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GEO Magazin Nr. 06/11 Seite 1 von 1
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Umweltpolitik: Der kollektive Selbstbetrug

Warum es ein Irrglaube ist, dass bewusste Konsumenten Nachhaltigkeit erzwingen können. Ein Kommentar von Philosoph Armin Grunwald

Text von Armin Grunwald

Der Physiker und Philosoph Armin Grunwald untersucht am Karlsruher Institut für Technologie die Wechselbeziehungen zwischen Technik, Mensch und Gesellschaft. Seit 2002 leitet er zudem das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag  (Foto von: Karlsruher Institut für Technologie)
© Karlsruher Institut für Technologie
Der Physiker und Philosoph Armin Grunwald untersucht am Karlsruher Institut für Technologie die Wechselbeziehungen zwischen Technik, Mensch und Gesellschaft. Seit 2002 leitet er zudem das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Das Thema Nachhaltigkeit ist in den Hintergrund gerückt auf der politischen Bühne. Eine Klimakonferenz nach der anderen bringt nicht viel mehr als Formelkompromisse, nationale Nachhaltigkeitsstrategien werden von Ministerialbürokratien nur noch verwaltet, und die von Barack Obama erhoffte Richtungsänderung in den USA bleibt aus. Stattdessen schieben die politisch Verantwortlichen und oft auch die Medien die Sorge um die Nachhaltigkeit ins Private ab.

Die Menschen, die Konsumenten, die vielen Einzelnen sollen die Umwelt retten, indem sie durch ihre Nachfrage die Wirtschaft dazu bringen, nachhaltige Produkte anzubieten. Müll trennen, öffentliche Verkehrsmittel nutzen, mit Strom, Gas und Wasser sparsam umgehen – solche Verhaltensweisen gelten als ökologische Tugenden. Um sie zu lernen, gibt es Kurse zur Umweltbildung und ökologischen Ernährung, Öko-Lifestyle-Ratgeber und Internetportale.

Es hat sich moralischer Druck aufgebaut, ökologisch korrekt zu handeln. Religiöse Begriffe werden bemüht, von "Umweltsünden" ist die Rede. Die Möglichkeiten, sich von Umweltverantwortung freizukaufen, etwa bei Fernreisen durch Ausgleichszahlungen, erinnern an den mittelalterlichen Ablasshandel. Umkehr wird gefordert und an die Opferbereitschaft der Menschen wird appelliert, im Interesse zukünftiger Generationen.


Die Erwartung ist: Mit Engagement im Privaten gelingt die Wende zu einer nachhaltigeren Gesellschaft. Das ist jedoch zu bezweifeln. Der Glaube, wir könnten das große Ziel der Nachhaltigkeit menschlichen Handelns allein durch kluge Kaufentscheidungen und sparsames Verhalten erreichen, kommt einem kollektiven Selbstbetrug gleich.


Denn erstens ist es illusorisch, dass in wohlstandsorientierten Gesellschaften eine große Mehrheit von sich aus einen nachhaltigen Weg einschlägt. Europaweit denken Umfragen zufolge nur fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung ernsthaft über die Folgen ihres Konsums nach.


Zweitens verfügen Verbraucher in der Regel nicht über das nötige Wissen, um die Nachhaltigkeit einer Ware oder einer Dienstleistung zu bewerten. Beim Einkauf im Supermarkt fällt es selbst Fachleuten schwer, einzuschätzen, ob etwa der Apfel aus regionalem Anbau, monatelang im Kühlhaus gelagert, die Umwelt mehr schont als der Apfel aus Chile. Ökobilanzen, womöglich gar für den kompletten Lebenszyklus eines Produkts, sind methodisch anspruchsvoll, und das Vorgehen bei ihrer Berechnung ist häufig umstritten. Gütesiegel haben daher oft nur zweifelhaften Wert und werden, wie Studien gezeigt haben, von der Mehrzahl der Konsumenten bei ihren Kaufentscheidungen nicht berücksichtigt.


