörden in Sachsen ist von 'Beratungsresistenz' und das politische Handeln von der Arroganz der Macht geprägt."

Ein Speicher für die Kühlung
Die Stadt Chemnitz besitzt schon seit 35 Jahren ein Fernkältenetz. Das Prinzip: Überschüssige Abwärme eines Heizkraftwerks treibt eine Kältemaschine an, die Wasser auf fünf Grad Celsius kühlt. Durch ein Rohrnetz wird es an Großkunden wie Kaufhäuser, das Opernhaus, die Stadthalle, das Amtsgericht und die Technische Universität geleitet. Ein pfiffiges System, das jedoch nicht optimal arbeitete - an heißen Tagen stellte es zu wenig Kälte bereit. Um das zu ändern, haben die Stadtwerke und die TU im Juni 2007 einen Kurzzeit-Großkältespeicher in Betrieb genommen, der nachts Kälte für den nächsten Tag konserviert. Mit 3,5 Millionen Liter Fassungsvermögen gilt der 19 Meter hohe Tank europaweit als Vorzeigeprojekt für umweltfreundliche Kälteversorgung. Der Bedarf für solche "Kältebatterien" wird steigen, denn die Zahl der heißen Sommer nimmt zu - nicht nur in Sachsen.



Seite 2 von 4

Kommentar verfassen

Ja, ich möchte eine Benachrichtigung per Mail erhalten, wenn es neue Kommentare zu diesem Artikel gibt.
* Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine gültige Mailadresse ein. Diese wird später nicht auf unseren Seiten zu sehen sein. Um Missbrauch zu vermeiden, senden wir Ihnen jedoch eine Mail mit einem Aktivierungslink - einfach anklicken und schon ist Ihr Beitrag online!

Mit der Abgabe eines Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Momentan sind zu dem Artikel "Der GEO-Länder-Test" keine Kommentare vorhanden.


Daten werden gesendet ...


Bitte geben Sie Ihren Namen an!


Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an!
Die angegebene E-Mail-Adresse ist ungültig!


Bitte geben Sie eine Empfänger-Adresse an!
Die angegebene E-Mail-Adresse ist ungültig!




* Pflichtfeld

» E-Mail versenden «
Hinweis: Ihre E-Mail-Adresse und die E-Mail-Adresse des Empfängers werden ausschließlich zu Übertragungszwecken verwendet und nicht gespeichert oder an Dritte weitergeben!