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Artenschutz: Artensterben für die Medizin

Die Nachfrage nach Heilmitteln aus der Natur steigt weltweit. Doch dieser Anstieg geht mitunter zulasten von Tier- und Pflanzenarten, die nun vom Aussterben bedroht sind


Bei Halskratzen oder Bauchgrummeln greifen wir schnell zu Medikamenten. Gerade der Griff zu natürlichen Heilmitteln ist beliebt. Denn pflanzliche Arzneien gelten als milder und verträglicher für unseren Körper. Schon unsere Vorväter wussten ihre Beschwerden durch Naturmittel zu kurieren. Die "sanfte Medizin" verschafft uns das Gefühl, bewusster mit uns und unserer Umwelt umzugehen.

Die Wirkung einiger Naturheilmittel ist bisweilen umstritten. Doch unstrittig ist, dass der hohe Bedarf der Konsumenten die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren bedroht.


In ganz Europa und Vorderasien blüht die gelbe Heilpflanze. Die Inhaltsstoffe der Schlüsselblume helfen vor allem in der Erkältungszeit. Der hohe Bedarf wird fast ausschließlich durch Wildsammlungen gedeckt, da es nur einige kleinflächige Anbauversuche gibt. Nach Angaben des WWF importiert allein ein großer deutscher Händler jährlich 10.000 Kilogramm Schlüsselblumen. In der Türkei zählt sie zu den am stärksten bedrohten Heilpflanzen. In Deutschland dürfen wilde Populationen von <em>Primula veris</em> nach dem Bundesnaturschutzgesetz nicht gesammelt werden. (Foto von: picture alliance / Arco Images GmbH)
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In ganz Europa und Vorderasien blüht die gelbe Heilpflanze. Die Inhaltsstoffe der Schlüsselblume helfen vor allem in der Erkältungszeit. Der hohe Bedarf wird fast ausschließlich durch Wildsammlungen gedeckt, da es nur einige kleinflächige Anbauversuche gibt. Nach Angaben des WWF importiert allein ein großer deutscher Händler jährlich 10.000 Kilogramm Schlüsselblumen. In der Türkei zählt sie zu den am stärksten bedrohten Heilpflanzen. In Deutschland dürfen wilde Populationen von Primula veris nach dem Bundesnaturschutzgesetz nicht gesammelt werden.

Allein über 400.000 Tonnen Heilpflanzen-Rohware gelangen nach Angaben des WWF jährlich in den internationalen Handel - und der Bedarf steigt. Davon stammen etwa 80 Prozent dieser weltweit genutzten Arten aus sogenannten Wildsammlungen. Nicht nachhaltige Sammelmethoden oder -mengen stellen ein großes Problem dar. So werden teilweise Pflanzen von Sammlern aus dem Boden gerissen oder gegraben - ohne Rücksicht darauf, dass sie nicht wieder nachwachsen können. Häufig werden lediglich Pflanzenteile wie die Blätter für die Produktion der Medikamente verwendet, sodass ein Ausreißen des ganzen Gewächses nicht notwendig wäre.

Nachhaltige Ernte und auch der Anbau wären bei vielen Pflanzen durchaus möglich, sind für Händler aber teurer. Schließlich geht es darum, so günstig wie möglich zu produzieren - bis die Ressourcen ausgehen: Die Weltnaturschutzunion (IUCN) vermutet, dass bis zu 15.000 Heilpflanzenarten in ihrem Bestand gefährdet sind.

Auch Deutschland trägt einiges zum Raubbau an der Natur bei. Nach Angaben des WWF ist Deutschland in Europa die Nummer eins unter den Nutzern und Händlern von Heilpflanzen. Weltweit ist das Land sowohl beim Import als auch beim Export unter den Top 5. Die importierte Pflanzenware, vor allem aus Ost- und Südosteuropa, wird größtenteils hierzulande weiterverarbeitet und dann wieder vertrieben. Die fertigen Produkte werden legal in Apotheken und Drogerien verkauft.


Nicht nur Wildpflanzen sind gefragt

Während sich die westliche Schulmedizin insgesamt verstärkt auf pflanzliche Heilmittel zurückbesinnt, stützt sich die traditionelle Medizin außerhalb Europas seit jeher auf die Naturheilmittel. In diesen werden neben pflanzlichen auch tierische Wirkstoffe genutzt.

So verwendet die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), vor allem in Asien, auch heute noch in ihren Mitteln Substanzen von 1500 Tierarten. Viele Präparate enthalten Organe von Wildtieren. Denn deren Wirkung sei, so glaubt die TCM, stärker als die von Zuchttieren. In China gibt es zudem einen großen Schwarzmarkt für TCM. Laut WWF werden hier tierische Organe nachgefragt, deren Handel heute offiziell verboten ist.

Die Folgen des Schwarzmarkthandels sind für den Bestand von Tierarten verheerend. Tiere von ohnehin schon dezimierten Arten werden für medizinische Zwecke weiterhin gewildert und getötet. Trotz des weltweiten Verbots der Jagd und Nutzung sind einzelne Unterarten von Tigern und Nashörnern durch Überjagung bereits ausgerottet oder extrem bedroht. Die Nachfrage nach dem Sekret des Moschustieres hat die Arten teilweise an den Rand des Aussterbens gebracht.



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