Reicht individueller Umweltschutz? Diskutieren Sie die Thesen des Autors. Nutzen Sie dazu die <a href="#sendComment" target="" rel="nofollow">Kommentarfunktion</a> unterhalb des Artikels (Foto von: picture-alliance/dpa/dpaweb/dpa–Report)
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Drittens: Selbst wenn viele Menschen sich ökologisch bewusst verhalten, entlastet das nicht automatisch die Umwelt. Denn zwischen das individuelle Handeln und dessen Folgen haben sich komplexe technisch-ökonomische Mechanismen geschoben. Wenn zum Beispiel private Verbraucher Strom sparen, reduziert das in einem System mit Zertifikathandel nicht notwendigerweise die CO2-Emissionen. Da die Gesamtzahl der Emissionsrechte gleich bleibt, könnten andere Luftverschmutzer wie Stahl- oder Aluminiumwerke die frei werdenden Zertifikate nutzen und mehr CO2 emittieren. Privates Stromsparen entlastet dann zwar das Haushaltsbudget, aber nicht die Umwelt.


Auch wenn diese Probleme nicht immer und für jedes Beispiel bewussten Konsums zutreffen, könnte daraus ein unangenehmes Szenario resultieren: Privatpersonen trennen sorgfältig Müll, kaufen Produkte aus der Region, fahren ein sparsames Auto und reduzieren ihren Energieverbrauch, und dennoch würde die Gesellschaft auf Dauer nicht nachhaltiger. Der besorgte Privatmann gliche einem Hamster im Laufrad, emsig rennend – und trotzdem wäre sein realer Beitrag zur Lösung der Probleme gering. Denn das Laufrad bewegte sich nicht von der Stelle.


Nachhaltigkeit ist eben nicht Privatsache, sondern Angelegenheit der polis. Sie betrifft "das Ganze", unsere gesellschaftliche Organisation und unser Verhältnis zur natürlichen Umwelt. Nachhaltige Ziele festzulegen und umzusetzen ist eine öffentliche Aufgabe, die auf allen politischen Ebenen erledigt werden muss. Und nicht nur beim Konsumenten.


Das heisst nun nicht, dass die Einzelnen in diesem Geschehen keinen Platz oder keinen Auftrag hätten, dass sie keine Verantwortung trügen. Im Gegenteil. Individuelle Einflussnahme erstreckt sich jedoch weniger auf das private Umweltverhalten, sondern vielmehr auf die politische Dimension. Als Bürger ihrer Gemeinwesen sind Individuen auch politische Akteure. Statt sich allein auf Mülltrennung und nachhaltigen Konsum zu konzentrieren, sollten sie sich auch politisch und gesellschaftlich engagieren – damit die Institutionen, Strukturen und Teilsysteme der Gesellschaft in eine Richtung "gedrängt" werden, die mit dem Leitbild der Nachhaltigkeit kompatibel ist. Wenn das Wort zutrifft, der Konsument sei ein "schlafender Riese", dann stimmt das in dem Sinn, dass er schläft – und sein Potenzial für politische Mitbestimmung ignoriert.


Dieses besteht darin, sich in Debatten zu engagieren und dazu beizutragen, dass nicht kurzfristige Interessen die Rücksicht auf die Umwelt dominieren. Die Bürger haben die Macht, auf allen möglichen politischen Ebenen nachhaltiges Handeln und das Setzen nachhaltiger Regeln einzufordern oder zu befürworten.


Ein Ansatz, der sich in Kommunen bereits bewährt hat. Mehr als 2500 Städte und Gemeinden in Deutschland sind der Aufforderung des UN-Umweltgipfels 1992 in Rio de Janeiro gefolgt und haben eine Lokale Agenda 21 verabschiedet. Diese Aktionsprogramme sehen explizit die Beteiligung der Bürger vor. Als es etwa in Freiburg darum ging, einen neuen Flächennutzungsplan zu erstellen, schalteten sich rund 900 Personen in die Debatten darüber ein, wie sich der Flächenverbrauch neuer Wohnquartiere gering halten lässt. Das daraus gewonnene Bürgervotum übernahm der Gemeinderat zu großen Teilen.


Bürger können Einfluss nehmen, wenn es gilt, die Energieversorgung sicherzustellen oder die Mobilität zu organisieren – etwa indem sie ihre Stadtwerke drängen, einen Windpark zu bauen, oder bei der Gemeinde die Einrichtung neuer Buslinien fordern. Und sie können sich dafür einsetzen, das Steuersystem zu verändern. Niemand sollte sich auf dem Erwerb von Öko-Zertifikaten zur Kompensation der CO2-Emissionen einer Flugreise moralisch ausruhen – denn die Einführung einer Kerosinsteuer wäre die weitaus effektivere Maßnahme. Erst dadurch würden sich die Rahmenbedingungen von Flugreisen nachhaltig ändern. Demokratisch legitimiert und verbindlich für alle.


