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Schmackhaftes von vorgestern
Nur wenige Obstbauern kämpfen heute noch für die Vielfalt fast vergessener Früchte. Apfelbauer Alfred Helmig ist einer von ihnen
Wer in Alfred Helmigs kleinen Hofladen eintritt, dem strömt der fruchtig-süße Geruch reifer Äpfel entgegen. Dabei liegen jetzt, am Ende des Winters, nur noch wenige der begehrten Früchte in den grünen Obstkisten. Im vergangenen Herbst konnte Helmig vier Tonnen Äpfel ernten - alles alte Sorten, die man im Supermarkt vergeblich sucht.
Golden Delicious, Braeburn oder Pink Lady - so heißen die Apfelsorten, die heute in jedem Supermarkt die Auslagen füllen. Und viel länger wird die Liste der angebotenen Sorten meist nicht. Dabei sind weit mehr Apfelsorten bekannt. Allein in Europa sollen es über 3000 verschiedene sein. Allerdings geraten viele der altbekannten Sorten, die oft schon im Mittelalter entdeckt wurden, zunehmend in Vergessenheit. Sie wurden von normierten Züchtungen ersetzt, die nur zu einem Zweck kultiviert werden: Um möglichst viel Gewinn zu erzielen.
So kommen die neuen Sorten meist groß, rund und glänzend daher. Gezüchtet, um schön auszusehen. Denn das ist es, was die meisten Kunden zum Kauf verleitet. Viele alte Obstsorten können da nicht mithalten. Und in der Tat kommen auch die Äpfel von Alfred Helmig nicht in runder Vollendung und stets gleich groß daher. Der Landwirt, der in den 90er Jahren den Hof seines Vaters in Greven bei Münster übernahm, hat sich dem Diktat des Marktes entzogen und dem Anbau alter Obstsorten verschrieben.
Geschmack verpflichtet: "Prinz Albrecht von Preußen"
Denn nicht nur Äpfel, auch andere Obstsorten haben eine lange Tradition in Deutschland. Auf dem Hof von Alfred Helmig wachsen daher neben den rund 200 Apfelbäumen auch einige Kirschen, Birnen und Zwetschgen. Einen Pink Lady sucht man hier allerdings vergeblich. Stattdessen hängen im Herbst wieder Äpfel an den Bäumen mit so klangvollen Namen wie "Prinz Albrecht von Preußen" oder "Dülmener Rose".
Aus den verschiedenen Apfelsorten macht der Landwirt Apfelmost und Apfelsaft - oder verkauft sie im Herbst frisch auf den Märkten der Umgebung. Dabei unterscheiden sich seine Äpfel gänzlich von den Supermarktfrüchten; sie sind klein oder groß, mit Beulen oder auch nicht. Doch würde man nicht die äußere Erscheinung, sonder die inneren Werte der beliebten Früchte bewerten, würden die neuen Züchtungen neben den Äpfeln des Münsterländer Hofes wohl recht alt aussehen.
Moderne Sorten können Allergien auslösen
Im Gegensatz zu den alten Sorten haben die neuen Züchtungen bedeutende Nachteile, die vor allem empfindliche Menschen schnell zu spüren bekommen. "Die neuzeitlichen Sorten haben mehr Allergene, die eine Apfelallergie bei den Konsumenten hervorrufen können", erklärt Alfred Helmig. Der Genuss von Äpfeln, Kirschen oder auch Nektarinen wird also spätestens dann zu einer Qual, wenn der Rachen juckt oder die Atemwege zuschwellen.
Die "Optimierung" der neuen Sorten geht sogar so weit, dass nicht mal aufgeschnittene Äpfel ihr Aussehen verlieren: "Ein normaler Apfel wird braun, wenn man ihn aufschneidet, weil der Apfel an der Luft oxydiert, " erklärt der Landwirt. Bei einigen neuzeitlichen Sorten habe man diese Eigenschaft aber schon weggezüchtet. Die Substanz, die unter anderem dafür verantwortlich ist, dass ein Apfel nach dem Anschneiden braun wird, heißt Polyphenol. Laut BUND sorgen Polyphenole aber auch dafür, dass Äpfel keine Allergien auslösen.




