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Kosmischer »Crash-Test«
Forschern gelang erstmals eine wirklichkeitsnahe Simulation der Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher
Kollisionen verlaufen kurz, aber heftig auch im All: Stoßen in Millionen Lichtjahren Entfernung zwei Schwarze Löcher zusammen, verschmelzen sie zwar innerhalb von Sekundenbruchteilen, doch die Auswirkungen dieses "Crashs" sind bis zur Erde meßbar in Form sogenannter Gravitationswellen.
Jedenfalls hegen Astrophysiker diese theoretische Vorstellung von einem derartigen Zusammenprall. Ein Nachweis steht allerdings noch aus: Gravitationswellen lassen sich bislang nicht messen, und Computersimulationen solcher kosmischer Kollisionen erwiesen sich als äußerst knifflig. Bis vor kurzem gelang lediglich die Nachbildung eines gradlinigen "Frontalstoßes" der in dieser Form aber unwahrscheinlich ist (GEO Nr. 10/94). Nun jedoch hat ein internationales Forscherteam mit Wissenschaftlern des Potsdamer Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik eine Variante durchgespielt, die der Wirklichkeit womöglich näherkommt. Ihr Szenario: Zwei aus kollabierten Sternen entstandene Schwarze Löcher nähern sich einander auf spiralförmigen Bahnen, bis sie schließlich in schrägem Winkel zusammentreffen.
Um die Folgen dieses "Unfalls" berechnen zu können, nutzten die Astrophysiker mehrere Wochen lang eines der leistungsfähigsten zivilen Computersysteme. Die grafische Darstellung der Ergebnisse zeigt nicht nur den Zusammenprall der beiden sogenannten "Singularitäten", sondern auch die Abstrahlung äußerst energiereicher Gravitationswellen bei der Kollision. Ob es allerdings im Kosmos tatsächlich zu derartigen Verschmelzungen kommt, wird sich erst zeigen, wenn neuartige Detektoren für Gravitationswellen wie die im Bau befindliche Anlage GEO bei Hannover demnächst in Betrieb gehen. Die Potsdamer Forscher hoffen, daß ihre Modellrechnungen dann helfen werden, aufgezeichnete Meßwerte als Folge von Zusammenstößen Schwarzer Löcher zu identifizieren.
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