Es gilt, die richtigen Anreize zu schaffen. So führte nicht primär individuelles Engagement aufgeklärter Stromkunden zu einer stärkeren Nutzung von Wind und Sonnenenergie. Der Grund für deren Wachstum liegt vielmehr im Erneuerbare-Energien-Gesetz, das die Rahmenbedingungen veränderte, vor allem Erlöse für die Stromeinspeisung sicherte.


Aber: Dass Menschen auch vorher schon, ohne Aussicht auf Belohnung, Ökostrom nachgefragt haben, dürfte wohl die Voraussetzung dafür gewesen sein, das politische System in diese Richtung drängen zu können.


So gesehen sind der Wechsel zu einem Ökostrom-Anbieter, umweltbewusster Einkauf und penible Mülltrennung nicht obsolet, sondern erste Schritte umweltmündiger Bürger. Um aber die großen Probleme in Angriff zu nehmen, müssen die Grundmechanismen der Gesellschaft auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Dafür gilt es sich einzusetzen.


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Mehr zu den Themen: Nachhaltigkeit, Hamsterrad

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Kommentare zu "Der kollektive Selbstbetrug"

dieter | 28.08.2013 19:26

Erstaunlich differenzierte Beiträge... Nur weil Herr Grunwald ein Wissenschaftler ist, bedeutet das noch lange nicht, dass er wirklich Durchblick hat. Der Tunnelblick ist das Werkzeug jeden Wissenschaftlers...
Tatsächlich ist es naiv zu glauben, dass einzig politisches Engagement helfen soll, und das mit einem Kreuzchen alle vier Jahre? Dann müsste man schon das komplette demokratische Modell verändern, davon ist bei Grunwald kein Wort zu hören. Ja, das sollen dann andere Experten wieder richten...
Ich weiss auch nicht ob GEO hier der richtige Ort dafür sein soll, in der grünen Nische zu ackern ist völlig unglaubwürdig, allein die vielen Zappel-Werbeeinblendungen sprechen die Muttersprache des Verlags.... Beitrag melden!

Thomas Merkle | 19.07.2012 11:26

Der Artikel ist aus zwei Gründen mangelhaft. Es wird unzulässig vereinfacht. Es darf bezweifelt werden, ob (fragwürdige) CO2-Fussabdrücke und –Bilanzen zur Beurteilung des Sinns oder Unsinns von Äpfeln aus Chile etc. ausreichen. Bewusstes Kaufverhalten von Endverbrauchern macht in der Masse durchaus Sinn, um regionale Produzenten zu unterstützen, um riesige, nur für den Export ausgelegte Anbauflächen in Drittländern nicht zu fördern, um die enorme Verschwendung von Lebensmitteln in Erzeuger- und Verteilerketten zu minimieren, nur ein paar Beispiele. Wer mehr als 5 Min über diese sehr dynamischen und vernetzten Faktoren nachdenkt, wird selbst auf die Idee kommen, dass das nicht ausreicht. Fatal ist jedoch, dass der Eindruck entsteht, dass hier Leute, die mitdenken und sich engagieren in arroganter Weise als fleissige, aber (Pardon) dumme Idioten abgetan werden. Das Zurückrudern am Ende rettet nichts mehr, der Sache ist das nicht dienlich. Weiterüben! Das geht viel besser! Beitrag melden!

tom-ate | 06.07.2011 18:25

Es geht nicht nur darum, neben dem Individuum einfach die Systemebene Gesellschaft/Politik zu aktivieren, um Nachhaltigkeit zu erreichen, sondern zunächst darum, die Komplexität der Nichthaltigkeit gänzlich zu verstehen. Es sind Interaktionen und Wechselwirkungen aus den Systembereichen globales Bevölkerungswachstum, technologischer Fortschritt, durch Evolution geformte motivationale Grundstruktur des Menschen, medial in alle Winkel der Welt verbreitete Wunschwelten, Wirtschaftswachstumsdogma, Klimawandel, Ressourcenschwund, zunehmende Zerstörung und Vergiftung von Lebensraum, etc. Niemand begreift diese Zusammenhänge in ihrer Dynamik nur annähernd. Beitrag melden!

