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GEO Magazin Nr. 05/08 Seite 2 von 4


Gefährlich: Hitze und Feuchtigkeit

Gefährliche Kombination: Hitze und Feuchtigkeit

Es ist fast 35 Grad Celsius warm. Trotzdem trägt Forti ein langärmeliges Baumwollhemd; sein Kollege, der Physiker Giovanni Badino, hat sich sogar in mehrschichtige Polarkleidung eingehüllt. Die Wissenschaftler hoffen: Was vor Kälte schützt, wird auch die extreme Hitze abhalten, die im Inneren der Kristallkammer zu erwarten ist; denn die Wärmeisolierung wirkt grundsätzlich in beide Richtungen. Die umgekehrte Strategie, möglichst wenig Kleidung zu tragen und die Körpertemperatur schwitzend zu regulieren, wäre in der Tiefe von Naica hingegen zum Scheitern verurteilt: Wie in einem römischen Dampfbad könnte der Schweiß in der überhitzten und vor allem sehr feuchten Höhlenluft kaum verdunsten und daher auch nicht die Hautporen kühlen.


Vor der Luftschleuse
zur Cueva de los
Cristales haben die
Forscher ein Kontrollzentrum
eingerichtet: Hier überwachen
sie die
Messwerte und bedienen
ferngesteuerte
Filmkameras (Foto von: P. Petrignani/T. Bernabei/J. Osorio/G. Badino)
© P. Petrignani/T. Bernabei/J. Osorio/G. Badino
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Vor der Luftschleuse zur Cueva de los Cristales haben die Forscher ein Kontrollzentrum eingerichtet: Hier überwachen sie die Messwerte und bedienen ferngesteuerte Filmkameras

Die Männer öffnen die Tür, ein Hitzeschwall schlägt ihnen entgegen. Eine weitere Tür - dann blicken die Forscher auf das, was Forti als Himmel und Hölle zugleich erscheint. Eine in mattem Weiß leuchtende, stickige Kammer tut sich vor ihnen auf,etwa 40 Meter tief, 30 Meter breit, durchsetzt von gigantischen, kreuz und quer ineinander verschränkten Säulen aus Selenitkristall: hochreinem Gips, seines Glanzes wegen benannt nach der griechischen Mondgöttin Selene. Zwei funzelige Lampen erhellen diesen bizarren Zauberwald aus durchsichtigem Gestein, der schwache Lichtschimmer strahlt wie aus abertausend Spiegeln zurück. Es ist ganz still.


Paolo Forti macht vorsichtig ein, zwei Schritte in die Kammer hinein, tastet sich voran auf dem rutschigen Untergrund, der ebenfalls aus Kristallen besteht. Der Strahl seiner Stirnlampe huscht über die Selenitsäulen, die wie gefrorene Lichtstrahlen in den Raum ragen; einige laufen an ihren Enden in feine Spitzen aus, andere münden in einer Vielzahl von Stacheln; als wären sie einst geborsten und im selben Augenblick erstarrt.


Klein und unbedeutend wirkt
der Mensch zwischen 10 000 Kubikmetern
Selenitkristall: In der Cueva de los Cristales oder der Nachbarhöhle "Ojo de
la Reina" laufen die
Forscher immer wieder Gefahr,
Zeit und Raum zu vergessen (Foto von: P. Petrignani/T. Bernabei/J. Osorio/G. Badino)
© P. Petrignani/T. Bernabei/J. Osorio/G. Badino
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Klein und unbedeutend wirkt der Mensch zwischen 10 000 Kubikmetern Selenitkristall: In der Cueva de los Cristales oder der Nachbarhöhle "Ojo de la Reina" laufen die Forscher immer wieder Gefahr, Zeit und Raum zu vergessen

Die Kristalle sind riesig - und herzzerreißend schön

Bis zu 14 Meter lang sind die Riesenkristalle, mehr als einen Meter im Durchmesser - zehnmal mächtiger als die größten Selenitformen, die den Wissenschaftlern bisher aus anderen Höhlen bekannt sind. Daneben kommen Forti und sein Kollege sich vor wie Ameisen. Wie nur konnten diese Kristalle so groß werden? So rein, so transparent, so herzzerreißend schön? Und wie lange haben sie dazu gebraucht? Nach gut zehn Minuten kann Forti die Luft in der Höhle nicht länger ertragen: Seine Augen brennen, die Hitze schmerzt in den Lungen. Er ist völlig erschöpft. Etwa eine Viertelstunde nach ihm kommt auch Giovanni Badino durch die Stahltür heraus – und reißt sich zeternd die Arktiskleidung vom Leib: Sie hat ihm, wie angenommen, die Hitze zwar länger vom Körper ferngehalten, doch mit der Zeit hat der Stoff die Temperatur der Höhlenluft angenommen und brennt ihm nun auf der Haut.


Den Forschern ist klar: Hier wird es nicht nur darum gehen, die Entstehungsgeschichte der größten Kristalle der Welt zu rekonstruieren – sie werden dies auch unter Bedingungen leisten müssen, die für Menschen binnen kurzer Zeit tödlich sein können. Bedingungen, die den Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte der Höhlenforschung markieren.


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Mehr zu den Themen: Höhlen, Wüste, Mexiko, Forschung

Kommentare zu "Höhlenforschung: In der Kammer der Kristallriesen"

KURT | 12.01.2013 12:26

Wunderbarer artikel,shr,sehr intereresant Beitrag melden!

Heribert Offer | 16.12.2012 02:04

Hallo - ich bin auch erst durch den ARTE Beitrag darauf aufmeksam geworden und konnte es nicht glauben..was früher als fiktiv galt ( Riesenkristalle ) ist doch realität..toll Beitrag melden!

Wolfgang Knauer | 15.12.2012 18:20

Hallo GEO, ich bin auf die Doku erst durch die erneute Ausstrahlung auf ARTE aufmerksam geworden. Auf Wikipedia gibt es weitergehende Infos, u.a. über den GEO-Artikel in Heft 5/08 (?), sowie diese Seite. Meine Frage: Ist Ihnen bekannt, ob es 3D-Fotos von der Höhle gibt, bzw. wo man welche downloaden könnte? Danke. W.Knauer. Beitrag melden!

vieirae | 08.12.2012 22:05

Eine bessere Rüstung ist der einzige Weg diesen Höhlensystem weiter zu untersuchen. Es braucht ein Kühlsystem (siehe Formel 1 Fahrer) und gut isolierte aber gleich leicht und bewegliche Anzüge (keine leichte technische Herausforderung) um so die Verweilzeit in der Höhle zu verlängern ... und ein entsprechendes Budjet.... Beitrag melden!

Giggi | 25.03.2010 17:19

Ich habe es eben auf den Sender Arte gesehen und bin so begeistert das ich gerne ein Buch mit Fotos von den Kristallen möchte ,leider konnte man in den Dokumentationsfilm nicht so viel sehen weil die Kamera immer beschlug ,es muß da eine ungeheure Hitze sein (habe gelesen wie ich ) einfach super ,auch ihr Artikel ,hochinteressant , Gruß Giggi Beitrag melden!

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