K. Siebert | 29.06.2011 15:10

Einerseits regulieren sich Dinge (eher auf der politischen Ebene) durch Reaktionen auch der Bürger - um ein verträgliches Maß zu finden. Was aber problematisch ist, wenn Unweltbew. ins Qausireligiöse abrutscht, wenn Natur überhöht wird, mit Gut-Böse-Gegensätzen gearbeitet wird, der Mensch als naturfeindlich (übermächtig, weil er die 'Natur' zerstören könnte) gesehen wird. Wenn es nicht mehr um sachliche Überlegungen geht, angemessene Riskoeinschätzungen, sondern Unüberprüftes kolportiert wird, wenn Berichterstattung statt sachlich zu informieren, dramatisiert,sprich: Szenarien aufgebaut werden, die münden in einer Weltrettungsinszenierung, in der jedes kw Strom, das gespart wird als gute Tat gilt. Das ist einfach kurzsichtig. Es findet zur Zeit eine emotionale Aufladung statt, die dem erreichen der propagierten Zielen eher im Wege steht als sie zu fördern. Wenn man etwas verändern will ist viel Sachverstand gefragt und klares Denken/Ziele von Nöten - würde also dem Autor eher zustim Beitrag melden!

Jürgen Helm | 07.06.2011 15:24

Na ja, ist doch klar: Ohne den mündigen, selbstbewussten Verbraucher gibt es keinen Druck auf die Politik und Anreize in der Wirtschaft, mehr in die nachhaltige Energie zu investieren. Ich finde, Herr Grunwald eiert mit ein wenig zuviel politischer Korrektheit und wohlbekannten Plattitüden von einer Seite zur anderen. Vielleicht arbeitet er bereits zu lange im politischen Betrieb mit. Beitrag melden!

R.Roth | 06.06.2011 23:27

Wenn das in den Medien so gut wie unbeachtet bleibt, kann man sich auch nicht engagieren.
Laut deutscher Wikipedia wurde die Duales System AG schon 2005 von KKR übernommen. Niemand weiß das.
Es gibt sogar einen Film, Der Konzern, engl. Barbarians at the Gate.
In der englischen Wikepedia gibt es sehr ausführliche Informationen über KKR.

http://en.wikipedia.org/wiki/Kohlberg_Kravis_Roberts_%26_Co.
Beitrag melden!

ich | 06.06.2011 21:32

also mir gefällt die argumentation. er sagt ja, dass man sich politisch engagieren muss, damit die konsumenten die chance und den staatlich unterstützten anreiz dazu bekommen ihr konsumverhalten zu ändern. Beitrag melden!

R.Roth | 06.06.2011 11:12

Müll trennen ok, aber ich bezahle nicht gerne für Heuschrecken.
http://www.welt.de/print/die_welt/wirtschaft/article10628166/Gruener-Punkt-vor-dem-Verkauf.html

Kurz gesagt: Steinzeitkapitalismus und Ökologie verträgt sich nicht. Beitrag melden!

Ute Fleischmann | 04.06.2011 00:27

Da halte ich es mit Luther und Homar von Dithfurth;
"Und wenn ich wüßte, daß morgen die Welt untergeht, so würde ich heute noch ein
Apfelbäumchen pflanzen...."
Solange ich atme, werde ich alles Gute für möglich halten. Beitrag melden!

trontur | 03.06.2011 15:49

Ich stimme Hr. Grunwald zu.
Wir diskutieren regelmäßig über das Thema Nachhaltigkeit im Freundes- und Kollegen-Kreis. Immer wieder höre ich Stimmen, die die Eigenverantwortlichkeit an die oberste Stelle setzen. Ich selbst gehöre zu den peniblen Mülltrennern und versuche, auch in anderen Bereichen den Ansprüchen von Nachhaltigkeit einigermaßen gerecht zu werden.
Permanent begegne ich Menschen, die sich ähnlich umfangreich Gedanken darüber machen.
Aber es gibt auch eine große Anzahl von Mitbürgern, die das nicht tun (aus welchen Gründen auch immer). Das aktuelle System verführt (durch Werbung) und verschleiert (durch PR).
Wir benötigen systemische Änderungen evolutionärer (nicht revolutionärer) Art. Das ist ein zäher und langwieriger Prozess, wie ein Vorkommentator richtig bemerkte. Dieser muss angestoßen werden durch eine kritische Masse an Systemelementen (Bürger), die auf eine Änderung drängt.
Und das erfordert in der Tat, wie von Hr. Grunwald ausgeführt, politisches Engagement. Beitrag melden!

nico | 02.06.2011 10:29

nach dem lesen fühle ich eine gewisse bestürzung. die prioritäre rolle, welche der politischen komponente im streben nach nachhaltigkeit beigemessen wird, scheint mir überzeichnet. frei nach dem change the system from within ansatz beginnt bewusstseinswandel in der gesellschaft für mich immer bei seinem kleinsten teilsystem, dem subjekt. sie werden nun sagen, bewusstseinswandel sei nicht zu verwechseln mit realem wandel. einer von der obrigkeit beschlossenen plannachhaltigkeit fehlt jeglicher rückhalt. wie wär's denn, mit einem symbiotischen wandel? ein wandel, der weder bottom up noch top down initiiert wird? ein wandel, der von einer gegenseitigen befruchtung vorangetrieben wird. dass es dafür die strukturgebende gewalt, wie auch das subjekt als akteur darin braucht, ist für mich plausibel. die grosse verantwortung des einzelnen darf dabei als anreiz nicht unterschätzt werden, sich selbst zu disziplinieren. diese zivilgesellschaftliche ressource ungenutzt zu lassen, wäre fatal. Beitrag melden!

SteterTropfen | 01.06.2011 11:30

Ich finde, die Argumentation vernebelt eher, als dass Sie erhellt.

Natürlich wäre es besser, wenn jeder Bürger neben seinem Konsum auch sein politisches Verhalten ändern würde. Aber dies ist noch unwahrscheinlicher, als das er "nur" sein Konsumverhalten verändert.

Vor allem aber unterschätzt der Autor die enorme Macht der Konsumenten in einer kapitalistischen Gesellschaft. Jeder Anbieter kann nur sein Geld vermehren, wenn er die Bedürfnisse der Konsumenten befriedigt (deswegen ja auch die millionenschweren Versuche diese per Werbung zu beeinflussen). Selbst wenn statt 5% lediglich 5,01% der Bundesbürger ökologisch bewusster konsumieren, hat das meiner Überzeugung nach mehr langfristige Effekte als Dutzende von Bürgerinitiativen.

Auf der anderen Seite wird der Gemeinschaft zuviel Veränderungsfähigkeit zugetraut. Letztendlich enden Versuche unser Handelns zu reglementieren/kollektivieren immer in ineffektiver Bürokratie (s. Hayek).

Also: Müll trennen ist Pflicht, der Rest ist Kür :) Beitrag melden!

beb | 01.06.2011 11:16

Niemand der sich auf den mühsamen Weg macht, seinen Konsum nachhaltig zu gestalten, wird abstreiten, dass es weitaus effektiver wäre, das ganze Problem gesamtgesellschaftlich anzugehen. Im Gegenteil die meisten engagieren sich auch dahingehend. Nur ist dieser Prozess zäh und langwierig. Deshalb will man selbst schon weiter. Noch wichtiger ist aber, dass jeder für sein Handeln verantwortlich ist, also auch für das was er kauft. Es ist schizophren in Dt. stolz zu sein, dass man sich hier weitesgehend an die Menschenrechte hält, während es klar ist, dass das nicht für die Menschen gilt die die Produkte herstellen, die wir konsumieren. Und das gleiche gilt für den Schutz der Natur, der in Dt. für viele eine große Bedeutung hat, nur eben wieder nicht in den anderen Ländern, aus denen das kommt was wir konsumieren. Es gibt nichts falsches daran, zu versuchen, da nicht mit zu machen, soweit möglich. Dadurch ändert sich die Welt nicht gleich. Aber mit solchen Artikeln garantiert auch nicht. Beitrag melden!

SteterTropfen | 01.06.2011 10:48

Ich finde, die Argumentation vernebelt eher, als dass Sie erhellt.

Natürlich wäre es besser, wenn jeder Bürger neben seinem Konsum auch sein politisches Verhalten ändern würde. Aber dies ist noch unwahrscheinlicher, als das er "nur" sein Konsumverhalten verändert.

Vor allem aber unterschätzt der Autor die enorme Macht der Konsumenten in einer kapitalistischen Gesellschaft. Jeder Anbieter kann nur sein Geld vermehren, wenn er die Bedürfnisse der Konsumenten befriedigt (deswegen ja auch die millionenschweren Versuche diese per Werbung zu beeinflussen). Selbst wenn statt 5% lediglich 5,01% der Bundesbürger ökologisch bewusster konsumieren, hat das meiner Überzeugung nach mehr langfristige Effekte als Dutzende von Bürgerinitiativen.

Auf der anderen Seite wird der Gemeinschaft zuviel Veränderungsfähigkeit zugetraut. Letztendlich enden Versuche unser Handelns zu reglementieren/kollektivieren immer in ineffektiver Bürokratie (s. Hayek).

Also: Müll trennen ist Pflicht, der Rest ist Kür :) Beitrag melden!


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